Sternberg : Weite Suche nach Fachkräften

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Für längere Zeit unbesetzte Stellen wirbt die Arbeitsagentur auch im EU-Ausland. Die Erwerbslosenquote im Bereich Sternberg lag im Dezember bei 10,6 Prozent.

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05. Januar 2016, 16:48 Uhr

Die Saisonvorbereitung im Tourismus läuft auf vollen Touren, Stellen in Restaurants und Hotels sind bereits ausgeschrieben. Hier ist auch ein Quereinstieg möglich, eine auf Gäste orientierte Arbeitsweise und Motivation vorausgesetzt. Kraftfahrer im Fern- und Nahverkehr sind in der Region Sternberg, Brüel und Warin ebenso gefragt, Land- und Baumaschinenmechatroniker für die Land- und Forstwirtschaft, Fachkräfte aus dem Metallbereich sowie Fachpersonal in der Pflege.

Die Agentur für Arbeit wolle dem Fachkräftemangel durch gezielte Qualifizierung entgegenwirken, sagt Cornelia Behnisch, Geschäftsstellenleiterin für Parchim, Lübz und Sternberg. Interessierte Kunden sollten sich bei ihrem Arbeitsvermittler beraten lassen. So bestehe zum Beispiel die Möglichkeit einer dreijährigen Umschulung zum examinierten Altenpfleger ab dem 21. März in Parchim.

Die ausgeschriebenen Stellen könnten lange nicht besetzt werden, da es kaum Bewerber gebe, stellt Behnisch fest. Firmen versuchten vereinzelt, diesem Trend mit der Einstellung von Hilfskräften entgegen zu treten, etwa auf dem Bau als Helfer beim Abbruch, für Heizung und Sanitär sowie im Gerüstbau.

Alle Stellenangebote für Fachkräfte gehen laut einer Vereinbarung mit der EU an den European Employment Service (EURES), die europäische Arbeitsvermittlung. „Mit der Ausnahme, dass jemand das ausdrücklich nicht wünscht“, sagt Astrid Becker vom Arbeitgeberservice in Parchim. Sei das Angebot an Fachkräften gering, werde die freie Stelle als besonders relevant gekennzeichnet und an die zentrale Auslandsvermittlung (ZAV) gegeben. „Wir beraten die Arbeitgeber umfangreich“, so Becker. Als weiterer Schritt werde im Ausland
geworben. Dort agieren so genannte Incomingteams, die Kontakt zu Menschen, die etwa in Deutschland arbeiten wollen, aufnehmen. Es werde gründlich geprüft, wie das Stellenangebot von hier und die Bewerbung aus dem Ausland zusammenpassen, betont Cornelia Behnisch. „Beide Seiten müssen sich darauf einstellen, worauf sie sich einlassen.“ Eine Checkliste enthalte, was zu bedenken ist und was hinter der Bewerbung aus dem Ausland steckt, um auch eine angemessene Willkommenskultur zu pflegen.

Der Sternberger Apotheker Mathias Ratke, der über die Agentur für Arbeit, Vermittlungsportale des Verbandes und private Stellenvermittler längere Zeit vergeblich eine Fachkraft gesucht hatte, die sich für den ländlichen Raum erwärmen kann, hatte auf diesem Weg endlich Erfolg. Mit Teresa Ferreira aus Lissabon arbeitet seit Oktober 2014 eine Portugiesin bei ihm (wir berichteten). Sie zog mit Ehemann und Tochter nach Sternberg. Das Einarbeiten habe freilich Zeit gebraucht, räumt Ratke ein, vor allem wegen der Fülle an Formalitäten allgemein sowie Regelungen speziell durch Gesetzgeber und Krankenkassen. Längst freut sich Teresa Ferreira über einen festen Job in ihrem Beruf und Mathias Ratke über eine ausgebildete Apothekerin.

Deshalb sei es so wichtig, freie Stellen für Fachkräfte bei der Arbeitsagentur anzugeben, ermuntert Astrid Becker. „Wenn der Bedarf nicht gemeldet ist, kann keiner den kennen und entsprechend tätig werden.“ Natürlich gäbe es keine Garantie, dass die Suche im Ausland Erfolg hat. Die gelte indes nur für Fachkräfte und für die Berufe, bei denen in Deutschland Mangel bestehe. Es würden strenge Maßstäbe angelegt – wie viele freie Stellen es gibt und wie lange sie schon vakant sind. Zweimal im Jahr werde eine so genannte Fachkräfteengpassanalyse durchgeführt. Diese gliedere sich in drei Bereiche: technische Berufe und Ingenieure in allen Varianten von Maschinenbau über Elektrotechnik bis Informatik, zweitens Verkehrswesen, vor allem auf der Schiene, sowie der große Bereich Gesundheitswesen. Das sucht händeringend Pflegepersonal, Physiotherapeuten oder Orthopädietechniker. Analog erfolge die Vermittlung ausländischer Bewerber für Ausbildungsstellen.

Laut dem gestrigen Arbeitsmarktbericht stieg die Zahl an freien Stellen im Geschäftsstellenbezirk Sternberg im Dezember um zwei auf 35. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen fiel auf 10,6 Prozent. Vor einem Jahr waren es 12,0 Prozent. Im Geschäftsstellenbezirk Wismar verringerte sich der Bestand an freien
Arbeitsstellen im Dezember um 23 auf 677. Die Erwerbslosenquote betrug im Dezember 9,9 Prozent. Vor einem Jahr lag sie mit 10,2 Prozent leicht über der zweistelligen Grenze.

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