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Groß Raden: Erster Spezial-Workshop in Brettchenweben : Weben wie einst die alten Ägypter

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Brettchenweben - noch nie gehört!? Dabei ist die Bandwebtechnik uralt. Der Fund eines Webbrettchens in einem Tempel lassen vermuten, dass die Webtechnik bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreicht.

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erstellt am 04.Nov.2013 | 12:08 Uhr

Groß Raden | Brettchenweben - noch nie gehört!? Dabei ist die Bandwebtechnik im wahrsten Sinne des Wortes uralt. Abbildungen in ägyptischen Grabkammern sowie der Fund eines elfenbeinernden Webbrettchens in einem Tempel von Susa lassen vermuten, dass die spezielle Webtechnik bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreicht. Und auch die Wikinger stellten so schon die verschiedensten Dinge her.

"Brettchenweben ist nahezu weltweit verbreitet, nur aus Australien ist mir nichts bekannt", sagt Ruth Bar czewski. Seit 1999 im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden tätig, führte sie am Wochenende erstmals solch einen Kreativ-Workshop "Brettchenweben" durch. "Das ist mein Beitrag zur Vereinsarbeit. Ich habe das Brettchenweben von der einst im Museum arbeitenden Handwebmeisterin Sigrun Schwarz gelernt, die die Segel für die Schiffe hier fertigte", erläutert Bar czewski. Seit nunmehr 15 Jahren lässt sie das Brettchenweben nicht mehr los - jetzt leitete sie ihren "ersten Lehrgang in der Form". Ansonsten sitzt die in Ruchow bei Mustin Wohnende seit 2009 an der Kasse und war zuvor im Freigelände dieses einzigartigen Museums in MV tätig.

Der spezielle Web-Workshop ging an beiden Tagen jeweils von 10 bis 17 Uhr und kostete 20 Euro. Fünf Frauen hatten sich angemeldet, nach drei Erkrankungen blieben zwei übrig: Manuela Blecken aus Remplin, das liegt zwischen Malchin und Teterow, sowie Imra Möhring aus Karow bei Dorf Mecklenburg.

Letztere hatte sich das Brettchenweben "vor anderthalb Jahren selbst ein bisschen beigebracht" und wollte es "hier jetzt richtig erlernen". Als Beweis ihres bisherigen Wirkens hatte sie ihre selbst verzierte Handtasche dabei. Die Remplinerin weilte "Anfang des Jahres als Pfadfinderin in Groß Raden, da hörte ich vom Termin. Ich habe das Brettchenweben mal probiert, war aber nicht sehr erfolgreich." Da sollte der Workshop in Groß Raden Abhilfe schaffen. Manuela Blecken wollte für ihr Mittelalterkleid eine Verzierung weben.

Doch erst einmal ging es um Grundbegriffe, etwa wie man selbst Muster entwerfen kann, sowie ans Zuschneiden der jeweils zwei Meter langen verschiedenfarbigen Fäden. Nach drei Stunden war Manuela Blecken damit fertig. Jetzt konnte es losgehen.

"Das Anfertigen einer Schmuckborte etwa kann, je nach Kompliziertheit des Musters, zwischen acht Stunden und acht Wochen dauern", betonte Ruth Bar czewski. Dann erläuterte sie die Funktionsweise solch eines Webgestells, bei dem die Kettfäden samt Brettchen eingespannt sind. Von links nach rechts bzw. umgekehrt wird das Schiffchen mit dem so genannten Schießfaden hindurchgezogen. Und zwischendurch müssen die Brettchen, je nach gewolltem Muster, gedreht werden.

So weit, so einfach. Wie alles im Leben braucht es auch hierbei Erfahrung und Können. "Die Grundzüge kann man auf jeden Fall in zwei Tagen erlernen", so Ruth Bar czewski.

Vielfältig: Von Schmuckbändern bis hin zum Abschleppseil

Mit dieser Bandwebtechnik lassen sich weiß Gott nicht nur Schmuckbänder herstellen, sondern auch Bänder für Taschen, Gürtel, Hundeleinen oder den Umhängeriemen an der Gitarre", erläutert die Museumsmitarbeiterin, um hinzuzufügen: "Ja, die Sachen sind so stabil, dass man früher damit Pferde anspannen konnte. Oder es geht auch als Abschleppseil fürs Auto". Da musste Imra Möhring lachen: "Da habe ich ja ein Weihnachtsgeschenk für meinen Mann!" Für so’n Abschleppseil dürfte die Zeit bei Möhrings indes zu schade sein, die Karowerin dachte eher an eine Tunika fürs Kind.

Was alles mit solch einem Webgestell möglich ist, verdeutlicht Folgendes: Auf jenem beim Workshop befanden sich 24 Brettchen aus fester Pappe mit je vier Löchern (es gibt auch welche mit fünf). Bar czewski: "Die breiteste mit Brettchen gewebte Kante war einst mit sage und schreibe 178 Brettchen hergestellt worden."

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