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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 23:01 Uhr

Warin : Wasserstand jederzeit im Blick

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Starke Schwankungen im Großen Wariner See hängen vor allem von den Jahreszeiten ab. Der Wasser- und Bodenverband greift nur bei Notwendigkeit in Natur ein.

von
erstellt am 19.Jan.2017 | 20:30 Uhr

Der Große Wariner See füllt sich – wie andere Gewässer und wie jedes Jahr im Winter. Für Andrea Oleak, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Obere Warnow mit Sitz in Waldeck, ein normaler Verlauf der Natur. Der amtliche Pegel an der Brücke vom Stavenbachsgang in Warin steht bei 50 Zentimetern; steigt er um weitere zwei, öffnet sich automatisch das Wehr an der Brücke der Bundesstraße, wo es noch einen Behelfspegel gibt.

Zwischen Großem Wariner und Glammsee sei es landläufig der Mühlenbach, die wasserwirtschaftliche Bezeichnung von Neukloster bis Weitendorf, wo er in die Warnow fließt, aber Brüeler Bach.


Gegen Wetterextreme kaum Chancen


Maximales Stauziel für den Mühlenbach seien 55 Zentimeter, dann drohten angrenzende Flächen aber schon zu vernässen. Beim Hochwasser 2002, als anhaltender Regen einen Vorfluter über die Ufer treten ließ und der Pegel gar auf 73 Zentimeter stieg, war „Land unter“, wie Oleak sagt. Gegen solche Wetterextreme gebe es kaum Chancen. „Deshalb ist es so wichtig, Grä-ben und Vorfluter zu pflegen“, hakt Roland Ohlendorf ein. Der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Gustävel ist seit 8. Dezember Verbandsvorsteher. Er trat die Nachfolge des 81- jährigen Heinz Linden an, der das Ehrenamt nach 24 Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgab. Ebenso lange und damit seit Gründung des Verbandes gehört Ohlendorf dem Vorstand an.

Sorgen bereitet der Wasserstand auch, wenn er tief sinkt. „Ab 35 Zentimeter wird es prekär“, so Oleak. Im Sommer sei das öfter passiert, auch vor dem Umbau des Wehrs 2014, das jetzt einem „Jahrhunderthochwasser“ standhalte, samt Errichtung einer Fischtreppe. Im Zeitraum 2000 bis 2012 sei der niedrigste Pegelstand 2001 mit 25 Zentimetern notiert worden.

Jedes Jahr stehe die Frage, wann und wie viel Niederschlag fällt. Im Sommer würden indes größere Mengen verdunsten und die Pflanzen mehr aufnehmen, so dass in den Gewässern oft „nicht viel ankommt“. Zahlen und Fakten nannte die Geschäftsführerin auf der jüngsten Sitzung der Wariner Stadtvertretung. Den Anstoß hatte Hans-Peter Gossel auf der Oktober-Sitzung gegeben. Mit dem Wariner See stimme was nicht, er „stinkt zum Himmel“. Werde das Mindeststauziel von 35 Zentimetern zu weit unterschritten, erwärme sich der See schneller und die Algenbildung nehme zu, außerdem verschlechtere sich die Wasserqualität „durch zusätzlichen Eintrag von Stickstoff aus Biogasanlagen“.

Das Wasser aus dem Großen Wariner See fließe überwiegend über die Fischtreppe ab. Sei der Stand zu niedrig, würden Staubohlen eingesetzt, fünf Stück insgesamt einen halben Meter hoch, mitunter weniger, erklärt Andrea Oleak. „Wir können aber nicht ganz absperren, ein Mindestablauf muss bleiben für die Tiere, die in dem Wasser leben. Der Mühlenbach würde austrocknen, und für den Glammsee wäre das auch nicht gut.“

Mit der Wasserqualität im See befasse sich allerdings nicht der Wasser- und Bodenverband, sondern das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie sowie das Gesundheitsamt des Landkreises. Dem Wariner See sei 2015 eine ausgezeichnete Badewasserqualität attestiert worden. Und das zeichne sich auch für 2016 ab. Die Messungen von Mai bis September ergaben jedes Mal „zum Baden geeignet“ , wie eine uns vorliegende Information bestätigt. Zum anderen werde die Badewasserqualität nicht durch Stickstoffeintrag beeinträchtigt. Der See bei Langen Jarchow sei mal gesperrt worden, nachdem sich dort viele Wildgänse aufgehalten und ihren Kot hinterlassen hatten.

Der Wasser- und Bodenverband behalte weiter die Wasserstände im Blick. Er sei aber für die Regulierung und Sauberhaltung der Fließgewässer zuständig, den schadlosen Wasserabfluss unter Berücksichtigung des Naturschutzes sowie die Unterhaltung der baulichen Anlagen. Insofern habe er mehr mit dem Biber als der Wasserqualität zu tun, so Geschäftsführerin und Vorsteher. Die Zusammenarbeit mit dem Naturpark sei jedoch gut, sie selbst Mitglied im Förderverein, so Oleak. Auf kurzem Wege zu den Rangern würden Probleme „relativ unbürokratisch“ gelöst. Manch anderer Verband habe es in der Hinsicht weit schwerer.


Durch Bürokratie sogar Flurstücke geteilt


Dafür ufere die Bürokratie auf anderem Gebiet aus. Der Verband, wie alle anderen „per Gesetz nach Einzugsgebieten gegründet“, betreue eine Fläche von 62 000 Hektar zwischen Crivitz, Kobrow, Leezen und Neukloster. Entscheidend sei, in welche Richtung das Wasser fließe. Etwa durch die neue Autobahn gebe es Veränderungen, die bis zur Teilung von Flurstücken reichten. Die Einzugsgebiete würden jährlich festgelegt. Zugespitzt könne das so weit gehen, dass das Wohnzimmer zum einen Verband gehöre und das Schlafzimmer zum anderen...

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