Dabel : Was für ein Zeichen für Dorf und Kirche

Christian Lange schlägt die Glocke vor dem Fenster seines bettlägrigen Vaters an.
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Christian Lange schlägt die Glocke vor dem Fenster seines bettlägrigen Vaters an.

Umzug mit Dabeler Glocken weckte viele Emotionen. Erster Glockenschlag gestern vor dem Fenster von Pastor Hansherbert Lange

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05. März 2016, 12:00 Uhr

„Ein Ziel, das sich Pastor Hansherbert Lange, seine Ehefrau Astrid und der Kirchengemeinderat vor zehn Jahren gesetzt haben, ist erreicht worden – unglaublich!“ Pastor Mitchell Grell fasst in Worte, was viele Menschen denken. Es sind die Menschen der Gemeinde Dabels und Gäste aus anderen Kirchengemeinden, die beisammen stehen und den Umzug ihrer Glocken durch den Ort in einer festlichen Andacht vor der Kirche abschließen.

Es spielen der Posauenchor, der Handglockenchor und die Tonstabgruppe. Musikgruppen, für die Dabel weithin bekannt ist und denen unter anderem die neuen Glocken gewidmet sind. Den wohl emotionalsten Moment haben sie da schon hinter sich: Vor dem Haus Pastor Langes, der krankheitsbedingt nicht am Umzug teilnehmen kann, bleibt der Zug stehen. Die größte Glocke wird mit dem Kranarm des Kleinlasters angehoben und Sohn Christian Lange schlägt die Glocke an. Den Hammer dafür reichte Pastor Lange aus dem geöffneten Fester, vor das er gebracht wurde. Er hatte ihn voller Zuversicht gekauft, als der Gusstermin der Glocken feststand.

„Mein Mann war sehr bewegt“, sagt Astrid Lange. Trotz seiner schweren Krankheit freue er sich über den Kontakt zu den Menschen in der Gemeinde, die mit ihm auf die Vollendung seines Glockentraumes mitfiebern, so die Frau des ehemaligen Pastors, die derzeit alle „Glocken-Fäden“ in der Hand hat.

Beim Abladen der neuen „Schätze“ vor der Kirche ließ sie alle Glocken nacheinander noch einmal erklingen, bevor diese in den Kirchturm gebracht wurden.

Am Nachmittag zuvor hatten Vertreterinnen der Musikgruppen die Glocken und die Ladefläche festlich geschmückt. „Ein Anblick, der ehrfürchtig macht“, wie Uta Elm meinte. „Was für ein Zeichen für das Dorf und die Kirchengemeinde“, sagt Waltraud Röse, zu Gast vom Kirchengemeinderat Dobbertin, zu dem „bewegenden“ Umzug und der Andacht.

Die problemlose Durchführung hatte Schmiedemeister Joachim Hecht möglich gemacht. Bei den Worten des Dankes standen auch ihm dann die Tränen in den Augen. „Ich bin kein Kirchengänger“ sagt er. Aber jeder habe seinen Glauben, so auch er. Das Verhältnis zu Hansherbert Lange ist nicht unbelastet, „denn er habe als Pastor schon seine spezielle Art gehabt“, ist er ehrlich. Doch die Vollendung so eines Projektes nötigt ihm Ehrfurcht ab. „Da musste ich einfach helfen“, sagt er.

Am Ostermontag werden die Glocken geweiht. Dann erklingt das erste Mal das komplette Geläut über den Ort bis ins Zimmer von Hansherbert Lange.

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