Warnstreik legt Schulbusverkehr lahm

Warnstreik: Jakob Alfred, Jürgen Wolf und Hartmut Schaplow (v.l.) legten für fünf Stunden ihre Arbeit als Busfahrer  nieder. Dabei  blockierten sie die Zu- und Abfahrt des Hofes der SGS Bus und Reisen am Standort Sternberg mit einem Bus. Foto: Stefanie Milius
Warnstreik: Jakob Alfred, Jürgen Wolf und Hartmut Schaplow (v.l.) legten für fünf Stunden ihre Arbeit als Busfahrer nieder. Dabei blockierten sie die Zu- und Abfahrt des Hofes der SGS Bus und Reisen am Standort Sternberg mit einem Bus. Foto: Stefanie Milius

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08. Mai 2012, 05:45 Uhr

Sternberg | Die Kinder aus dem Sternberger Seenland warteten gestern vergeblich auf ihre Schulbusse. Der Grund: Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr. Unter den Streikenden auch die Beschäftigten der SGS Bus und Reisen GmbH Schwerin. Um bei den Tarifverhandlungen ihrer Forderung nach mehr Lohn Ausdruck zu verleihen, legten sie ihre Arbeit für fünf Stunden nieder. Von 4 bis 11 Uhr blieben am Standort Sternberg alle Fahrzeuge auf dem Hof. Mitarbeiter hatten die Zu- und Ausfahrt mit einem der Busse blockiert.

Eltern mussten ihre Kinder selbst zur Schule bringen. Wer dies nicht konnte, schickte sie erst gar nicht auf den Weg, sondern betreute seine Schützlinge zuhause. "Kinder aus den umliegenden Gemeinden sind nicht hier. Es fehlen drei bis fünf Schüler pro Klasse", berichtete Christina Schuhmann, Schulleiterin der Regionalen Schule Brüel. Ein ähnliches Bild zeichnete sich in der Grundschule der Stadt ab. In der Verbundenen Regio nalen Schule und Gymnasium David Franck in Sternberg blieben nur vereinzelt Schüler dem Unterricht fern ebenso wie an der Wariner Grundschule.

Die Schulen reagierten auf die fehlenden Schüler, indem sie die Lehrpläne der einzelnen Klassen kurzfristig umstellten: Soweit es möglich war, setzten die Lehrer den Unterricht wie vorgesehen fort. Anderenfalls übten sie mit den anwesenden Kindern den bisher behandelten Stoff, informierten die Schulleitungen. Die Grundschule Dabel führte den normalen Lehrbetrieb fort. Denn alle 28 Mädchen und Jungen, die hier auf den Schulbus angewiesen sind, wurden von ihren Eltern zur Schule gefahren.

Neben der SGS beteiligten sich am Streik Beschäftigte aus weiteren Unternehmen der Landkreise Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg wie Grevesmühlener Busbetrieb, Reisedienst Parchim und Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft. Vom Streik betroffen war auch der Linienbusverkehr.

Zu dem Warnstreik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aufgerufen, nachdem erste Verhandlungen im Tarifstreit im öffentlichen Personennahverkehr scheiterten. Die Gewerkschaft fordert für jeden Fahrer 110 Euro mehr Lohn pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Die von den Arbeitgebern vorgeschlagene Lohnerhöhung von 1,3 Prozent ab 1. April und eine nochmalige Erhöhung von 1,2 Prozent ab April 2013 bei einer Laufzeit von 24 Monaten lehnte ver.di ab. Das Angebot sei nicht mal der Inflationsausgleich, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft.

Der Geschäftsführer der SGS Bus und Reisen Andreas Helms hält die Forderungen der Gewerkschaft für unangemessen angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen bereits damit zu kämpfen habe, dass Mecklenburg-Vorpommern die Zuschüsse für den öffentlichen Personennahverkehr und den Ausbildungsverkehr drastisch kürzt. Zudem bedaure er das Vorgehen von ver.di. "Ich halte es für fragwürdig, bereits nach der ersten Verhandlungsrunde zu streiken - auf Kosten Dritter. Damit wird der Streit nur noch mehr angefacht", so der Geschäftsführer. Stattdessen hätte er sich sachliche Gespräche gewünscht.

Gelegenheit dazu ist heute in Schwerin. Dort wollen Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft und der Busbetriebe um 10 Uhr die zweite Verhandlungsrunde eröffnen.

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