Karnin bleibt für Bootstouren gesperrt : Warnowpegel trotz Regens zu niedrig

<fettakgl>Bootstouren auf der Warnow sind weiterhin möglich:</fettakgl> Bei Gustävel können Wasserwanderer  problemlos einen Ausflug starten. Der benachbarte Abschnitt im Durchbruchstal bei Karnin ist aber weiterhin wegen Niedrigwassers gesperrt.<foto>Werner Mett</foto>
Bootstouren auf der Warnow sind weiterhin möglich: Bei Gustävel können Wasserwanderer problemlos einen Ausflug starten. Der benachbarte Abschnitt im Durchbruchstal bei Karnin ist aber weiterhin wegen Niedrigwassers gesperrt.Werner Mett

Der Flussabschnitt bei Karnin bleibt für Bootstouren gesperrt: Die Behörden messen zweimal in der Woche den Wasserstand der Warnow.

svz.de von
20. Juli 2012, 09:35 Uhr

Karnin | Auch der ergiebige Regen in dieser Woche ändert nichts daran: Die Warnow bei Karnin bleibt für Kanus und andere Boote tabu. Seit dem 15. Juni ist dieser Flussabschnitt im Warnow-Durchbruchstal für Wasserwanderer gesperrt. "Am Donnerstag haben wir einen Wasserstand von 13 Zentimetern im Flachwasserbereich gemessen", teilt Bernhard Fiedler, Naturschutz-Dezernent beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Die Marke von 30 Zentimetern, auf die sich Behörden, Naturschützer und Kanu betreiber als Minimum für einen Bootsverkehr geeinigt haben, ist damit noch weit entfernt. Fiedler mag und kann keine Prognose abgeben, wann dieser Wert wieder erreicht wird. "Zweimal in der Woche wird der Pegel an den sensiblen Stellen per Hand gemessen - zusätzlich zu der ständigen Messungen an den elektronischen Pegeln", erläutert der Dezernent. Montags und donnerstags ist entweder ein Mitarbeiter vom Stalu oder von der Naturparkverwaltung aus Warin vor Ort und kontrolliert die Werte. "Falls möglich, wird die Sperrung der Warnow dann sofort aufgehoben", verspricht Fiedler. An der neu gebauten Warnowbrücke bei Langen Brütz könne dann das Signal von Rot auf Grün umgelegt werden. Auch auf den Internetseiten werde als nächstes wieder freie Fahrt für Bootstouristen gegeben. Der Naturschutz-Dezernent bezweifelt jedoch, dass das so schnell der Fall sein wird.

Dabei ist der Warnowpegel bei Karnin in dieser Woche um vier Zentimeter gestiegen. Am Montag waren es 9 Zentimeter an der flachsten Stelle, am Donnerstag schon 13. "In diesem Zeitraum hat es mehr als elf Liter Regen pro Quadratmeter gegeben", berichtet Fiedler. Ihm liegen die offiziellen Messwerte der Wettersta tion aus Goldberg vor. Der heftige Regen am Donnerstag brachte nochmals mehr als sieben Liter pro Quadratmeter. "Das könnten zwei, drei Zentimeter für den Wasserstand in der Warnow bedeuten."

Doch so viel Regen wie am Donnerstag gibt es nicht an jedem Tag. Im Gegenteil: Nächste Woche soll der Sommer in unsere Breitengrade langsam zurückkehren. "Immerhin haben die Regenfälle in dieser Woche dafür gesorgt, dass es an den anderen Warnow abschnitten etwas entspannter zugeht", betont Bernhard Fiedler. Das wiederum soll kein Freibrief sein, hier ohne Rücksicht auf die Natur über die Warnow zu schippern. Die Naturschutzbehörden setzen gemeinsam mit Umweltverbänden und Kanuanbietern der Region darauf, dass die Wassertouristen hier ein Naturerlebnis suchen und sich auch dementsprechend bewegen. "Anders geht es gar nicht", betont Fiedler.

Dass das Stalu Mitte Juni die Notbremse zog und den Warnowabschnitt bei Karnin sperrte, war ein drastischer, aber notwendiger Schritt, unterstreicht Fiedler. Doch bei dem Niedrigwasser waren die streng geschützten Bestände der Kleinen Bachmuschel akut gefährdet: Selbst die Bootskörper der leichten Kanus wären auf Grund gestoßen und hätten die Muscheln zwangsläufig zerstört.

Die Sperrung selbst scheint zudem für die Ausgesperrten kein größeres Problem dazustellen. "Bislang wurde nicht ein Verstoß gegen das Fahrverbot registriert", berichtet der Naturschutz-Dezernent. Und dabei kontrolliert nicht nur das Stalu: Auch Mitarbeiter des Naturparks Sternberger Seeland, der Kreisverwaltung und Polizei achten auf die Einhaltung des Verbotes. Diese dürfen bei Verstößen empfindliche Strafen aussprechen. "Bei Langen Brütz wurden zwar mal Kanuten angetroffen, die ihr Boot gerade in die Warnow einsetzen wollten", berichtet Fiedler. Nachdem die auf das Verbot aufmerksam gemacht wurden, unterblieb die Bootstour an dieser Stelle. So soll es auch sein: Die Naturschutz-Behörden wollen die Wasserwanderer nicht verprellen, sie sollen aber bei Niedrigwasser an die Flussabschnitte ausweichen, an denen Bootstouren gefahrlos für Mensch und Natur möglich sind. Ein paar Kilometer weiter, beispielsweise zwischen Gustävel und Weitendorf, sind Bootstouren auf der Warnow möglich. Der trockene Winter und das regenarme Frühjahr haben wahrscheinlich das diesjährige Niedrigwasser in der Warnow verursacht. "Die Wasserknappheit ist nicht nur im Fluss zu spüren. Die natürlichen Wasserspeicher müssen sich erst wieder auffüllen", erläutert Fiedler. Dazu zählen neben den Seen auch Moore, Wiesen und Wälder. Ein Großteil des in dieser Woche gefallenen Regenwassers ist daher gar nicht im Flusslauf der Warnow angekommen.

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