Warin : Wariner SPD-Duo schmeißt hin

Bürgermeisterkandidat Christian Mews gab sein Abgeordnetenmandat zurück.  Fotos:  Güttler/Rump
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Bürgermeisterkandidat Christian Mews gab sein Abgeordnetenmandat zurück. Fotos: Güttler/Rump

Fraktionschef Christian Mews sowie Urgestein Dieter Deutsch haben ihre Mandate niedergelegt

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16. Juli 2014, 15:50 Uhr

Warin Er war angetreten, das Wariner Rathaus zu erobern. Am Ende fehlten Christian Mews (SPD) in der Stichwahl am 15. Juni gerade einmal 51 Stimmen gegenüber Amtsinhaber Michael Ankermann (CDU). Der 38-jährige Mews übernahm den Fraktionschef-Posten im Stadtparlament.

Mittlerweile hat er sein Mandat per 8. Juli schriftlich ebenso zurückgegeben wie auch Dieter Deutsch (67). Letzterer, SPD-Urgestein in Warin, sollte  auf der konstituierenden Sitzung  am 7. Juli  zum 1. Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt werden. Darauf hatten sich im Vorfeld SPD, Linke sowie Hans-Jürgen Zutz (Freie Wähler), Barbara Meier (Bürgernahe Wählergemeinschaft) und der Fraktionschef von „Für Warin“, Hans-Peter Gossel,  geeinigt. Laut Torsten Ries (SPD) war das kurz vorher  auch noch schriftlich besiegelt worden.

CDU präsentierte

Timo Untrieser Am Ende kam alles anders (SVZ berichtete). Die  CDU  präsentierte Timo Untrieser (Für Warin) als ihren Kandidaten für den 1. Stellvertreter. Und dieser siegte  mit 8:7 Stimmen gegen Deutsch – weil der Für-Warin-Fraktionschef pro Untrieser votierte.

„Eine halbe Stunde vorher hat Gossel noch unterschrieben, später fällt er um“, so Ries.  Gossel erklärte dazu auf SVZ-Nachfrage: „Dass Untrieser von der CDU vorgeschlagen wird, habe ich nicht gewusst. Ich kann  doch nicht gegen Leute von der eigenen Fraktion stimmen!“ Ansonsten wollte der Amtsvorgänger von Ankermann zu den ganzen Nachwehen „gar nichts“ sagen.

Für Dieter Deutsch war indes das Maß voll. Der  SPD-Mann  der ersten Stunde in Warin  nach der Wende habe bei besagter  Unterschrift eine  halbe Stunde vor der konstituierenden Sitzung  klipp und klar erklärt:  „Wenn einer abweicht, trete ich sofort zurück, da dann das Vertrauensverhältnis für die nächsten fünf Jahre nicht gegeben ist.“ So kam es.

Bei  Mews liegt die Sachlage anders. Gegenüber SVZ erklärt er jetzt: „Durch die Ereignisse der letzten Wochen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es gegenwärtig leider keinen vertrauensvollen und respektvollen Umgang miteinander im Sinne unserer Stadt gibt. Ich habe daher für mich und vor allem im Interesse meiner Familie entschieden, mein Mandat als Stadtvertreter in der vergangenen  Woche niederzulegen.“  Mehr wollte er  zum Schutz der Privatsphäre,  seine Frau hat ein Geschäft in der Stadt,  nicht sagen.

Hans-Jürgen Zutz indes meinte zur Situation: „Es gab persönliche Diffamierungen vor und nach der Wahl, darunter über Facebook,  von der CDU gegenüber einzelnen Personen  der SPD.“ In Warin „ist Krieg – das, was keiner gewollt hat“, so der im Ortsteil  Klein Labenz Wohnende.  Im Interesse Warins müsse, so Zutz , „jetzt das Beste draus gemacht werden“.

Bürgermeister Ankermann erklärte, von SVZ auf die angeblichen Diffamierungen angesprochen: „Kenne ich nicht, weiß ich nicht. Ich vertrete nicht die CDU, bin weder Partei- noch Fraktionschef. Ich bin der Bürgermeister der Stadt Warin.“  Der Wahlkampf war aus seiner Sicht  „schwer, viel zu lang und vor allem  viel zu teuer. Das Geld hätte man besser in soziale Zwecke investieren sollen.“  Von ihrer Seite habe es keinerlei Diffamierungen gegeben, so CDU-Fraktionschefin Sabine Wundrak-Geritz. „Wenn es andere Menschen gegeben haben soll…“, stellt sie in den Raum. „Ich finde es aber ein bisschen befremdlich, dass Herr Mews zurückgetreten ist. Ich habe eine Verantwortung dem Wähler gegenüber.“

KOMMENTAR von Roland Güttler

Böses Blut
Böses Blut herrscht in Warin nach einem Kommunalwahlkampf, den es in der Form und Härte so noch nie gegeben hat.  Dabei hatten die Wähler diesmal wirklich eine Alternative: Ankermann (CDU) kontra  Mews (SPD). Letzterer warf als neues Gesicht seinen Hut in den Ring, versprach  u.a. mehr Bürgernähe. Er  wolle „das Vertrauen, das uns die Leute gegeben haben,  durch Sacharbeit im Sinne der Stadt erfüllen“, sagte er noch am Tag nach der Stichwahl  vom 15. Juni.

Einen Monat später hat der Herausforderer sein Mandat zum „Schutz der Familie“ zurückgegeben. Mehr wollte er nicht sagen. Es müssen schon triftige Gründe vorliegen, ansonsten wäre der Rückzug so kurz nach der Wahl eine arge Wähler-Täuschung.

Bei der CDU dürfte man sich auf die Schulter klopfen. Freilich macht dies das böse Blut nicht weg, sind die politischen Gräben  in Warin tiefer denn je. Wahlkampf in der Kommune hinterlässt andere Narben  als der im Land oder Bund.

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