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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

16. Dezember 2017 | 19:56 Uhr

Borkow : Wach küssen oder auch mal treten

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Schule der Landentwicklung in Borkow: Zum Miteinander in der Gemeinde müssen aktive Bürger andere mitziehen. In Schlowe herrscht aber erst einmal Frust.

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 18:19 Uhr

Der Satz klang so einfach: Jede Veränderung beginnt mit Kommunikation. Was im Alltag vielerorts schwer fällt, ist für Prof. Henning Bombeck von der Universität Rostock der Schlüssel zum Miteinander, das angesichts des demografischen Wandels gerade auf dem Lande dringlicher denn je wird. Es bedürfe Strategien für das Zusammenleben der Generationen, sozialer Netzwerke, damit die Menschen gern im Dorf bleiben und dort gesund alt werden. Genau darum ging es bei der Schule der Landentwicklung am Sonnabend im Borkower Dorfgemeinschaftshaus. Motto des Seminars: Gemeinsam stark sein.

Eine kleine Runde hatte sich zusammengefunden, darunter jene, die oft zur Stelle sind, verändern, etwas in ihrem Umfeld bewegen wollen. Und dabei an Grenzen stoßen. So wie Einwohner aus Schlowe, die mit dem Kinderring Berlin wegen des Feriendorfes im Streit liegen und beklagten, bei der Verwaltung wie gegen eine Wand zu laufen. Sie hätten einen Verein gegründet, um dadurch vielleicht mehr Gehör zu finden. Aber das habe auch nichts genützt, so ihre Erfahrung, die Frust hervorbringe. So würden die Menschen auf ihre Grundstücke getrieben und habe niemand mehr Lust, sich zu engagieren, hieß es.

Aus Lohmen südlich von Güstrow, kaum mehr als zehn Kilometer Luftlinie entfernt, wusste der Referent anderes zu berichten. Dort sei eine
Familienservice-Agentur entstanden, um Familien die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu erleichtern sowie die Lebensqualität aller Generationen anzuheben. Die Agentur, Bestandteil des Projektes „Alles aus einer Hand“, wird durch das Land aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und die Gemeinde gefördert. Sie koordiniert Planung und Zugang zu Dienstleistungen verschiedenster Art. Das Angebot, das vermittelt werden kann, reicht vom Einkaufs- und Abholservice über einen Betreuungsservice für Kinder außerhalb der Kita-Öffnungszeiten bis hin zu Kursen für gesunde Ernährung oder Familiensport. Es wurde ein Stundenplan erstellt, der angibt, wann welcher mobile Dienstleister in den Ort kommt. Dieser Plan hänge an jedem Kühlschrank, weiß Prof. Bombeck. Kommunikation und Organisation seien gefordert – Geld nicht. Weitere Beispiele nannte er aus Grambow bei Schwerin und Balow.

Deren Bürgermeister sagen, das Zukunftspotenzial liege im Engagement der Einwohner. Viele müssten wach geküsst werden, bei anderen helfe vielleicht mehr, ihnen mal freundlich in den Allerwertesten zu treten, gab Bombeck ganz unterschiedliche Erfahrungen weiter. Es sollten erfahrene, engagierte Einwohner aktiviert werden, die sich an die Spitze stellen und andere mitziehen. Das Wesen von Bürgerinitiativen bestehe darin, gegen etwas zu sein, so Bombeck. Hier gehe es darum, für etwas zu sein, für ein Miteinander. „Wer was will, muss was tun, muss bereit sein zu geben“, betonte der Professor.

Ihr habe das Seminar „sehr gut gefallen“, resümierte Borkows Bürgermeisterin Regina Rosenfeld. Als das Angebot kam, „einmal abseits von den finanziellen Mitteln zu debattieren, was die Gemeinde stärken könnte“, habe man sich mit dem Thema auseinander gesetzt, analysiert, „was haben wir und was nicht“. Die gesamte Kommunikation sei problematisch, das sei bekannt. Die angeführten Beispiele ließen sich zwar kaum 1:1 übertragen, doch es seien interessante Denkanstöße, wie zur Vernetzung in der Gemeinde, wenn Bürger Hilfe brauchen. Oder die Frage, ob jedes Dorf sein eigenes Fest machen müsse, vielleicht noch zur gleichen Zeit. Das solle künftig besser abgestimmt werden. Und um rasch die Kommunikation zu verbessern, will Borkow ein Dorfblatt gründen, das alle zwei, drei Monate, so ist es angedacht, erscheint. Wer dafür Interesse hat, ist am 17. September um 18.30 Uhr herzlich ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen.

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