Warin : „Wa Tu Ma Ba“ – oder Feste feiern

Vortrag von Stadtchronist Christoph von Fircks (stehend) über Wariner Festivitäten anno dazumal.
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Vortrag von Stadtchronist Christoph von Fircks (stehend) über Wariner Festivitäten anno dazumal.

Wariner Tagesstätte des Wismarer Vereins „Das Boot“ beging ihr zweijähriges Jubiläum mit Vortrag, Musik und Kaffeetafel

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05. März 2016, 05:17 Uhr

Passend zum „Stiftungsfest, um einen alten Begriff zu verwenden“, so Stadtchronist Christoph von Fircks, hielt dieser zum zweijährigen Jubiläum der Wariner Tagesstätte „Zur Mühle“ einen Vortrag über Festivitäten von anno dazumal in der Zwei-Seen-Stadt. In der alten „Wariner Zeitung“ gestöbert, überschrieb von Fircks seinen Lichtbildervortrag mit „,Wa Tu Ma Ba‘ – oder feste Feiern“.

Die zahlreichen Besucher und Gratulanten schauten ungläubig und der Chronist spielte mit den vier Kürzeln, machte zum Warmwerden der Gäste so zusagen einen Schlachtruf daraus. Und so hallte es durch den Raum der Einrichtung für Menschen mit psychischer Erkrankung bzw. Behinderung – „Wa Tu Ma Ba“.

Mit der Auflösung dieser rätselhaften Buchstaben-Kombination ließ von Fircks die Zuhörer, einen dramaturgischen Spannungsbogen ziehend, bis fast zum Vortragsende im unklaren. Die Auflösung: Der Wariner Männerturnverein von 1862 feierte am 1. März 1930 seinen Wariner-Männer-Turnverein-Masken-Ball – eben „Wa Tu Ma Ba“.

Los ging es bei von Fircks’ Zeitreise jedoch mit dem Tivoli im Jahr 1902. „Heute steht hier das ,Hotel Am Wariner See‘, schlug der Stadtchronist einen Bogen in die Jetztzeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren „die Wohnungen relativ klein, zum Feiern musste man rausgehen in Gaststätten. Davon gab es früher so viele in Warin wie heute – aber bei halber Bevölkerung!“

Von Fircks erinnerte an den Königsschuss anno 1912 und ans 1929er-Sommernachtsfest mit Jazzmusik „sowie Abbrennen von Holzstoß und Feuerwerk“, denn Warin hatte sich 1927 „ein Strandbad geschenkt“. Zudem gab es bis zum 1. Weltkrieg das „große Holzfest in den Blankenberger Buchen“. Christoph von Fircks hat schon mal den „Versuch unternommen, dieses wieder zu beleben. Doch die Bürgermeister in Warin und Blankenberg sowie auch der Naturpark bissen nicht an“, bedauerte er.

Er schloss seine überaus spannende Zeitreise mit der 750-Jahr-Feier von 1983 und dem Bild vom Auftritt eines Schulchores. „Ich habe mich noch nicht erkannt, aber das ist definitiv meine Klasse“, sagte daraufhin Katja Meißner.

Die Warinerin leitet seit der Eröffnung am 3. März 2014 die Tagesstätte, die eine Außenstelle des Wismarer Vereins „Das Boot“ ist. Dieser hat sich mit den Angeboten – von Wohngruppe über Kinder, Jugendliche und Eltern bis hin zu Ergotherapie-Praxen – die „Förderung seelischer Gesundheit und Integration“ auf die Fahnen geschrieben. Und so fährt die Wismaranerin Susann Schmutzler, seit Sommer 2014 als Bezugsbetreuerin in Warin tätig, täglich Klienten aus der Hansestadt in die Wariner Tagesstätte und bringt sie auch wieder zurück.

Aber man wolle auch „immer gerne offen bleiben für Menschen aus Warin und der Region“, betonte Sandra Rieck vom hauptamtlichen Vorstand. Insgesamt zähle „Das Boot“ derzeit knapp 100 Mitglieder. Dr. Heike Kumpe, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie in Wismar, gehört ehrenamtlich dem Vereinspräsidium an. Sie ermunterte bei ihrem ersten Besuch in der Wariner Einrichtung, hier „einfach mal reinzugucken und Kaffee trinken“. Die Ärztin kennt es aus ihrer Praxis: Der erste Schritt für Menschen mit psychischen Problemen ist zumeist der schwerste…

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