SPD Ludwigslust-Parchim : Vor Ort etwas bewegen

Pascal Winkler auf seiner Couch in Sternberg, im Hintergrund ein Foto von Havanna - da will er gern mal hin.
Pascal Winkler auf seiner Couch in Sternberg, im Hintergrund ein Foto von Havanna - da will er gern mal hin.

Pascal Winkler wurde mit 94,2 Prozent als SPD-Kreisvorsitzender im Amt bestätigt. Interview mit dem Ur-Sternberger zu Soll und Haben

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24. Januar 2018, 05:00 Uhr

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim dreht sich gerade alles um die Kandidaten für die Landratswahl, doch ganz nebenbei wurde beim SPD-Kreisparteitag auch der Parteivorsitzende mit 94,2 Prozent wiedergewählt. Der 28-jährige Pascal Winkler ist Ur-Sternberger, Kindheit erst im Plattenbaugebiet Serrahnsbach, dann im Ortsteil Sagsdorf, jetzt wohnt er mitten in der Sternberger Altstadt. Zunächst nur mit einem Realschulabschluss in der Tasche, machte er sein Abi am Wirtschaftsgymnasium in Schwerin und studierte Jura in Greifswald. Derzeit bereitet er sich auf sein zweites Staatsexamen und die Verteidigung seiner Doktorarbeit zum Thema Zeitverträge vor. Redakteurin Katja Frick sprach mit ihm über Erreichtes in der Kreispolitik und Pläne für die nächsten Jahre.

Sie sind mit 94,2 Prozent im Amt bestätigt worden. Was sehen Sie als Ursache für diese große Zustimmung?
P. Winkler: Ich war selbst davon überrascht und freue mich darüber, dass wahrgenommen wurde, dass ich mich mit viel Kraft und Herzblut für den Kreisverband eingesetzt habe. Ich war sehr darauf bedacht, in den Ortsvereinen präsent zu sein. Die Probleme der Menschen in Zarrentin sind durch den Zuzug und die Nähe zu Hamburg andere als in Sternberg. Wir haben einen neuen Internetauftritt und sind in den sozialen Netzwerken aktiver.

Die letzten zwei Jahre waren vor allem von Wahlen geprägt, als ich Vorsitzender wurde, standen die Landtagswahlen vor der Tür. Da haben wir alle fünf Wahlkreise im Landkreis gewonnen. Das war nur möglich, weil alle Ortsvereine und Mitglieder mit angepackt haben, am Ende war das Teamarbeit. Bei der Bundestagswahl haben wir gekämpft, aber nicht erreicht, was wir wollten. Auch weil der Wahlkampf der Bundes-SPD nicht auf die Bedürfnisse im ländlichen Raum zugeschnitten war. Die Kampagnen begleiten ja große Agenturen, die eher die Großstädter im Auge haben. Bei uns stehen aber andere Fragen im Raum: Wie komme ich mit dem Bus weg? Wie ist das mit der Daseinsvorsorge? Wie kann ich meine Dinge vor Ort erledigen?

Was werden Ihre Themen in den nächsten zwei Jahren sein?
Bis Juni wird uns die Landratswahl beschäftigen, falls es eine Stichwahl gibt. Dann stehen 2019 die Kommunalwahlen an. Wir sind jetzt unterwegs, um Kandidaten anzusprechen. Das ist eine Herausforderung, diese zu finden, aber davor stehen alle Parteien.

Die Landes-SPD hatte sich vorgenommen, jünger und weiblicher zu werden, da sind Sie auf Kreisebene auf einem guten Weg. In der LUP-SPD geht es außerdem immerzu um Wahlen. Dreht sich die SPD zu sehr um sich selbst? Was sind ihre politischen Themen?
Der Erneuerungsprozess endet nie, sondern sollte stetig sein. Und sonst: Mobilität. Den Rufbus werden wir weiter aktiv begleiten und hoffen, dass er weiter so gut angenommen wird. Für die Region Sternberg und Crivitz gibt es den noch nicht, da soll er im Herbst kommen. Ein weiteres Thema ist Schule, eine vernünftige Ausstattung und die Umsetzung eines Medienentwicklungskonzeptes. Für die Digitalisierung der Schulen müssen diese mit Endgeräten wie Tablets ausgestattet und deren IT-Netzwerke ertüchtigt werden. Durch den Breitbandausbau werden auch die Schulen an die dafür notwendige Infrastruktur angeschlossen, nur dadurch wird digitaler Unterricht möglich.

Die Investitionen in Straßen und Brücken wurden in der Vergangenheit zwar verdoppelt, aber da kann es ruhig mehr Geld geben, da besteht ein Investitionsstau, der abgearbeitet werden muss. Wir überlegen auch, wie der Bürgerservice weiter verbessert werden kann. Der Umbau der Elde-Mühle in Parchim für das Theater wird natürlich weiter ein Thema für uns sein.

Sie sind auch Mitglied der Sternberger SPD-Fraktion und haben im Zusammenhang mit dem Beschluss über einen Fahrtkostenzuschuss für Vertretungslehrer aus dem Stadtsäckel die Kommunalaufsicht auf das Thema aufmerksam gemacht - in Sternberg wird hinter vorgehaltener Hand kritisiert, weil das ein CDU-Antrag war. Welche Rolle soll und darf Parteipolitik auf kommunaler Ebene spielen?
Aus meiner Sicht gar keine. Es muss um die Fragen vor Ort gehen. Die Parteien vor Ort und auch im Landkreis sind letztendlich Mittel zum Zweck, um sich politisch zu organisieren, für die Willensbildung. Landes- oder bundespolitische Debatten gehören da nicht hin.

Es gab in Sternberg auch zahlreiche Anträge der Union, denen wir zugestimmt haben. Bei diesem Antrag hatten wir kritisiert, dass er handwerklich schlecht und mit der heißen Nadel gestrickt war.

Es wäre ja auch schlimm, wenn man Bedenken, die man hat, nicht äußert. Demokratie lebt von der Debatte. Ich glaube, dass man im Rahmen solcher Debatten zu einem guten Ergebnis kommen kann.

Apropos Debatte: Sie haben sich am Wochenende mit den Kreis-Jusos in Boizenburg getroffen. Sind die auch gegen eine neue GroKo wie der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert?
Meine Jusos sind da anders. Die wollen die Große Koalition. Die sagen, Politik ist kein Selbstzweck, man muss sich als Politiker die Frage stellen: ,Was ist gut für die Menschen?’ Wenn im Rahmen der GroKo eine Problemverbesserung erreicht werden kann, ist das besser, als nicht zu regieren und zu sagen: ,Wir hätten das anders gemacht.’ Eine Groko ist immer ein Kompromiss. Es ist wichtig, dass man bei seinen Themen bleibt und die SPD-Handschrift erkennbar ist.

Warum wollten Sie unbedingt in der SPD Politik machen? Was treibt Sie an?
Ich bin mit 16 in die SPD eingetreten, damals eben bei den Jusos. Von meiner Familie ist niemand in der Partei, meine Mutter ist Beamtin im Sozialministerium und mein Vater Arbeitspädagoge in der Diakonie Rampe. Damals hatten viele meiner Freunde die Region verlassen und ich dachte: ,Das kann nicht sein.’ Ich wollte mich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert und junge Leute in der Region eine Perspektive haben. Mit den SPD-Werten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität kann ich mich identifizieren.

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