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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

26. September 2017 | 07:43 Uhr

Brüel : Vor dem Vergessen fotografiert

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Egon Stöbe zeigt Bilder des ehemaligen Kreisbetriebes für Landtechnik in Thurow. Ausstellung wird heute eröffnet

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Ein grauer Betonklotz und ein roter Schal – was auf dem Bild wie eine Inszenierung scheint, „habe ich genau so vorgefunden“, sagt Egon Stöbe. Das Foto ist Teil seiner Ausstellung „Gegen das Vergessen“, die heute um 18 Uhr im Brüeler Bürgerhaus eröffnet wird.

Egon Stöbe aus Jülchendorf zeigt Bilder des ehemaligen Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) in Thurow.  Er habe in der  Zeitung gelesen, dass die Fördermittel da seien, und gewusst, dass nun der Abriss folge. Mit dem Einverständnis von  Bürgermeister Jürgen Goldberg sei er dann  auf dem  Gelände unterwegs gewesen. „Ich habe meine Kamera gezückt, das Stativ aufgebaut und bin von Raum zu Raum gegangen“, sagt Stöbe, der  passionierte Hobbyfotograf. „Ich wechsel zwischendurch gern mal komplett meine Thematik und setze mir ein Thema, so wie jetzt vergessene Orte“, erklärt der 70-Jährige, warum er  Motive in  einem Betrieb gesucht hat, der nach jahrelangem Leerstand dem Verfall preisgegeben war.

An die 70 Foto entstanden, eigentlich für sein privates Archiv. Seine Frau sei es dann gewesen, die mit dem Satz „Die Bilder sind so toll, mach was draus“, den Anstoß für die  Ausstellung gab. Wobei  ein „nur Hinhängen“ ihm nicht ausgereicht hätte. Er sprach mit  Willi Lemke,  von 1969 bis 1990 Direktor des KfL. Von ihm bekam Egon Stöbe auch alte Fotos und Dokumente, wie den  Lageplan der Maschinen-Ausleih-Station in Thurow  vom

18. Oktober 1949.  Mit Unterstützung von Michael Schwertner wurden die Aufnahmen vergrößert, bearbeitet und sind ebenfalls Teil der Schau.  Auch Schwertner kennt den Kreisbetrieb,  bis  1989 hat er hier als  Kfz-Elektriker gearbeitet.

Zusammen mit Jürgen Goldberg hat Stöbe dann entschieden, was in die Ausstellung kommt.  Goldberg ist begeistert. „Es war auf einmal eine Farbigkeit da. Sicherlich war manches schrecklich, was sich zuletzt auf dem Gelände bot. Aber durch den Blick des Fotografen ist auf einmal  eine völlig neue  Welt entstanden“, sagt er und spricht  von der  „Ästhetik  des Untergangs“.

Egon Stöbe hat die  ausgestellten Bilder  nach dem HDR-Prinzip aufgenommen

und mit einer speziellen Software bearbeitet. „Als Fotograf muss ich mich entscheiden, ob ich den Innenraum korrekt belichte und dabei die Landschaft außen völlig überbelichtet ist oder ob im Bild der Innenraum unterbelichtet und die Landschaft dafür normal belichtet ist. Die HDR-Fotografie greift  zu einem Trick. Es wird eine  Belichtungsserie mit  drei, fünf  oder sieben  Fotos erstellt, die von unterbelichtet bis überbelichtet reichen, so dass in einem Foto jeweils die Schatten,  die Mitten und  die Lichter korrekt belichtet sind. Anschließend werden die Aufnahmen zu einem Foto zusammengerechnet, in dem alle Partien gut durchgezeichnet sind“, erklärt der Jülchendorfer. Das Ergebnis überrascht und fasziniert, weil es einen völlig neuen Blick mit einer  Schärfe bis in das kleinste Detail eröffnet.

„Es ist nicht Müll, den ich fotografiert habe. Ich habe  auch nichts angefasst. Es war einfach alles so da“, sagt er.

Mit seinen Fotos möchte Egon Stöbe „etwas bewahren.  Es ist schön, dass sich jetzt einige Fotoclubs dieser Aufgabe angenommen haben, obwohl es eigentlich die der öffentlichen Hand wäre. Ich bin  sehr interessiert  an Informationen über Gebäude, ehemalige Werk- und Produktionsstätten, die abgerissen oder renoviert werden sollen, vor allen Dingen, wenn sich noch alte Maschinen oder Gerätschaften darin befinden“.

Zur Eröffnung der Fotoausstellung „Vor dem Vergessen“ im Bürgerhaus laden Jürgen Goldberg und Egon Stöbe heute um 18 Uhr recht herzlich ein. Gern würde der Hobby-Fotograf dabei mit ehemaligen Mitarbeitern des Kreisbetriebes für Landtechnik in Thurow ins Gespräch kommen.

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