Milchwirtschaft : Von Konventionell auf Bio

1 von 3

Landwirt Arne Jöhnk aus Neperstorf stellt bei seinem 150 Milchkühen um.

von
22. Juni 2016, 06:00 Uhr

Alle reden derzeit von Bio – Arne Jöhnk aus Neperstorf setzt es ab sofort für sich um! Der Bauer mit seinen 150 Milchkühen steigt auf Bio um. Nach 19 Jahren als konventioneller Landwirt mit seinen 150 Hektar Grün- und 200 Hektar Ackerland.

„Manchmal dauert es eben“, verkündet der 48-Jährige. Am 1. Dezember 1997 übernahmen die Jöhnks aus dem holsteinischen Preetz Stallanlagen und Felder der einstigen LPG „Neues Deutschland“ in Neperstorf. Bio war für Arne Jöhnk nicht Unbekanntes, hatte er doch bei einem Bio-Landwirt gelernt und zwischenzeitlich bei einem anderen im Raum Hamburg gearbeitet.

In Neperstorf führte aber erst einmal kein Weg dahin. „Damals hatte ich hier dafür nicht genügend Land, zudem gab es keine Molkerei, die mir die Bio-Milch sicher abgenommen hätte.“ Jöhnk arrangierte sich und machte dennoch manches anders. So waren die Kühe tagsüber auf der Weide, kamen nur zum Melken und die Nacht in den Stall. Und die Milchpreise waren auskömmlich, lagen noch im März 2014 bei 40 Cent der Liter. Seitdem ging’s damit rasant in den Keller. „Aktuell bekomme ich 19 bis 19,5 Cent, bei Bio-Milch wären es über 40“, so Jöhnk. In der Folge stallte auch der seit der Lehre „Bio-Infizierte“ die Kühe wohl oder übel ein. Bei 20 Cent und weniger je Liter funktioniere das Konzept „Milch aus Gras“ einfach nicht mehr. Dem ruinösen Wettbewerb wollte sich Bauer Jöhnk, der seit 2004 ehrenamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde Jesendorf ist, „auch gar nicht stellen. Ich will nicht irgendwie billig produzieren. Das gilt für die Tiere ebenso wie für meine vier Arbeiter. Alle wollen und sollen vernünftige Arbeitsplätze haben. Doch das geht bei 20 Cent der Liter eben nicht mehr!“

Umstellung auf Bio – was  gilt da?
Wenn ein Landwirt die Kühe etwa wieder raus auf die Weide bringt, betreibt er noch keine ökologische Landwirtschaft. Die Umstellung von konventionellem auf ökologisches Wirtschaften stellt eine völlig andere Art dar. Sie erfordert, vor allem bei Tiere haltenden Betrieben, zudem teils größere Investitionen. Weil sich der Boden nur langsam von konventionell verwendeten Düngemitteln und der intensiven Landwirtschaft erholt, dauert es, bis darauf angebaute Kulturen wirklich Bio-Qualität bescheinigt bekommen. So müssen bei Getreide die Richtlinien des ökologischen Anbaus zwei Jahre vor der Aussaat  vollständig befolgt sein. Weiden und Mähwiesen brauchen ab dem Moment der letzten konventionellen Maßnahme – etwa Düngung oder Pflanzenschutzmittel-Einsatz – ebenfalls zwei Jahre, bis sie als ökologisch gelten. Bei  Grünland gilt die Mahd nach zwölf Monaten als genanntes Umstellungsfutter; als Bio-Futter nach zwei Jahren. Für Bio-Milch darf eigenes Umstellungsfutter verwendet werden, von anderen Zugekauftes hingegen nicht. Bei der Vermarktung gelten  folgende  Umstellungs-Fristen: Milch von Kühen, Schafen, Ziegen: 6 Monate; Fleisch von Schweinen, Schafen, Ziegen:  6 Monate; Fleischrinder:  16 Monate; Fleisch von Hühnern, Enten, Gänsen, Puten: 10 Monate. erge

So reifte bei ihm und seiner Frau Birgit der Entschluss, den Hof umzustellen, „ansonsten hätte ich mit der Milch aufgehört“. Dabei ist der Zeitpunkt aus ökonomischer Sicht wegen der Tiefstpreis-Erlöse „eigentlich ungünstig“. So müssen auf dem Jöhnk-Hof etwa Umbauten im Kälberstall vorgenommen werden. „Bei Bio sind pro Tier sechs Quadratmeter Stallplatz sowie Weidehaltung vorgeschrieben“, erläutert Arne Jöhnk, der erleichtert ist, seitdem der Familienrat den Umstiegs-Entschluss fällte. Im Vorfeld führte er u.a. Gespräche mit Biobauern der Region, Heinz Gluth aus Schimm und dem Langen Jarchower Dirk Saggau; besuchte Info-Termine von Molkereien. „Sowohl Arla in Upahl als aus die Gläserne Meierei in Dechow warben. Es gibt gar nicht genug Bio-Milch auf dem hiesigen Markt“, so Jöhnk, der einen Vertrag mit Arla schloss. Doch Bio-Milch kann er erst in knapp einem Jahr liefern. Stichtag ist der 15. Mai – vor gut einem Monat stellte Arne Jöhnk offiziell den Umstellungs-Agrarantrag samt Antrag auf Beihilfen. Nach zwölf Monaten gilt sein Grünland als „Umstellungsfutter. Damit läuft die Milch unter Bio-Umstellungsware.“

Bis dahin liefert er zum Tiefpreis zu Rücker nach Wismar – um die 3000 Liter täglich. Die Kühe freilich sind längst wieder auf der Weide. Wenn das Melken ansteht, holt der 48-Jährige die in zwei Herden gehaltenen Schwarz-Bunten per „Ural-Beiwagen“ aus den 70ern von den acht bzw. zehn Hektar großen Weiden. „Der Wagen kann nicht umkippen“, so der „23-PS-Cowboy“. Er besitzt zwar auch sieben Pferde, aber Kühe-Treiben per Beiwagen ist noch cooler.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen