Kobrow : Von Kaiserhof oder Bauernstelle

Dieser Leib-Mylord wurde 1908 in der Hof-Wagenfabrik Kühlstein in Berlin-Charlottenburg für die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria gebaut. Er gehört wie ein Gala-Landauer aus dem kaiserlichen Marstall zu den Luxuswagen im Kutschenmuseum.  Fotos: Rüdiger Rump
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Dieser Leib-Mylord wurde 1908 in der Hof-Wagenfabrik Kühlstein in Berlin-Charlottenburg für die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria gebaut. Er gehört wie ein Gala-Landauer aus dem kaiserlichen Marstall zu den Luxuswagen im Kutschenmuseum. Fotos: Rüdiger Rump

Im Kobrower Kutschenmuseum sind rund 200 ganz unterschiedliche Fahrzeuge ausgestellt. An diesem Sonntag wird von 10 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür eingeladen.

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30. März 2016, 21:00 Uhr

Ein Gala-Landauer stand einst in Berlin im kaiserlichen Marstall. Ebenso ein Leib-Mylord, gebaut 1908 für die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria, Gattin von Wilhelm II. Das V.6. vorn in goldfarbener Schrift sagt aus, dass der Wagen unter den rund 400 Kutschen des Hofes den sechsten Rang einnahm. Nur das V für Viktoria, ein Gefährt, das wahlweise selbst gefahren werden konnte, trifft nicht ganz zu, weil der Kutschbock sich nicht umklappen lässt. Details lassen indes das hochherrschaftliche Besitztum erkennen, wie silberne Beschläge, Königskronen auf den Laternen oder ausklappbare Tritte zu beiden Seiten.

Auch eine Berline, zwischen 1880 und 1890 gebaut und für das Mecklenburgische Kutschenmuseum in Kobrow II meisterlich restauriert, zählt zu dessen Prunkstücken. Hinzu kommt eine Vielfalt an Wagen, abhängig von Geldbeutel und Zweckbestimmung zu damaliger Zeit.

Jede Kutsche sieht anders aus

Die weit und breit einzigartige Privatsammlung hat gegenwärtig 216 Fahrzeuge im Bestand, einschließlich Kinderkutschen und von Pferden gezogene Wagen für das Militär; 191 werden präsentiert. Sie füllen die miteinander verbundenen Hallen, deren Ausstellungsfläche im Vorjahr auf 3220 Quadratmeter erweitert wurde, gänzlich aus. Die Kutschen wurden überwiegend im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gebaut. Zahlreiche kleinere Kostbarkeiten von Laternen über Beschlagzeugtaschen oder Kunstgeschirre bis zu Reiseutensilien ergänzen die illustre Ausstellung.

Neben den Luxusfahrzeugen von Kaiserhof, Großherzog oder anderen wohlhabenden Leuten zeigt die Ausstellung Wagen, die zur täglichen Arbeit auf einer Bauernstelle dienten. „Damit wurden Heu und Stroh eingebracht, und am Sonntag kamen Bänke drauf, um mit der ganzen Familie zur Kirche zu fahren“, erklärt Gea van Burgsteden, Leiterin von
Museum, Café und Shop. Sie findet diese Vielfalt so faszinierend. „Durch unterschiedliche Verzierungen, Laternen oder Radnaben sieht jede Kutsche anders aus.“ Mit Norbert Schönborn und Mathias Rittig weiß Burgsteden zwei bewanderte Museumsbetreuer an ihrer Seite. Sie kennen zu beinahe jedem Ausstellungsstück eine interessante Geschichte.

Das Kutschenmuseum lädt am Sonntag, 3. April, von 10 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Der Eintritt ist frei. „Wir wollen vor allem die Leute aus der Umgebung ansprechen, dass sie sich alles anschauen, staunen und später Gästen davon erzählen und ihnen das Museum zeigen“, so die Leiterin. Gerade Besuch von weiter her sei oft Anlass, als Einheimische das erste Mal in das Museum zu kommen.

Am Tag der offenen Tür steht Mathias Rittig für Fragen zur Verfügung. Zudem werden Kutschfahrten angeboten, mit offenem Jagdwagen bei schönem Wetter oder geschlossenem Landauer. Das Café bietet einen Imbiss und Kuchen. Kinder können auf einem Pony reiten, in einem Kettcar ihre Runden drehen, mit Straßenkreide auf dem Asphalt malen oder auf einer Hüpfburg toben. Der Spielplatz sei leider nicht ganz fertig geworden, der Sandkasten aber schon.

Das Kutschenmuseum bietet neuerdings auch einen Katalog mit viel Historie für 37,45 Euro an. Die Texte sind vom Historiker Thomas Köppen, die Fotos von Christine Jörss-Munzlinger. Von April an ist wieder dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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