zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

15. Dezember 2017 | 20:38 Uhr

Weberin : Von Goldrute bis Wasserhanf

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Mit einer Wildkräuterwanderung am Sonnabend geht in Weberin die Saison dem Ende entgegen. Der Erlös kommt in die Kasse für den Bau eines barrierefreien Zugangs zum Brüeler Pfarrhaus.

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2014 | 17:53 Uhr

Wenn sich die Goldrute im Garten ungehemmt zu einer Staude entwickeln darf, kommt sie auf eine stattliche Größe, etwa so wie ein Erwachsener. Die kräftig gelben Blütenrispen sind ein Farbtupfer im Sommer und Herbst. Doch der Korbblütler zählt zu den Unkräutern. Und wie es denen eigen ist, vermehren sie sich besonders gern und werden Gartenfreunden lästig. Ursula Schönfeld aus Weberin schneidet die Goldrute lediglich dort ab, „wo sie zu viel wird und abgeblüht ist, damit die Pflanze sich nicht weiter ausbreitet“. Ansonsten schwört die Heilpraktikerin auf diese Pflanze, die bei der Wildkräuterwanderung an diesem Sonnabend wieder ihren Platz bekommen wird.

Eigentlich wollte die Weberinerin die Saison heute beenden, wenn sie Lehrer aus Sternberg durch ihr Reich führt und viel Wissenswertes vermittelt. Doch es hätten weitere Interessierte angefragt. „Und die Natur ist noch voll da. Wenn es jetzt mehr als 20 Anmeldungen werden, hänge ich auch den 27. September noch dran. Bis Mitte Oktober findet sich genug“, so Schönfeld.


Gegen Nierensteine und Entzündungen


Es seien mit den Jahren „immer mehr“ Wildkräuterwanderungen geworden, im Frühjahr jedes Wochenende eine. Im Sommer war mehrere Wochen Pause, weil die von weit her gereisten Enkelkinder Vorrang hatten. Ende August ging es wieder los. Meist meldeten sich Gruppen aus völlig verschiedenen Bereichen an. Lehrer würden gern ihren so genannten Schilf-Tag dafür nutzen, die schulinterne Lehrerfortbildung. Erzieherinnen aus Kindertagesstätten gehörten ebenso zu den regelmäßigen Teilnehmern, und kürzlich seien mehr als 40 Kriminalisten gekommen. Wie interessiert diese gewesen seien, habe sie positiv überrascht, erzählt die Wildkräuterfrau. „Hanfpflanzen haben sie aber vergebens gesucht“, fügt sie lachend hinzu.

Von der schon genannten Goldrute nimmt Schönfeld die Blüten und oberen Blätter für Tee. Dieser wirke Harn treibend auf Nieren, beuge der Bildung schmerzhafter Steine vor und sei entzündungshemmend. Diese Pflanze sei ein hervorragender „Nierenheiler“ aus der Natur. Schon die Indianer hätten sie „hoch geschätzt“.

So wie die Zeit der Goldrute erst im Verlaufe des Sommers kommt, seien es jetzt „nicht weniger Wildkräuter, sondern andere“ – neben denen, die das ganze Jahr über zur Verfügung stehen wie Löwenzahn, Gänseblümchen und Co. Als Beispiel nennt die Fachfrau Wasserdost, auch als Wasserhanf bekannt. Dieser habe mit der Rauschgiftpflanze überhaupt nichts zu tun. Wofür er zu verwenden ist, erfahren die Teilnehmer der Wildkräuterwanderung. Gegenwärtig deckt sich die Weberinerin mit Brennnesselsamen ein. Beispielsweise zu Brot oder Gemüse gegeben, würden sie sich trefflich als natürliches Stärkungsmittel eignen. Beim Sammeln sei natürlich Vorsicht geboten. Ein Teilnehmer habe mal hinterher angerufen und sich beklagt, dass seine Hände brennen, nachdem er ihren Rat befolgt hatte, erzählt Schönfeld schmunzelnd. „Ich ziehe mir Handschuhe an, und trotzdem kribbeln die Finger. Wie der Name sagt, sind es Brennnesseln.“

Die Teilnehmer werden bei der geführten Wanderung durch Garten und Natur manche Überraschung hören, was die heilsame Wirkung von Wildkräutern auf Körper und Seele betrifft. In vielen Kleingärten hätten die aber kaum eine Chance. Dabei sei Unkraut nur eine Frage der Definition, meint Schönfeld und gibt einen Satz des österreichischen Malers, Grafikers und Schriftstellers Oskar Kokoschka preis: Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Herrschsucht des Gärtners.

Nach der Wanderung, die um 11 Uhr beginnt und etwa anderthalb Stunden dauert, gibt es in geselliger Runde eine Kräutersuppe. Natürlich mit frischen Zutaten, die die Natur derzeit hergibt. Zur besseren Planung bittet Ursula Schönfeld um telefonische Anmeldung (0 38 63 / 55 53 01).

Den Erlös von diesem und eventuell nächstem Sonnabend will die Heilpraktikerin für ein Vorhaben der Kirchengemeinde Brüel spenden. Diese hat begonnen, Geld für den Bau eines barrierefreien Zugangs zum Pfarrhaus zu sammeln. Bislang ist der Hof holprig und schon mit Rollator beschwerlich. Rund 40 000 Euro sind veranschlagt, ein Viertel dieser Summe, so rechnet die Kirchengemeinde, werden als Eigenmittel benötigt, um Fördergeld zu erhalten. Dieses Vorhaben unterstütze sie gern, so Schönfeld. „Das ist eine Kirchengemeinde, wie ich sie mir vorstelle, unglaublich aktiv und voller Engagement mit dem Herzen.“ Sie hatte zu DDR-Zeiten eine theologische Ausbildung und gestaltet am Sonntag wie eine Woche zuvor den Gottesdienst in der Brüeler Kirche.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen