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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Oktober 2017 | 02:53 Uhr

Sternberg : Von Bayern gern nach Sternberg

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ursula Abeska verschlug es mit sechs Jahren in den Süden / Jetzt kommt sie mit Ehemann Wolfgang oft zu Urlaub und Ahnenforschung.

svz.de von
erstellt am 27.Jun.2014 | 17:45 Uhr

Ursula und Wolfgang Abeska sind mit
ihrem Wohnmobil wieder zu Hause. Das liegt in einem kleinen Ort zwischen München und dem Inntaldreieck, in Urbayern. Sie hatten in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Stationen angesteuert, waren zuletzt knapp eine Woche in Sternberg. Zum wiederholten Male, und das hat seinen Grund.

Ursula Abeska, Jahrgang 1953, stammt von hier. Ihre Vorfahren sind Mecklenburger, die Urgroßeltern zogen aus der Nähe von Wismar nach Sternberg, sie hießen Radtke. Der Großvater hatte kurze Zeit die Dabeler Mühle, erzählt die lebenslustige Frau, die tief im Süden Deutschlands regelmäßig den SVZ-Lokalteil für Sternberg, Brüel, Warin liest.


Großvater überlebte Gustloff-Untergang


Dieser Georg Radtke muss ein vielseitiger Mensch gewesen sein. So habe er auch an der Autobahn von Berlin nach Königsberg mitgebaut. 1945 gehörte Radtke zu den knapp 1240 Überlebenden der „Wilhelm Gustloff“, die am 30. Januar durch ein sowjetisches
U-Boot vor der Küste Pommerns versenkt wurde. Der Untergang des Kreuzfahrtschiffes der NS-Organisation „Kraft durch Freude“, das zur Evakuierung von Zivilisten eingesetzt war, hatte mit vermutlich mehr als 9000 Opfern die höchsten Verluste, bezogen auf ein einzelnes Schiff, in der Weltgeschichte. Radtke sei möglicherweise auf einer Eisscholle getrieben und – das gilt als sicher – von einem deutschen Torpedoboot aufgenommen worden. „Über Stettin kehrte der Großvater nach Sternberg zurück, bevor er nach Magdeburg zog“, erzählt Ursula Abeska.

Ihre Mutter habe einen Hirschel geheiratet, im Kino gearbeitet und in der damaligen Ernst-Thälmann-Straße gewohnt, die wieder Luckower Straße heißt. Und in dem Haus nahe der heutigen Ampelkreuzung, das gerade saniert wird, lebte eine Großtante, mit Malermeister Kötz verheiratet. „Meine Mutter hat sich um ihre Tante gekümmert. Als Frieda Kötz 1959 starb, wurden die Sachen gepackt. Ich war sechs“, so Ursula Abeska. Zwei der vier bedeutend älteren Geschwister, die in Sternberg die Schule besucht hatten, waren schon im Westen, ein Bruder, Jahrgang 1939, in Bayern. Die Mutter wollte, dass die Familie zusammen kommt. „Sie hatte ein schweres Leben, die Kinder nach 1948 allein groß gezogen.“ Ihr Mann habe den Weltkrieg nur kurze Zeit überlebt. Mit den drei Kindern, die noch im Hause waren, ging es über Berlin (West) nach Bayern. „Wir hatten gleich ein Ziel und waren nur kurz im Lager“, so Abeska. Sie hätten sich relativ schnell in Bayern eingelebt, obwohl es „keine einfache Zeit“ gewesen sei für eine Frau allein mit Kindern. „Ich habe Kinderpflegerin gelernt und zuerst in privaten Haushalten gearbeitet, in sehr guten Familien, durch die ich die Welt kennen lernte. Auf den Reisen betreute ich die Kinder“, erinnert sich die heute 60-Jährige. Jetzt arbeite sie in einem Kindergarten.

Sie sei ein Nachkömmling und kenne vom Vater nur den Namen. Die einstige Sternbergerin vermutet in der Region Halbgeschwister und sucht
jedes Mal nach ihnen. Bislang ohne Erfolg. Ursula Abeska ziehen die familiären Wurzeln alle Jahre nach Sternberg. Doch sie muss Ehemann Wolfgang, Jahrgang 1951, nicht lange zu den Fahrten überreden. „Ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich hatte schon immer einen Drang gen Norden. Der Bayer fährt eigentlich nach Italien, weil das viel
näher ist, aber für mich hat die Mecklenburgische Seenplatte mit Natur pur was Besonderes. Und die Leute hier besitzen
eine gewisse Ruhe, die mei-nen Empfindungen entgegen kommt“, sagt der Mann in seiner knielangen Lederhose freundlich. Zudem findet
Ursula Abeska das mildere Klima im Vergleich zu den Bergen stets angenehm.

Der Urlaub sei auch immer ein Teil Ahnenforschung, an der beide äußerst interessiert sind. Die sei zwar immens zeitaufwändig, aber genauso spannend. „Und wir wollen wissen, woher wir kommen“, sagt die frühere Sternbergerin.


Zuweilen geliebäugelt, ganz zurückzukehren


Manches Puzzleteil hätten sie schon entdeckt, beispielsweise den Caminshof, ein einzelnes Gehöft bei Wismar.
Eine der beiden Großmütter, eine geborene Camin, hatte von dort ihren Namen. Von der Ziegelei in Hofzumfelde bei Klütz, die einst einer Tante
gehörte und Steine für Schloss Bothmer lieferte, seien nur
Fotos geblieben. Aber die Leute interessierten sich. Und wenn klar sei, dass die Besucher nicht gekommen sind, um vermeintliche Ansprüche aus alten Zeiten zu stellen, lockere sich die Unterhaltung schnell.

Zuweilen habe sie geliebäugelt, ganz zurückzukehren, bekennt Ursula Abeska. Doch die Kinder leben in Bayern, die ganze Familie. So werde es wohl bei Besuchen in Sternberg bleiben – immer wieder gern.

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