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Zeitreise durch Wismars Filmgeschichte : Vom Stummfilm bis zum Polizeiruf 110

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Manch ein "Ach, da ist das" raunte durch den Kinosaal des Filmbüros in der Bürgermeister-Hauptstraße. Karl-Heinz Steinbruch entführte die Gäste in die Filmgeschichte Wismars. Er zeigte historisches Filmmaterial.

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erstellt am 07.Mär.2012 | 08:44 Uhr

Wismar | Manch ein "Ach, da ist das" raunte durch den Kinosaal des Filmbüros in der Bürgermeister-Hauptstraße. Archivar Karl-Heinz Steinbruch entführte die Gäste in die Filmgeschichte Wismars. Er zeigte historisches Filmmaterial. Einen 16-Millimeter-Stummfilm von 1954 von der 725-Jahr-Feier Wismars mit einem großen, farbenfrohen Umzug zum Stadtjubiläum. Ein 16-Millimeter Magnettonfilm von 1979 zeigte die 750-Jahr-Feier der Stadt mit 1000 historischen Kostümen der Defa, Genossen und Rockmusik im Sinne der Partei. Das ließ die vielen Gäste schmunzeln. Ganz anders wurde ihnen bei den Schwarz-Weiß-Filmen von 1942 und 1944. Die Filme dokumentierten die Schäden in Wismar nach der Bombardierung. Verwackelte Bilder, die Gänsehaut erzeugten.

Unter dem Motto "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" öffnete das Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern mit seinem Landesfilmarchiv und dem Archiv der Hansestadt Wismar als Kooperationspartner seine Türen beim sechsten bundesweiten Tag der Archive.

Im Archiv folgten sie dicht gedrängt zwischen den Regalen, in denen gut 3000 Filme aus und über das Land lagern, den Ausführungen des Archivars Steinbruch: "Seit den 1890er-Jahren gibt es Filme, wenn die gut gelagert sind, kann man sie sich immer noch ansehen." Wie lange die DVDs von heute halten, weiß noch niemand. "Nicht mal ansatzweise so lange", warnte Steinbruch. Und was, wenn die modernen Dateiformate nicht mehr lesbar sind oder die Abspielgeräte wie der Videorekorder verschwinden ? Was, wenn Krieg oder Naturkatastrophen das Archivgut zerstören ? Was, wenn es einfach nur falsch gelagert wird? Was passieren kann, zeigten die Negativbeispiele, die in der kleinen Ausstellung im Filmbüro passend zum Motto gezeigt wurden. Natürlich nur zu Lehrzwecken, im Stadtarchiv und das Landesfilmarchiv wird, so Steinbruch, bei der fachgerechten Lagerung mit einem Auge in die Ewigkeit geschielt. Verschimmelte Filmspulen, Brandlöcher, gerissene Filme, dazu Akten aus dem Stadtarchiv, manche 200 oder 300 Jahre alt, die dank Mäuse oder Tintenfraß nur noch schwer lesbar sind. Das Problem der Lesbarkeit ist nicht zu unterschätzen, erklärte der Archivar mit Blick auf die unterschiedlichen Video- und Filmformate in der Ausstellung. Der Wismarer Harald Kothe (54) hat das selbst gemerkt. 1992 hat er bei der Werftbesetzung in Wismar gefilmt. Das Material auf "Betacam" lag in Lübeck unbeachtet, er hat es wieder nach Wismar geholt und selbst im Landesfilmarchiv zusammen mit dem Archivar erstmals gesichtet und digitalisiert. Und damit gerettet. "Es schlummern noch viele für uns interessante Filme im Privaten", so Steinbruch. Abends zeigte das Filmbüro noch einen besonderen Leckerbissen - einen Film der "Polizeiruf 110"-Serie von 1988, der in Wismar gedreht wurde. Hauptdarsteller Lutz Riemann erzählte dazu u. a. wieso das Eingangsbild im Film nicht den Wismarer Hafen von der Seeseite aus zeigen durfte, sondern nur den von Stralsund. Der "Polizeirufberater" von der Staatssicherheit war schuld.

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