Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 7 : Vom Land zurück ins Meer

Rippenfragment (links) eines Wals bzw. ein Walwirbelstück (rechts/ dunklerer Teil) aus dem „Sternberger Kuchen“.
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Rippenfragment (links) eines Wals bzw. ein Walwirbelstück (rechts/ dunklerer Teil) aus dem „Sternberger Kuchen“.

Wale, einschließlich der Delphine und Tümmler gehören, erdgeschichtlich gesehen, zu einer sehr jungen Tiergruppe.

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25. August 2016, 21:48 Uhr

Wale, einschließlich der Delphine und Tümmler (Ordnung Cetacea) gehören, erdgeschichtlich gesehen, zu einer sehr jungen Tiergruppe, die den Übergang zum Wasserleben erst vor 50 Millionen Jahren, im Tertiär (frühes Eozän) vollzogen hat.

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelten sich die Wale vermutlich aus einem kleinen, Waschbären großen, amphibisch lebendem Paarhufer mit dem Gattungsnamen Indohyus, dessen fossile Überreste im indischen Teil Kaschmirs gefunden wurden.

Spezielle anatomische Merkmale dieses Tieres lassen eine Verwandtschaft mit heutigen Walen erkennen. In nur acht Millionen Jahren entstanden im Verlauf der Evolution völlig dem Wasserleben angepasste, fossile Übergangsformen, die alle möglichen Nischen im Ökosystem Meer besetzten.

Aus den bereits im Tertiär ausgestorbenen Urwalen (Archeoceti), zu denen als jüngste Gruppe die Basilosauriden gehörten, entwickelten sich vor 34 Millionen Jahren die modernen Wale, deren Familien heute in zwei Unterordnungen, nämlich Barten- und Zahnwale, zusammengefasst werden.

Funde fossiler Walreste im „Sternberger Kuchen“ zählen zu den absoluten Raritäten und sind nur in wenigen Sammlungen vertreten. Die Abbildung zeigt zwei präparierte Handstücke mit überlieferten Wal-Knochenresten, die in der Kiesgrube Kobrow gefunden wurden. Das aus der Sammlung der Dipl.-Geologin Karina Thiede und ihres Ehemannes Nils aus Parchim stammende Stück zeigt neben einigen Mollusken einen ca 5 cm großen Walwirbel. Auf dem daneben liegenden Stück, das aus meiner Sammlung stammt, ist ein ca. 9 cm langes Rippenfragment zu erkennen. Beide Knochenreste weisen eine schwammartige, feinmaschige Struktur auf (Spongiosaknochen), die für Walskelette typisch ist und sich deutlich von den kompakten Knochen Land lebender Säuger unterscheidet.

Anhand der nur fragmentarisch erhaltenen Knochenreste lässt sich keine Zuordnung zu bestimmten Familien bzw. Arten vornehmen. Vermutlich handelt es sich jedoch um Reste von Walen aus der Unterordnung der Zahnwale, die etwa die Größe (1,50 bis 2,00 m) heutiger, auch in der Ostsee lebender Schweinswale erreichten.

Während die Artenvielfalt der Wale in der Ur-Nordsee des Oberoligozäns (28 Mio. Jahre) noch relativ gering war, erweiterte sie sich bis zum Obermiozän (11 Mio. Jahre) deutlich. Im Glimmerton der Tongrube im holsteinischen Groß Pampau wurden fast komplette Wal-, Delphin- und, aktuell in 2016, Robbenskelette gefunden und ausgegraben. Sie sind im Lübecker Museum für Natur und Umwelt zu bewundern.

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