Sternberg : Vom Einbruch bis zum Enkeltrick

Bevor es um die ernsten Dinge ging, konnten die Senioren bei bekannten Liedern mitsingen oder schunkeln. Einige machten von dem Angebot auch Gebrauch.  Fotos: Rüdiger Rump
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Bevor es um die ernsten Dinge ging, konnten die Senioren bei bekannten Liedern mitsingen oder schunkeln. Einige machten von dem Angebot auch Gebrauch. Fotos: Rüdiger Rump

Teilnehmer aus der DRK-Tagespflege und dem Betreuten Wohnen in Sternberg erhielten Ratschläge von einem Seniorensicherheitsberater.

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17. November 2015, 16:47 Uhr

Der Einbruch in eine Seniorenresidenz in Rerik liegt erst kurz zurück, war in diesem Monat. Die Täter kamen an einem frühen Montagmorgen, drangen brachial in Büroräume ein und nahmen sogar den Tresor mit. Wohnungen blieben zum Glück verschont. Doch davor, Ende Oktober, wurde im Landkreis Rostock ebenfalls am frühen Morgen über die Terrassentüren in zwei Häusern eingebrochen. Was den Ganoven brauchbar erschien, ließen sie mitgehen, darunter eine Handtasche, und in der befanden sich Papiere. In einem Fall hatte der Hund der Familie angeschlagen, diese aber nichts darauf gegeben.

Das seien zwei Beispiele aus jüngster Zeit, sagte Seniorensicherheitsberater Erhard Gorlt. Die DRK-Tagespflege in Sternberg hatte für ihre Gäste und Interessierte aus dem Betreuten Wohnen diese Präventionsveranstaltung über den Landesseniorenbeirat organisiert. Sie könnten von Einbrechern oder Betrügern betroffen sein, so Pflegedienstleiterin Juliane Puskeiler. In der Tagespflege werden jeweils 15 ältere Menschen betreut, teils tageweise abwechselnd. Sie leben in Sternberg und Umgebung in ihrer vertrauten Häuslichkeit.


Alle dreieinhalb Minuten ein Wohnungseinbruch


Bundesweit geschieht alle dreieinhalb Minuten ein Wohnungseinbruch, schickte der sicherheitsberater voraus. Nur knapp 16 Prozent würden aufgeklärt. In MV liege die Quote mit 25,8 Prozent zwar deutlich höher, doch das sei auch nur jeder vierte Fall. 2014 wurde im Land 1512 Mal in Häuser und Wohnungen eingebrochen. Wer nicht betroffen war, sehe das vielleicht weit weg, so Gorlt, doch niemand sei sicher davor, auch in Wohnanlagen nicht. Schwerpunkt der Einbrüche sei bislang der Osten des Landes, doch bei wachsendem Polizeidruck werde erfahrungsgemäß das Terrain gewechselt.

Am gefährlichsten sei es zwischen Herbst und Frühjahr, also in der dunkleren Jahreshälfte, die nun begonnen hat. Doch hätten die Täter ihr unrühmliches Werk früher meist in der Nacht ausgeführt, so kämen sie jetzt häufig am Tage. Sie klingeln an der Haustür; öffne jemand, werde irgendein Vorwand genannt, wenn nicht, wüssten die Spitzbuben, dass niemand zu Hause ist. Knapp die Hälfte sei jünger als 23 Jahre und nicht allein, gehe aus der Kriminalitätsstatistik hervor. Die gefährlichste Zeit liege zwischen 17 und 21 Uhr, erklärte Gorlt weiter. Besonders dreiste Täter würden auch am Tage bei Trauernden einbrechen. Deshalb sollte in einer Todesanzeige in der Zeitung keine Adresse stehen.

In Eigenheimen oder Wohnungen seien die Fenster im Erdgeschoss die Schwachstellen. Angekippt sei übrigens genauso wie offen, legte der Sicherheitsberater den Senioren ans Herz. Um sich vor
gewaltsamem Eindringen zu schützen, gäbe es einfache Methoden, die wenig Geld kosten, angefangen bei Schlössern und Verriegelungen über gute Beleuchtung oder gar einer Kameraattrappe bis zum TV-Simulator, der den Anschein erweckt, dass jemand zu Hause ist. Mechanische Vorkehrungen seien oft wirkungsvoller als elektronische, riet der Fachmann. Hundertprozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht. Für Wohnungstüren seien Türspion, Türgriff- oder Vorhängekette Möglichkeiten. Wolle jemand für die Einbruchssicherung tiefer in die Tasche greifen, könne er einen Zuschuss beantragen.

Wer doch von Einbrechern heimgesucht wurde, sollte keineswegs das Chaos beseitigen, bevor Spuren gesichert wurden. Bemerkt jemand einen Einbruch, sollte er sich unauffällig verhalten und den Polizeinotruf 110 anrufen, wenn möglich einen Nachbarn dazuholen, aber auf keinen Fall den Helden spielen, so der eindringliche Rat. Um für die Versicherung gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, eine Liste und Fotos von wertvollen Gegenständen anzufertigen.

Zum materiellen Schaden eines Einbruchs kämen seelische Auswirkungen, erklärte der Seniorensicherheitsberater. Jeder dritte Betroffene erleide einen Schock, bei jedem vierten stellen sich Angstgefühle ein. Fast jeder fünfte wechsle nach einem Einbruch die Wohnung.


Leichte Steigerung beim Enkeltrick


Eine weitere Gefahr besonders für ältere Menschen sei Geldabzocke in verschiedensten Formen, ob Enkeltrick oder Gewinnspiel. „Die gute alte Schule“ dieser Generation, ihre Hilfsbereitschaft, werde schamlos ausgenutzt. Der bekannte Enkeltrick beginne meist mit der Frage „Oma, rate mal wer hier ist“. Nennt diese einen Vornamen, knüpften die Betrüger sofort daran an. Also, wachsam sein, wenn jemand nicht genau weiß, wer am Telefon ist, betont Gorlt. Im ersten Halbjahr 2015 habe es mit rund 100 versuchten oder durchgeführten Fällen eine leichte Steigerung gegeben.

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