Ventschow : Vogelschutz kontra Entwicklung?

Die Ventschower Badestelle am gleichnamigen See. Hier möchte die Gemeinde gern einen Pavillon errichten.  Fotos: Roland Güttler
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Die Ventschower Badestelle am gleichnamigen See. Hier möchte die Gemeinde gern einen Pavillon errichten.

Die Gemeinde Ventschow fühlt sich wegen der Natura-2000-Regelung immer mehr in einem Zwangskorsett.

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27. Mai 2015, 12:00 Uhr

Der Bau der Autobahn 14 hat den Ventschower See im Juli 2011 mit in die Vogelschutzgebiets-Landesverordnung einfließen lassen – und zwar im Rahmen des 19 400 Hektar großen Vogelschutzgebietes „Schweriner Seen“ (siehe Hintergrund). „Die Landesregierung hatte das Vogelschutzgebiet als Tauschpfand für die A 14 angeboten“, erläutert der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen, Eckhard Rohde.

Für Ventschow und seinem Ortsteil Kleekamp heißt es seitdem – arrangieren mit der Situation. Denn nur von der herrlichen Natur allein kann man nicht leben und sich als Kommune weiterentwickeln. Das Unbehagen bei Bürgermeister Dieter Voß wächst denn auch, sieht er seinen Gestaltungsspielraum auch wegen des Vogelschutzgebietes (VSG) und der damit einhergehenden Auflagen bei Projekten und Investitionen immer mehr eingeengt. So baut die Firma Agrarprodukte e.G. Kleekamp im Ortsteil derzeit eine neue Milchviehanlage und ein Melkhaus. Doch mittendurch durchs Firmengelände verläuft das VSG-Gebiet. „Musste man das am Reißbrett ziehen, konnte man nicht die nun mal gewachsenen Gegebenheiten vor Ort mit berücksichtigen?“, so Voß. Das Schutzgebiet umfasst neben dem Ventschower See einen 100 Meter Ufersaum. Darin liegt u.a. die alte Rinderanlage in Alt Ventschow, deren kaputte Fenster laut Matthias Grunwald, der im Stall arbeitet, „eingeworfen worden sind“. Aktuell stehen hier 200 Jungrinder, als Milchkühe ziehen sie nach Kleekamp um. Eine Modernisierung bzw. ein Neubau in Alt Ventschow täten Not – faktisch passiert jedoch erst einmal nichts.

Die Ventschower Gemeindevertreter stimmten in ihrer Stellungnahme dem Entwurf zur Änderung der VSG-Verordnung von 2011 zu – mit dem Zusatz, dass deren Geltungsbereich bis ans Ufer des Ventschower Sees zurückgesetzt werde, damit dann die Objekte der Agrarprodukte Kleekamp außerhalb liegen. Ein Wunsch, mehr nicht. Denn entschieden wird in Sachen VSG im Schweriner Schloss…

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