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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 05:11 Uhr

Parchim : Verschwundene Pflanze wieder da

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Wie es gelang, die Kornrade am Sonnenberg wieder anzusiedeln / Geschützte Tiere und Pflanzen der Roten Liste in unserer Region

Die Kornrade (Agrostemma githago L.) war früher in Getreidefeldern weit verbreitet, besonders im Wintergetreide. Heute ist sie durch Saatgutreinigung selten geworden. So selten, dass sie kaum einer kennt. Das ging so weit, dass die Kornrade stellenweise lokal völlig verschwunden ist und in der Roten Liste als stark gefährdet (Gefährdungsgrad 2) eingestuft wurde. Naturschützern gelang es jetzt, Kornraden bei Parchim wieder anzusiedeln.

Die Blütenfarbe ist purpurn und hat fünf Blütenkronenblätter, die mit purpurfarbenen Streifen zur Mitte ins Weißliche übergehen. Die Pflanze ist graufilzig-zottig behaart und wird 30 Zentimeter bis einen Meter hoch. Die Kelchblätter sind spitz verlängert und weit über den Rand der Blütenblätter vorgezogen.


Bestäubung durch Insekten und Falter


Die Kornrade wird durch Insekten und Falter bestäubt, nutzt aber auch Selbstbestäubung und wird durch den Menschen verbreitet. Die Staubbeutel sind lila. Die schwarzbraunen Samen sind giftig.

Die Art gehört zu den Nelkengewächsen (Caryophyllaceae Juss.) und ist geschützt. Sie kommt in der meridionalen-borealen-euroasiatischen Zone vor und ist ein Archäophyt. Das sind Pflanzen, die bereits in urgeschichtlicher Zeit – mit oder ohne Zutun des Menschen – zu uns gekommen sind.

Ein großer Teil unserer heutigen Ackerunkräuter sind aus dem Mittelmeerraum und dem Orient durch die Ausbreitung des Ackerbaus zu uns gekommen, viele aber auch aus dem Osten. Auf diese Weise mögen die Kornblume, der Ackersenf, das Feldstiefmütterchen, Mohn, Rittersporn und auch die Kornrade verbreitet worden sein. Mit der später einsetzenden Industrialisierung kamen dann Straßen und Schienen als Wege dazu, auch über das Wasser und letztendlich über den Luftweg überwinden Samen weite Strecken. Aber auch Vögel und andere Säugetiere verbreiten Pflanzen.


Seit Mitte 50er-Jahre nicht mehr zu sehen


Um bessere Ernteerträge zu bekommen, begann eine Saatgutreinigung (Aussortierung von Unkräutern), die zur Folge hatte, dass viele Arten immer seltener wurden oder gänzlich lokal verschwanden. Es fand nun immer weniger eine Konkurenz untereinander statt. Andere Arten breiteten sich dadurch verstärkt aus und wurden somit auch zu Ackerunkräutern auf den Feldern. Maßgeblich ist aber auch der verstärkte Einsatz von Bioziden oder das Trockenlegen von Ackersöllen.

Die Artenanzahl nahm stetig ab. Dies hatte natürlich auch Einfluß auf unsere Flora und Fauna. Inwieweit der Klimawandel dabei eine Rolle spielt und deren Auswirkungen, ist noch ungeklärt. Im Landkreis Parchim kam die Kornrade bis in die 50er-Jahre noch vor. Sie muss dann aber um die Mitte und gegen Ende der 50er-Jahre verschwunden sein.

Erste Versuche, die Kornrade in geeigneten Subbiotopen wieder bei uns lokal einzubürgern, sind eine nicht zu unterschätzende Maßnahme, um diese gefährdete Art der Roten Liste ( RL) mit dem Gefährdungsgrad stark gefährdet (das sind Pflanzen, deren Bestände im einheimischen Verbreitungsgebiet um mehr als 50 Prozent zurückgegangen oder regional verschwunden sind, wie unsere Kornrade) vor dem Erlöschen zu bewahren. Ein solches Kleinod ist das Ackerwildkraut-Reservat im Forstschaugarten Kiekindemark beim Naturschutzgebiet Sonnenberg in der Nähe der Walter-Dahnke-Eiche, benannt nach dem bekanntesten Naturschützer der Region. Hier sind Behandlungsrichtlinien von der Fachgruppe Geobotanik, Parchim entwickelt worden, die das Einbringen von weiteren Ackerunkräutern wie Kornrade, Kornblume, Mohn in das Getreide mit Stinkhundskamille anstreben. Kornradenwildsamen wurden in jüngster Zeit mit Erfolg von Naturfreund Walter Kintzel dort ausgestreut Die Bestandsentwicklung bleibt erst einmal abzuwarten. So ist die Kornrade aber wieder Bestandteil der Parchimer Flora geworden.



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