Neukloster : Verkehrsschule mit Oboe und Horn

Musik zum Begreifen für den geburtsblinden Alex aus Weitenhagen beim Baritonhorn von Polizeihauptmeister Guido Ehrlich aus Schwerin.  Fotos: Roland Güttler
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Musik zum Begreifen für den geburtsblinden Alex aus Weitenhagen beim Baritonhorn von Polizeihauptmeister Guido Ehrlich aus Schwerin. Fotos: Roland Güttler

Musikalische Überraschung: Das Landespolizeiorchester hat die Landesschule für Blinde und Sehschwache in Neukloster besucht und brachte Abwechslung in die Verkehrserziehung.

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15. Mai 2013, 10:23 Uhr

Neukloster | Klarinette, Oboe, Horn oder Schlagzeug in der Verkehrserziegung - das gibt’s wirklich nicht alle Tage. Auch das Landespolizeiorchester begab sich auf Neuland am gestrigen Vormittag an der Landesschule für Blinde und Sehschwache in Neukloster. Deren offizieller Name lautet seit 2011 übrigens "Überregionales Förderzentrum (ÜFZ) mit dem Förderschwerpunkt SEHEN M-V in Neukloster".

Doch so langatmig wie der Titel war diese besondere Verkehrsschule nicht - im Gegenteil. So schmissig verlief garantiert noch keine Aktion von Ines Buchholz und Hans-Jürgen Schröder, den Präventationsberatern der Polizeiinspektion (PI) Wismar. "Wir sind täglich an Schulen unterwegs, aber hier in der Blindenschule Neukloster waren wir noch nie", sagt Schröder, der selbst 28 Jahre in der Kleinstadt lebte, bevor er 2011 nach Proseken zog.

Die Lehrerinnen Margitta Böhlke und Brigitte Bunkus hatten sich für das Projekt "Verkehrserziehung" an die PI Wismar gewandt und dort entstand die Idee, das Landespolizeiorchester mit einzubinden. "Diese Kinder haben durch ihr Handicap eine andere Wahrnehmung im Straßenverkehr. Die Anforderungen sind also noch höher und komplexer", sagt PI-Pressesprecher André Falke. Und so lernten die 32 sehbehinderten bzw. blinden Mädchen und Jungen der Klassen 1 bis 4 nicht nur per CD zehn Geräusche - vom Fahrrad, über Auto und LKW bis hin zum Flugzeug - sich im wahrsten Sinne des Wortes zu "erhören". Auch bewältigten sie per Roller und anderen Kinderfahrzeugen einen Verkehrsslalom.

Der Clou waren die Musiker. Zuerst mussten die Instrumente einzeln erraten werden. Anschließend spielte das 18er-Orchester unter Leitung von Christof Koert einen Vier-Minuten-Ausschnitt aus dem Musical Tarzan, dessen Komponist und Liedtext-Verfasser übrigens kein geringerer als die Rock-Legende Phil Collins ist. Dessen Namen haben die Kinder aus Neukloster bestimmt noch nie gehört. Als Christof Koert aber "Tarzan" ankündigte, riefen der zehnjährige David aus Ludwigslust von der 3B und andere ganz spontan "cool". Für David wurde es danach nochmals extra spannend, durfte er doch den Taktstock schwingen. Dafür gab es von seinen Mitschülern denn auch Szenenapplaus.

Dies alles musste an der frischen Luft verarbeitet werden, bevor die Verkehrsschulung mitten im Parkgelände weiterging. Erst versteckten sich die Musiker hinter Bäumen oder Gebäudeecken, damit die Kinder die Klangrichtungen erkennen sollten. Dem schloss sich ein besonderer Klangweg an. Nach Gehör ging es von der Oboe über das Altsaxofon bis hin zur Trommel. Als der geburtsblinde Alex (10) aus Weitenhagen bei Greifswald im Ziel war, meinte er nur "gut". Kurz zuvor ergriff er die Musik im wahrsten Sinne des Wortes, in dem dessen linker Arm in den großen Schallbecher des Baritonhorns von Guido Ehrlich aus Schwerin verschwand. "Schwierig" empfand hingegen den Kurs die gleichaltrige Franziska aus Greifswald, die erst im Januar wegen einer Augenkrankheit erblindete. Und auch für den Zweitklässler Henning aus Bernitt bei Bützow war es "ein bisschen schwierig". Kein Wunder, bewältigte der Sehbehinderte die Strecke doch mit geschlossenen Augen. Und als dann noch zum Abschluss das Signalhorn des Polizeiwagens ertönte, war dieser Verkehrstag rund…

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