Warin : „Verhalten ist schon skandalös“

Abgeklemmt von Warmwasser und TV-Netz: Wohnblocks im Wariner Wald-Eck
Abgeklemmt von Warmwasser und TV-Netz: Wohnblocks im Wariner Wald-Eck

Probleme im Wariner Wald-Eck erreichen die Politik: Linken-Fraktionschef greift die Landrätin an

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12. Mai 2018, 05:00 Uhr

Seit nunmehr bereits fünf Tagen gibt es für die 15 Mieter in Warin-Wald-Eck kein Warmwasser und auch kein Fernsehen. So war Birgit Deckert zwischenzeitlich bei ihrer Mutter duschen, Gudrun Schröder musste sich im Pott Wasser warm machen; andere Mieter suchten Hilfe bei Verwandten, Bekannten oder Freunden, um einmal duschen zu können.

Bei der Wariner Wärmeversorgungsfirma von Horst Jeske haben sich, wie SVZ berichtete, seit 2016 Außenstände von 90 000 Euro durch den Vermieter, die Startconnect Verwaltungs GmbH aus Hamburg, angehäuft. Der Wärme- und TV-Versorger zog die Reißleine. „Wir sind Herr Jeske nicht böse und können den Schritt nachvollziehen“, betonte Birgit Deckert.

Startconnect hatte die insgesamt 36 Wohnungen, von denen aktuell neun belegt sind, im Februar 2015 vom landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften gekauft. Und bereits im April zogen im Wald-Eck die ersten Flüchtlinge ein. „In der Zeit von 2015 bis 2017 waren maximal 56 Personen zeitgleich in den angemieteten Wohnungen untergebracht“, so Christian Drechsler, Leiter des Büros von Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss auf SVZ-Nachfrage. Der Nordwestkreis hatte laut Drechsler dazu mit dem Vermieter für jede Wohneinheit „einen Einzelmietvertrag mit gesetzlicher Kündigungsfrist von drei Monaten geschlossen“. 2015 und 2016 ging der Landkreis zu unterschiedlichen Zeiten – je nach Kontingentzuweisung der Flüchtlinge – mit dem Hamburger Vermieter so genannte Wohnraum-Mietverhältnisse ein.

Alle durch den Landkreis Nordwestmecklenburg angemieteten Wohnungen seien mittlerweile leergezogen. Aktuell würden weder Mieten noch Betriebskosten gezahlt. „Der Landkreis ist mit dem Vermieter letztmalig im Rahmen der Kündigung in Kontakt getreten“, betont Drechsler.

Was den Auslöser des Wärmeversorgungs-Stopps samt TV-Versorgung betrifft, so vertritt man beim Nordwestkreis die Meinung, dass dies „aber … nicht das Vertragsverhältnis Mieter/Vermieter (betrifft), sondern ist rechtlich im Verhältnis Vermieter/Versorger zu klären“. Laut Firma Jeske waren auch die anteiligen Betriebskosten für die Flüchtlinge vom Vermieter nicht bezahlt worden.

Für den Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag, den Wariner Björn Griese, ist die Angelegenheit für Landrätin Weiss damit nicht vom Tisch. „Ob das Geld vernünftig verwendet wurde, ist absolut das mindeste, was der Landkreis in der Sache prüfen sollte. Das habe ich der Landrätin auch so gesagt.“ Griese findet: „Das Verhalten der Landrätin ist schon als skandalös zu bezeichnen. Immerhin geht es hier um Steuergelder, die offensichtlich nicht ordnungsgemäß weitergereicht wurden. So lapidar darüber zu reden, kann nicht sein.“ Der Landkreis könne, so Björn Griese weiter, „bald in der Pflicht stehen, für Obdach oder nach alternativem Wohnraum für die Wald-Eck-Bewohner sorgen zu müssen“. Er deutete an, dass sich auch seine Kreistagsfraktion mit der Thematik beschäftigen werde.

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