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Besondere archäologische Ausstellung : Vergangenheit mit Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Am Donnerstag eröffnete Kulturministerin Hesse die zukunftsweisende Bronzezeit-Ausstellung „Blutiges Gold“ in Groß Raden

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Am Donnerstagabend eröffnete MVs Kulturministerin Birgit Hesse in Groß Raden eine Sonderausstellung, wie sie das Freilichtmuseum so noch nicht gesehen hat. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen, weil es in der Ausstellung um die Entdeckung und Ausgrabung der bisher größten bekannten Schlacht während der Bronzezeit in Europa geht, die auch international großes Aufsehen erregt (SVZ vom 28.9.17). Zum anderen ist die Präsentation der Ausstellungsstücke für MV einzigartig und mit bisher nicht gekanntem Aufwand betrieben worden. „Die Ausstellung hat 300  000 Euro gekostet“, erklärte Landesarchäologe Detlef Jantzen, während er stolz die begeisterte Kulturministerin als eine der ersten Besucherinnen durch die Schau führte. „Das ist verglichen mit internationalen Ausstellungen ähnlicher Art ein Klacks.“ Aber für MV sei eine so aufwendige Art der historischen Präsentation neu.

Tatsächlich sind die an sich schon spektakulären Ausstellungsstücke sehenswert präsentiert - man kann durchaus sagen: inszeniert. Da schweben spiralförmige Goldringe, die für den guten Geschmack der Menschen vor 3200 Jahren sprechen, in einer dreieckigen Vitrine so, dass man sie von allen Seiten gut betrachten kann, ohne sie in die Hand zu nehmen. Da kann man sich vor einem kleinen Bildschirm in einen Sessel plumpsen und von einem Audioguide erzählen lassen, wie das Schlachtfeld im Tollensetal vor 21 Jahren entdeckt wurde. Oder sich vor einer riesigen Leinwand gemeinsam mit anderen Besuchern bildhaft erklären lassen, dass die 10  000 gefundenen Menschenknochen zu 130 Zeitgenossen der Bronzezeit gehören - vorwiegend waren es, wie schon immer in allen Kriegen, junge Männer zwischen 16 und 35, die auf diesem Schlachtfeld ihr Leben lassen mussten - und dass man davon ausgeht, dass dort insgesamt zwischen 200 und 400 Menschen umkamen und dass bis zu 6  000 Krieger an der Schlacht beteiligt gewesen sein könnten.

„Ich will zeigen, dass MV mehr ist, als Meer, Strand und Fischbrötchen. Wir haben eine so reiche Geschichte hier“, erklärte Birgit Hesse auf die Frage der SVZ, warum sie denn bereit war, für diese Ausstellung so viel Geld auszugeben. „Die Ausstellung soll auch einen Vorgeschmack darauf geben, was hoffentlich bald im geplanten Archäologischen Landesmuseum in Rostock zu sehen sein wird.“

„Wir müssen nur einmal alle unsere Fundstücke aus den Magazinen holen und vernünftig präsentieren“, stimmte Detlef Jantzen ein. „Das erfordert auch eine entsprechende wissenschaftliche Begleitung. Deshalb ist der Standort Rostock für das geplante Landesmuseum so wichtig, weil es dort jetzt den neuen Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte gibt.“ Rostock als Standort stehe außer Frage, meinte Birgit Hesse dazu. „Ihr müsst euch aber nun auch für einen Standort in der Stadt entscheiden. Jetzt!“, appellierte sie an die Verantwortlichen.

Unter den mehr als 200 anderen Besuchern, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren, befand sich am Donnerstag auch Ronald Borgwardt aus Krisow bei Neubrandenburg mit seiner Familie. Ohne ihn würde es die aufsehenerregende Bronzezeitausstellung vermutlich gar nicht geben. Denn der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger hat vor 21 Jahren das Gräberfeld im Tollensetal entdeckt. „Ich war damals schon begeisterter Hobbyarchäologe und habe eines Tages meinen Vater mit einem Schlauchboot losgeschickt, weil es hieß, am Ufer der Tollense seien Menschenknochen gefunden worden“, erzählt Ronald Borgwardt der SVZ die Kurzversion. Als sein Vater mit einem Oberschenkelknochen wiederkam, sei er sofort selbst losgefahren und habe in der Uferböschung zahllose menschliche Knochen entdeckt. „Mir ist sofort die unversehrte dicke Rasenerzschicht darüber aufgefallen. Die bildet sich so erst innerhalb von 1  000 Jahren.“ Da es dunkel wurde, setzte Borgwardt die Suche am nächsten Tag fort. Er sammelte alle Knochen ein, die er finden konnte, meinte aber, dass nichts Spektakuläres dabei wäre. Bis er beim Einladen ins Auto einen Oberarmknochen entdeckte, in dem eine Pfeilspitze steckte. Da verständigte er das Amt für Bodendenkmalpflege...

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