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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 09:05 Uhr

Vereinen im Land fehlen die Mitstreiter

vom

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erstellt am 27.Aug.2012 | 09:20 Uhr

Potsdam | Viele Brandenburger Vereine haben Nachwuchssorgen. So rechnet etwa der Landesfeuerwehrverband damit, dass er 2020 nur noch 30 000 Mitglieder und damit 19 000 weniger als derzeit haben wird. Auch die Briefmarkensammler blicken angesichts sinkender Mitgliedszahlen und ansteigenden Altersdurchschnitts sorgenvoll in die Zukunft. Die Sportvereine können sich diesem Trend hingegen offenbar entziehen. So gewinnen diese in Brandenburg nach Angaben des Landessportbundes (LSB) stetig Mitglieder. 317 154 Sportler zählten die im LSB gemeldeten Vereine im vergangenen Jahr. Das sind etwa 17 000 mehr Mitglieder als noch vor vier Jahren.

Generell leidet die märkische Vereinslandschaft aber unter den gleichen Symptomen wie Organisationen, Stiftungen oder gemeinnützige Gesellschaften in anderen Bundesländern. 3100 Organisationen in ganz Deutschland hat das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) befragt und vor allem Nachwuchssorgen und fehlendes Engagement junger Menschen für ehrenamtliche Vereinsarbeit als akute Nöte identifiziert. Der Studie zufolge gibt es in rund 60 Prozent der Vereine zu wenig Mitglieder und Engagierte zwischen 14 und 30 Jahren.

Vor allem im Gesundheitswesen leiden Vereine laut Umfrage unter Mitgliederschwund. Das Interesse, sich politisch zu engagieren, sei indes gewachsen. Das bestätigt auch die Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung, Martina Weyrauch. Junge Menschen würden sich zunehmend punktuell für bestimmte Interessen und Anliegen interessieren und organisieren, sagte sie. Auch beteiligten sie sich zunehmend an aktiver Demokratie. Dabei seien weniger Parteien Anlaufpunkt, sondern Vereine oder Initiativen.

Für die freiwilligen Feuerwehren ist der fehlende Nachwuchs hingegen zum Dauerbrenner geworden. Dabei herrsche in Kinder- und Jugendfeuerwehren durchaus reges Leben, sagte der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes, Jörn-Hendrik Kuinke. In zahlreichen Kommunen gebe es Initiativen und Kooperationen zwischen den freiwilligen Feuerwehren und Schulen, um bereits Kinder für eine Mitgliedschaft zu begeistern. "Das trägt Früchte", sagte Kuinke. Das Problem beginne dann, wenn junge Leute für Lehre oder Studium ihre Heimatorte verlassen.

Nach verbandsinterner Prognose wird es von heute 49 000 Mitgliedern in freiwilligen Feuerwehren im Jahr 2020 nur noch 30 000 Feuerwehrleute in Brandenburg geben. Vor allem in strukturarmen Regionen wie der Uckermark werde die Besatzungsstärke der Löschtrupps zunehmend dünner. "Aufgeben musste bislang keine Wehr", sagte Kuinke und fügte hinzu: "Noch nicht."

Dass junge Menschen sich punktuell und in eigener Sache engagieren, sich aber nicht langfristig binden, ist auch eine Erkenntnis der WZB-Studie. "Junge Leute agieren sehr erfolgsorientiert und Ich-bezogen", sagte Mareike Alscher von der Projektgruppe Zivilengagement am WZB. Dabei seien Internetforen und soziale Netzwerke modernere Formen der Organisation als Vereine. Eine Erfahrung, die auch Klaus-Dieter Schult vom Brandenburger Landesverband der Philatelisten macht. 22 Vereine mit insgesamt 550 Mitgliedern sind in dem Landesverband organisiert. "Die Mitgliederentwicklung ist seit 20 Jahren rückläufig, die Altersstruktur liegt über 60 Jahren", sagt Verbandschef Schult. "Junge Leute tauschen Briefmarken eher im Internet als bei Vereinstreffen."

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