Lesung in Bibower Dorfkirche : Verbrannter Barlach und Essen mit Sandra

Das zweite Mal zur Lesung in der Bibower Dorfkirche: Christoph von Fircks.
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Das zweite Mal zur Lesung in der Bibower Dorfkirche: Christoph von Fircks.

Der Wariner Autor Christoph von Fircks sorgte mit seinen Kurzgeschichten für eine vergnügliche Stunde in der Bibower Dorfkirche.

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14. März 2016, 12:00 Uhr

Begebenheiten vom Alltag in heitere Worte gefasst, so lassen sich die meisten Kurzgeschichten von Christoph von Fircks überschreiben. Das bewies der Wariner Autor wieder am Freitagabend in der Bibower Dorfkirche.

Die habe er schon immergemocht und sie gelegentlich bei Veranstaltungen besucht. Es sei hier aber erst seine zweite Lesung, widerspricht von Fircks freundlich bei der Begrüßung durch Barbara Reimer vom Bibower Kirchenbauverein, die ihn schon öfter an dem kleinen Tisch in der Sakristei gesehen haben will.

Dieser wackelt. Ob das gut geht? Schon bei seiner ersten Mathe-Klausur, an die er sich ungern erinnere, habe der Tisch gewackelt und sich das bei jeder neuen Idee wiederholt. Aber dann geht es los. Alle Geschichten, schickt der Wariner voraus, seien seit der ersten Lesung vor einem Jahr entstanden. Wenn darin von einer Freundin die Rede sei, bedeute das nicht, dass er fremd gehe. Eine nicht ganz ernst gemeinte Drohgebärde aus der letzten Reihe fängt er sich dennoch ein – von Ehefrau Barbara.

„Wer Misstrauen sät“ heißt die erste Geschichte. Die sei etwas ernster, kündigt der Autor an. Aber dann werde es heiterer, und es dürfe auch
gelacht werden. Das passiert bei „Hofacker“ mehrmals. Es geht um einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb, der jetzt auch Strom anbaut, wie der verdutzten Bäuerin am Ende klar gemacht wird.

Bei „Späte Rechtfertigung“ bringt von Fircks seinen Beruf als Geophysiker in Erinnerung. Er habe zehn Jahre vergeblich nach Erdöl gesucht. Das gehe auf einen Spitzbart zurück, der meinte, Erdöl zu finden, sei keine geologische, sondern eine ideologische Frage. Es fällt kein Name, doch jeder weiß, wer gemeint ist, jener Staatsmann, den der eigene Ziehsohn entmachtet hat. Wenn Menschen nicht mehr leben, werden sie besser, geht die Geschichte weiter. Und für den Spitzbart sei es vielleicht eine späte Rechtfertigung, wenn in heutiger Zeit mächtige Konzerne hier wieder nach Erdöl suchen.

Die besten Geschichten spielen sich im Kopf ab, so wie die besten Fotos entstehen, wenn man keine Kamera mit hat, wie vielleicht beim verbrannten Barlach. Obwohl auf dem Grundstück meist genug Holz für den Kamin zu finden sei, habe er einem Schnäppchen mit Hartholz, das mehr Wärme spende, nicht widerstehen können. Es fand sich auch ein Stück Linde, wie geschaffen zum Schnitzen. Er habe schon einen Barlach vor sich gesehen, eine gelungene sitzende Figur. Bis dann Irina den Kamin anheizte, das Stück Linde mit in die Hände bekam und Barlach verbrannte. Umso mehr, so von Fircks, verehre er den Künstler und erfreue sich an dessen Werken.

„Verrat an der Zeit“ spielt sich an der Kasse im Supermarkt ab, und dann gibt es das „Essen mit Sandra“, die sich pedantisch an Kochbücher hält, die das gesamte Regal füllen, und dann immer diese besonderen Zutaten verwendet, die einem das Essen geradezu vergraulen können. Da ziehe er doch wieder bäuerliche Hausmannskost vor.

Dann outet sich der Autor als Störenfried bei sämtlichen Geburtstagsfeiern und anderen Gesellschaften, weil er nicht auf Handys steht, nennt das Gezwitscher der Vögel Morsezeichen, denkt über das Genießen nach („Das ist etwas bissiger.“), befasst sich mit Menschenkunde und zum Abschluss mit Schneckenfrust.

Ob es die schönen Geschichten auch in Büchern gebe, will Barbara Reimer wissen. Nein, das habe er sich bislang nicht antun wollen, sagt Christoph von Firks. Aber man solle nie nie sagen.

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