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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 02:25 Uhr

Rothener Hof : Verbinden: Menschen, Orte, Dinge

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Daniela Melzig vom Rothener Hof vernetzt die 15 Stationen der Kunsttour und lässt Malerei mit einer Glasscheibe verschmelzen.

von
erstellt am 04.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Auf einem dünnen, gelben Karton im Postkartenformat steht, wie die analoge und digitale Kunsttour funktioniert. Analog bedeutet, sich vor Ort zu treffen und zu verabreden, Fahrer oder Mitfahrer zu werden. Digital heißt, vernetzt gemeinsam Kunst zu suchen, zu entdecken und interaktiv darüber zu berichten, eigene Eindrücke und Fotos hinzuzufügen. Dazu wird die Actionbound-App kostenlos auf das Smartphone heruntergeladen und der QR-Code gescannt.

Daniela Melzig vom Rothener Hof freut sich über Teilnehmer beider Varianten. Sie wolle bei dieser GPS-Tour Menschen zusammenbringen und auf Kunst aufmerksam machen, die bislang „nichts damit am Hut haben“, Barrieren abbauen und zugleich die Besucher „von reinen Konsumenten zum Selbermachen“ anregen, damit diese „ihre Medienkompetenz stärken“, Handy oder Smartphone sinnvoll nutzen. Und dabei sei ihr wichtig, möglichst viele „vom Einzelfahren wegzubringen, dass nicht jeder für sich in einem Blechgehäuse sitzt, sondern gemeinschaftlich auf Tour durch das Land gestartet wird“, in Fahrgemeinschaften mit Auto, Fahrrad oder Bus. So wie ihre Kunst stets „was Verbindendes“ habe.


Drei Generationen bei analogem Workshop


Melzig hat die 15 Kunst- und Kulturorte im „Kunstradius 40 km“ rund um Mestlin verbunden. Überall könnten die Teilnehmer Aufgaben lösen. Das Konzept müsse sie „aber noch mehr ausfeilen, so richtig klappt das bisher nicht“, räumt die Künstlerin ein. In Berlin etwa würden „die Leute schneller erreicht“. Hier vielleicht am ehesten in einer Fußgängerzone, wenn sie das mit Passanten durchspiele. Es gebe erst wenige Actionbounds, und wenn wie jetzt für diese Kunsttour, seien immer die gleichen Leute anzutreffen, die auch sonst schon aus Interesse kämen. „Ich möchte aber auch neue Personengruppen erreichen“, betont Melzig.

Sie verbindet Menschen, Orte – und Dinge, die Materialien, mit denen sie künstlerisch arbeitet. Besucher gleich aus drei Generationen beteiligen sich einem analogen Workshop. Uroma Irmtraut Lünse, die angeheiratete Enkelin Marie Höhne und deren Kinder Olli (5) und Mia (3) kommen zum ersten Mal mit Glasschmelzen in Berührung. Daniela Melzig habe sie im Winter beim Schlittschuhlaufen in den Langenhägener Seewiesen gefragt, ob sie das mal kennen lernen wolle, erzählt die junge Mutter. Jetzt habe das gepasst. Ihr Mann sei zu Hause beim erst vier Monate alten Sohn Oskar geblieben.

Mia hat ein schwarzes Schaf auf ein kleines Rechteck von einer Fensterscheibe gemalt, das sich nun in Melzigs Miniofen befindet. In einer Mikrowelle wird der auf 700 Grad gebracht, damit die Farbe, ein mit Kleber angerührtes Glasmehl, mit der Scheibe verschmilzt. So entsteht darauf keine zusätzliche Schicht. Wer mit dem Finger darüber fährt, spürt eine ebene Fläche, und die bleibt durchsichtig. Das sei ein wesentlicher Unterschied etwa zu Email oder Keramik und reize sie an dieser Technik, sagt die Künstlerin. Um die richtige Brennkurve herauszufinden, habe sie viel experimentieren müssen. Das Ergebnis sei ihr Geheimnis, ebenso welches Glasmehl zu welcher Scheibe passe. Sei bei 700 Grad beides verschmolzen, werde es für einen Moment schock- und dann ganz langsam herunter gekühlt. Den Miniofen verwende sie auch immer, sagt Melzig, wenn sie in Schulen fahre. Ihr Fusingofen, wie der Glasschmelzofen in der Fachsprache heißt, brauche einen ganzen Tag zum Aufheizen und zwei Tage zum Abkühlen.

Glasschmelzen vereine drei künstlerische Prozesse von Fotografie über Computergrafik bis zu Malerei oder Druck. Die jetzt praktizierte Technik mit Malen eigne sich am besten, um Glasschmelzen zu zeigen, Besucher daran teilhaben zu lassen und zum Bleiben zu animieren. Beim Drucken sei die Vorarbeit „kopflastig“, bevor es ganz schnell gehe.

Daniela Melzig sucht immer nach neuen Wegen, ihre Kunst zu vermitteln, und hat einen Beitrag im Lexikon für Kunstpädagogik verfasst. Die beiden letzten Monate des Jahres arbeitet sie in Frankreich – auf Einladung des Bildungsministeriums. 180 Kinder aus sechs Schulen sollen, in zwölf Gruppen aufgeteilt, über die Kunst ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern. „Das ist wie ein Sechser im Lotto, ein Pilotprojekt und ganz spannend für mich“, so Melzig. Sie freue sich, dass ihr Standardprojekt nun in Frankreich Eingang finde. Nach dem Projekt mit den Kindern klinge das Jahr dort mit einem Stipendiat aus.

Doch zuvor führt Daniela Melzig am 7. und 8. Oktober jeweils von 12 bis 18 Uhr weitere GPS-Workshops in Rothen durch und verbindet zudem Menschen, Orte und Dinge bei der Tour „Kunstradius 40 km“ rund um Mestlin.

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