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Hartz IV-Empfängerin aus Borkow schildert ihre Sorgen : Ute Kuhnes Horror vor steigenden Preisen

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"Jetzt wird der Strom wieder teurer, ich habe richtig Horror davor", sagt Ute Kuhne aus Borkow. Den Ölradiator im unbeheizten Schlafzimmer traut sie sich schon lange nicht mehr einzuschalten.

svz.de von
erstellt am 10.Dez.2012 | 05:17 Uhr

Borkow | "Jetzt wird der Strom wieder teurer, ich habe richtig Horror davor", sagt Ute Kuhne aus Borkow. Den Ölradiator im unbeheizten Schlafzimmer traut sie sich schon lange nicht mehr einzuschalten. Zuletzt musste sie 200 Euro an den Energieversorger nachzahlen. Und es ist nicht nur der Strompreis, der die 53-Jährige beunruhigt. Richtig Sorgen machen ihr auch die steigenden Preise auf vielen anderen Gebieten - vom Benzin bis zur Nahrung. "Butter kostete bisher 89 Cent, jetzt sind es 95 Cent", sagt sie.

Ute Kuhne muss von Hartz IV leben. Sie ist ein Beispiel dafür, wie jemand, der über viele Jahre hart gearbeitet hat, plötzlich in Not geraten ist und wie schwer es schließlich ist, durch das Leben zu kommen.

Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist gelernter Maschinist für Wärmekraftwerke und hat in diesem Beruf sieben Jahre gearbeitet. 25 Jahre lang verrichtete sie dann die schwere Tätigkeit als Forstwirt und wurde durch ihren kaputten Rücken arbeitsunfähig. "Das Arbeitsamt hat mich schnell abgeschoben, weil ich für den Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehe", meint die 53-Jährige.

Mit ihrer 23-jährigen Tochter, einer gelernten Restaurantfachfrau, lebt Ute Kuhne derzeit in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft in Borkow. "Regelleistungen und monatliche Kosten für Unterkunft und Heizung beziehen wir vom Landkreis Parchim-Lübz", berichtet die Borkowerin. "Diese beinhalten keine Aufwendungen für Versicherungen, Telefon, Internet, Gebühren an Gemeinden, Arzt- und Rezeptgebühren sowie Autounterhaltung."

379 Euro Grundsicherung erhält die 53-Jährige als "Oberhaupt" der Bedarfsgemeinschaft derzeit im Monat. Im kommenden Jahr sollen es gerade acht Euro mehr werden. "Für die wirklich Bedürftigen ist nicht viel übrig", so die Borkowerin. Auf der anderen Seite würden Milliardensummen aus Deutschland in andere Länder fließen.

Ute Kuhne ärgert sich, dass viele Hartz-IV-Empfänger als faul abgestempelt würden. Die gebe es auch, sagt sie, aber für die habe sie auch kein Verständnis.

Die Borkowerin, die wegen ihrer Berufskrankheit seit über zwei Jahren auf den Rentenbescheid wartet, hat sich in den vergangenen Jahren nebenbei schon im Winterdienst und als Zeitungszustellerin versucht. "Hat man einen 400-Euro-Job, wird das prozentual angerechnet. Am Ende zahlt man drauf", berichtet sie

Nach ihren Worten wird ein immer härterer Sparkurs bei Hartz IV gefahren. Immer neue Regelungen werden erlassen. Sie hat beispielsweise früher selbst Holz gemacht zum Heizen, doch das rechnet sich heute nicht mehr. Die Borkowerin berichtet aus Gesprächen mit anderen Betroffenen, dass es sogar Drohungen gegenüber Kranken gebe, dass ihnen Geld gestrichen wird, wenn sie eine Maßnahme nicht annehmen. "Wer Hartz-IV-Empfänger ist, weiß, wie viel Lauferei, Fahrerei und zusätzliche Kosten anfallen, wenn Bewerbungen anstehen oder Anträge gestellt werden müssen", sagt sie. "Einsicht hat das Amt, wenn es um Forderungen zu Rückzahlungen an das Amt geht. Es gibt zinslose Kredite. Aber stehen da noch andere Forderungen an, sieht es schlecht aus. Wie alles bezahlen, wenn die Grundsicherung einen Monat reichen soll."

Zuweilen fühlt sich die Borkowerin dabei im Jobcenter alles andere als wohl. "Einige Mitarbeiter behandeln uns wie Menschen zweiter Klasse, dabei sollten sie darüber nachdenken, warum sie einen Arbeitsplatz haben", so die 53-Jährige. "Wir sind ihre Kunden, wenn auch nicht alle gleich. Ich habe so lange wie möglich gearbeitet und muss jetzt zusehen, wie ich den Monat über die Runden kommen."

Ute Kuhne steht mittlerweile vor der nächsten Hürde. Das Haus, in dem sie wohnt, soll abgerissen werden. Für die Borkowerin steht bereits fest, dass sie dann das Sternberger Seenland ganz verlassen wird. Sie will zu ihrem Sohn ziehen.

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