zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

15. Dezember 2017 | 07:41 Uhr

Brüel : Unterricht in der Backstube

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Brüeler Regionalschule führte erstmals einen Berufswandertag durch.

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 23:29 Uhr

„Ich hatte gedacht, dass ihr um 6 Uhr kommt. Dann hättet ihr noch etwas von der Produktion mitbekommen“, erklärt Bäckermeisterin Petra Schulz, Inhaberin der Bäckerei Schultz, den Acht- und Neuntklässlern. Den gestrigen Berufswandertag an der Regionalen Schule hatten neun Schüler genutzt, um in den Arbeitsablauf der Bäckerei „hineinzuschnuppern“.

Nach einer kleinen Betriebsvorstellung – Petra Schulz führt den 1896 von ihrem Urgroßvater gegründeten Handwerksbetrieb in vierter Generation – waren die 14- und 15-Jährigen eingeladen, sich beim Butterzopf flechten, Backen
eines Hefeteig-Butterstreusel-Kuchens und Aufbringen von Nougat auf die Mürbeteigbrezeln auszuprobieren. Letztere würden seit über 100 Jahren nach dem selben Rezept in ihrer Bäckerei hergestellt und seien der Kassenschlager, erfuhren die Schüler. Drei von ihnen – Leon Schöneweiß, Beate Strehlau und Lisa Leonhardt – nutzten denn auch die Chance und zeigten sich dabei so geschickt und interessiert, dass ihnen Petra Schulz spontan ein Praktikum anbot.

Sie wollte wissen, wie die Brötchen entstehen und ob der Bäckerberuf wirklich so anstrengend ist, sagt Lisa. „Mein Cousin hat als Bäcker gearbeitet und das erzählt. Bäcker zu sein, ist anstrengend“, gibt die 14-Jährige ihm nun recht. Leon hat sich beruflich noch nicht entschieden. „Es war interessant, einmal eine Bäckerei zu besichtigen und es hat mir auch Spaß gemacht. Aber mit dem frühen Aufstehen hätte ich wohl Probleme“, sagt der 15-Jährige, beginnt eine Schicht doch schon um 1.30 Uhr, also mitten in der Nacht.

„Wir identifizieren uns mit dem Handwerk. Das Grundsortiment wird hier im Backhaus hergestellt und durch die Kraftfahrer in die Geschäfte geliefert. Dort haben wir jeweils mindestens einen Ladenbackofen, in dem die Teigwaren gebacken werden“, erklärt Petra Schulz. Sie habe gern für den Berufswandertag zugesagt. Sie bedauere, dass sich heute kaum noch Schüler für ein Praktikum in der Bäckerei interessierten. „Ich würde auch ausbilden, aber mit einer Fünf in Mathe braucht sich niemand zu bewerben. Bäcker müssen rechnen können.“

An dieser Schule fand der Berufsschulwandertag erstmals statt. Alle Klassen haben Einrichtungen oder Betriebe der Region besucht und sind dorthin natürlich gewandert. So waren die Fünftklässler bei der Feuerwehr und auf dem Pferdehof in der Wariner Straße, die Sechstklässler auf dem Agrarhof. „Für die Schüler ab der siebenten Klasse war der Tag auch ein Angebot innerhalb der Berufsorientierung“, sagt Schulleiterin Christina Schumann. Die Siebtklässler lernten Kuhpon Kaarz kennen, die Schüler der Achten und Neunten waren in vier Gruppen sogar in zwei Betrieben: Bäckerei Schultz / K&S Fassaden Technik GmbH; Mecklenburger Hof / K&S Fassaden Technik GmbH; Mecklenburger Hof / Mecklenburger Freizeitmöbel bzw. auf dem Golchener Hof. „Einen Betrieb kennen zu lernen und vielleicht auch praktisch etwas machen zu können, ist ganz wichtig für die Berufsvorbereitung. Die achten und neunten Klassen haben zudem Arbeitsaufträge bekommen. Sie müssen Fragen stellen“, sagt die Schulleiterin. Die Bereitschaft der Betriebe und Einrichtungen, sich für die Schüler zu öffnen, sei groß gewesen, sagt Christina Schumann und dankt herzlich dafür. Und vielleicht würden im nächsten Jahr sogar noch weitere mitmachen. Denn eine Wiederholung gebe es auf jeden Fall. Sie wisse, dass einige Betriebsleiter bemängelten, dass Schüler kaum Praktikumsplätze nachfragten. Und das Schülerresümee? „Es war ein toller, ein gelungener Tag“, hört die Schulleiterin immer wieder, als die Mädchen und Jungen vom Berufswandertag zurück sind. 
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen