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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 21:34 Uhr

wariner Pflanzenbau : Unter Grenzwerten für Stickstoff

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Wariner Pflanzenbauer haben keine Probleme mit der neuen Düngeverordnung. Agrarchef: Nitratbelastung im Grundwasser hat komplexe Ursachen

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Bei Hobbygärtnern kribbelt es längst, viele dürften an diesem Wochenende richtig loslegen. Landwirten geht es kaum anders. Doch weniger das Datum zählt, vielmehr müssen die Bedingungen für die Bestellarbeiten stimmen, sind sich Wolf-Dietmar Vetter und Daniel Bohl, Vorstandsvorsitzender und Stellvertreter der Wariner Pflanzenbau eG mit Sitz in Trams-Ausbau, einig. In diesem Jahr sehe es bislang gut aus, die Felder mit Winterkulturen seien grün, sagt Vetter. „Kein Vergleich zum Vorjahr.“ Da habe der Frost bis minus 17 Grad im Januar und dazu der eisige Ostwind Raps und Getreide fürchterlich zugesetzt. „Wir mussten Winterweizen umbrechen und haben Sommerweizen gedrillt“, sagt Bohl.

Jetzt werde auf die Bestellung mit Rüben und Lupinen gewartet. Letztere könnten ab nächste Woche in den Boden kommen. Die baut der Betrieb das dritte Jahr an, 60 Hektar über ein Landesförderprogramm für vielfältige Ackerkulturen. Bei den Warinern ist es die Schmalblättrige Lupine, früher eher als Blaue Lupine bekannt. Inzwischen seien
andere Sorten hinein gezüchtet worden, so dass die Pflanze keineswegs nur blau blühe. Die Körner, etwa so groß wie junge Erbsen, werden mit dem Mähdrescher geerntet und bei den Mutterschafen und Lämmern als Eiweißfutter anstelle von Rapsschrot eingesetzt.

Als Glied in der Fruchtfolge eigne sich die Lupine besonders gut vor Getreide, da sie zu den Leguminosen zähle und Stickstoffsammler sei wie Erbse, Bohne oder Klee. Ihren geringen Bedarf an Stickstoff decke die Lupine aus der Luft, die voll damit sei. „Es wäre toll, wenn alle Pflanzen diesen Mechanismus hätten“, meint Vetter, „dann wäre gar kein Stickstoffdünger nötig.“

Dieser gilt als wesentliche Ursache für eine stellenweise zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers. „Für einen Teil mögen wir als Landwirte verantwortlich sein, aber nicht für alle“, wehrt sich Vetter gegen pauschale Schuldzuweisungen in der Öffentlichkeit. In einer Beratung beim Kreisbauernverband seien zwei Messstellen in Nordwestmecklenburg mit überschrittenen Grenzwerten genannt worden. Die bei Mankmoos liege deutlich darunter. „Wenn die Nitratwerte zu hoch sind, müssen die Ursachen erkundet werden. Die können aber sehr komplex und schwer zu ergründen sein, weil alles tief im Boden ist. Ich denke, da stehen wir erst am Anfang“, so Vetter „Grundwasser hat ein langes Gedächtnis, kann sich aber auch regenerieren.“
Natürlich sei es richtig, „punktuelle Einträge zu verhindern“. Dung müsse auf einer Betonplatte gelagert werden. Güllebehälter hätten eine Drainage mit Kontrollschächten, um jederzeit prüfen zu können, dass nichts durchsickert.

Der Gesetzgeber will dem Besorgnis erregenden Problem mit einer neuen Düngeverordnung beikommen. Danach darf der Überschuss an Stickstoff ab 2018, also dass dem Acker mehr zugeführt als entnommen wird, nur 50 kg pro Hektar betragen. Der Grenzwert sei mehrmals herunter gesetzt worden auf derzeit 60 kg. „Bei uns waren es im Durchschnitt der letzten drei Jahre 40 kg“, so Bohl. In einer Stickstoffbilanz, die der Gesetzgeber jährlich über die gesamte Ackerfläche verlange, sei das zu dokumentieren.

Ein Überschuss müsse sein, sonst würden die Bodenlebewesen eingehen. Das seien in der Ackerkrume, den obersten 30 Zentimetern, die bearbeitet werden, zwei bis drei Tonnen pro Hektar. Sie würden organische Stoffe umsetzen und dabei viel Stickstoff binden. Wenn es warm werde und das Bodenleben in Gang komme, schnelle der Stickstoffgehalt von ca. 20 auf 250 Kilogramm je Hektar hoch. Der werde im Ackerbau genutzt, aber auch von den kleinen Tierchen zum Überleben benötigt.

Vetter und Bohl veranschaulichen: Erntereife Maispflanzen auf einem Hektar enthielten samt Wurzel, Stengel und Kolben 180 kg Stickstoff. Es würden 160 kg vom Feld gefahren, da nur Wurzel und ein kurzes Stück vom Stengel dort blieben. Durch Düngung müsse ein Ausgleich erfolgen. 80 kg Stickstoff kämen in Gärresten aus der Biogasanlage wieder auf den Acker, 60 kg als Mineraldünger. Die fehlenden 20 kg nehme sich die Pflanze aus der so genannten Stickstoffmineralisierung im Boden und mache sie somit den Lebewesen darin streitig. Bei Mais gehe das, bei Getreide werde mehr Stickstoff zugegeben als abgefahren. Hier hielten sich die Bodenlebewesen am liegen gebliebenen Stroh schadlos.

Die neue Düngeverordnung setzt auch 170 kg Stickstoff aus organischem Dünger als Obergrenze pro Hektar und Jahr. Danach dürften die Wariner Pflanzenbauer bei Mais doppelt so viel ausbringen. Doch den hätten sie gar nicht. Und eine Überdüngung sei in MV angesichts der im Vergleich etwa zu Niedersachsen deutlich geringeren Tierdichte ohnehin wenig wahrscheinlich.

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