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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

14. Dezember 2017 | 03:44 Uhr

Dabel : Unruhe im Dabeler Schilderwald

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ortstafeln für Bahnhofstraße und Roter Strumpf überraschten alle – Anwohner froh über Tempo 50 auf Bundes- und Landesstraße.

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2014 | 09:09 Uhr

Nach dem Abbremsen auf Tempo 50 am Ortseingang sitzt der schwarze Volvo mit Schweriner Kennzeichen, der schon seit Sternberg folgt, beinahe auf der Stoßstange. Als wir blinken, um rechts abzubiegen, setzt er sofort vorbei und rauscht davon – mindestens mit 60 bis 70 km/h. Deutlich zu viel, seit im Frühsommer an der B 192, der Bahnhofstraße in Dabel, wie an der Landesstraße 16 (L 16) mit dem lustigen Namen Roter Strumpf Ortstafeln aufgestellt wurden und höchstens noch Tempo 50 gefahren werden darf . Zuvor waren auf der Bundesstraße 70 km/h erlaubt; es standen grüne Schilder, die auf eine nicht geschlossene Ortschaft hinwiesen. Auf der L 16 gab es eine Begrenzung auf 70 bzw. 60 km/h.

In dem neuen Dabeler Schilderwald grummelt es aber. So ist aus der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung vom 13. August protokolliert, dass in der Bürgerfragestunde „Unruhen in der Gemeinde wegen der Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder auf der Bahnhofstraße“ angesprochen wurden. Als er das in der SVZ las, meldete sich Klaus Esche aus der Bahnhofstraße am Heißen Draht. Er und weitere Anwohner von Bahnhofstraße und Roter Strumpf seien begeistert von der Neuregelung. „Seitdem ist es merklich ruhiger und auch sicherer, wenn jemand mit dem Auto vom Grundstück will“, so Esche.

Die schnurgerade, gut einsehbare Strecke – wie SVZ ermittelt hat, etwa 1100 Meter zwischen den beiden Ortstafeln – verleite zum schnellen Fahren sowie zum Überholen, für das es zuvor von Sternberg aus wenig Möglichkeiten gäbe. Das habe er oft genug beobachtet, sagt Esche. „Natürlich, wer 100 fahren will, macht das auch weiterhin, ob nun 50 oder 70 erlaubt sind. Doch die Verkehrsberuhigung ist schon wohltuend. Obwohl wir wussten, als wir 1992 herzogen, dass das eine Bundesstraße ist, auf der richtig Verkehr rollt.“

Die neue Beschilderung sei für ihn völlig überraschend gekommen. In den 1990er-Jahren hatte er sich mit dafür eingesetzt, so Esche, dass das Tempolimit herunter gesetzt wird. Daraus wurde nichts. „Wir hatten das schon abgehakt, als erledigt angesehen. Auf einmal geht es doch, wie auch immer das zu Stande gekommen ist“, wundert sich der Dabeler. Er wisse niemanden aus der Straße, der einen neuen Anlauf genommen habe.

Evelin Schmied, Inhaberin des Feriendorfes „Storchennest“, das gegenüber dem Holzendorfer See an der L 16 liegt, geht es genauso. „Wir hatten vor Jahren einen Antrag gestellt, Unterschriften gesammelt, damit die zulässige Geschwindigkeit wie bei Veranstaltungen am See herunter gesetzt wird. Denn wie viele Kinder, die zur Badestelle wollen, müssen über die viel befahrene Straße. Dazu kommen bis zu 60 Urlauber von uns. Als die Schilder nun standen, haben wir die zuerst gar nicht bemerkt. Stammgäste wiesen uns darauf hin. Sie sind wie wir so froh darüber. Hoffentlich bringt das auch was“, so Schmied.

Wie diese Neuregelung zu Stande kam, ist in Dabel bis heute ein Rätsel. Die Gemeinde habe keinen Antrag gestellt, bekräftigt Bürgermeister Herbert Rohde auf Nachfrage. „Genau daher kam doch der Unmut in der Sitzung der Gemeindevertretung. Bürger fragten danach, und wir konnten keine Antwort geben“, so Rohde. Er habe sich im Amt Sternberger Seenlandschaft erkundigt – zunächst nichts. Dann die Vermutung, dass die neuen Ortsschilder mit dem von der Gemeinde beschlossenen Verkehrskonzept in Dabel in Verbindung stünden. Beides habe aber überhaupt nichts miteinander zu tun. Schließlich solle es eine E-Mail von
einem Bürger aus Dabel geben, der die Temporeduzierung wollte. SVZ erfuhr hingegen in der zuständigen Verkehrsbehörde des Landkreises, dass diese „von Amts wegen“ selbst gehandelt habe. Nach einer
geänderten Verwaltungsvorschrift reiche jetzt die durchgehende Bebauung auf einer Straßenseite aus, um Ortstafeln aufzustellen. „Weil wir an der Kreuzung, wo die L 16 auf die B 192 trifft und sich
Unfälle gehäuft haben, handeln mussten, haben wir uns das mit der Polizei angesehen und sind zu diesem Ergebnis gekommen, für das alle Seiten Zustimmung gaben“, erklärt André Meier von der Straßenverkehrsbehörde. Nur die Gemeinde scheint vergessen worden zu sein. „Mit mir hat keiner gesprochen“, ärgert sich der Bürgermeister. Mit der Situation selbst könne er leben. „Weil es den Bürgern dabei gut geht, freue ich mich.“ Es sei erstmal eine Umstellung, doch er müsse sich eben auch „befleißigen“, sich an das neue Tempolimit zu halten.

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