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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Oktober 2017 | 07:28 Uhr

Borkow : Unikate aus Fantasie und Geschick

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Frauen aus der Kreativwerkstatt Borkower Bahnhof beteiligen sich Pfingsten zum zweiten Mal an „KunstOffen“.

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2014 | 16:50 Uhr

Sie weben, nähen, filzen, häkeln, schneiden oder falten in den eigenen vier Wänden. Montags ist ab 14 Uhr Treff im Dorfgemeinschaftshaus, wo sie bei einer Tasse Kaffee über ihre Arbeiten, neue Projekte und Ideen sprechen. Und dann der Höhepunkt: die Ausstellung in aller Öffentlichkeit. Die Kreativwerkstatt Borkower Bahnhof beteiligt sich zum zweiten Mal an der Pfingstaktion „KunstOffen“.

Bei ihrer Premiere 2013, zu der Rosemarie Borchert den Anstoß gegeben hatte, waren die emsigen Frauen noch skeptisch. „Wir dachten, uns vielleicht zu langweilen, wurden aber förmlich überrannt“, sagt Silvia Buchowski. Mit der Resonanz hätte keine von ihnen gerechnet, pflichten ihr Rosemarie Borchert und Rita Lage bei. Das habe richtig gut getan. Unter den Besuchern seien übrigens auffallend viele Männer gewesen, die sich für die Techniken interessierten, gerade beim Weben.


Jede der Frauen hat ihr Spezialgebiet


Handarbeitsgruppen habe es in Borkow schon lange Zeit gegeben. Sie seien nun zu viert, manchmal zu fünft „der harte Kern“, wie es Borchert ausdrückt. Und bei allem, was sie anfertigen, würden sie großen Wert auf Qualität legen.

Jede der Frauen hat ihr Spezialgebiet. Rosemarie Borchert aus Dobbertin webt in ganz unterschiedlichen Techniken, „in der Regel Leinen, Seide und Wolle“, für Handtücher Baumwolle. „Aber keinerlei Meterware, jedes Stück ist ein Unikat“, betont sie.

Unter den Händen von Silvia Buchowski, die in Neu Woserin zu Hause ist, entstehen „wunderschöne Näharbeiten“, wie die Borkowerin Rita Lage schwärmt. Taschen, Stofftiere, Kissen mit Landschaftsmotiven, alles, was sich aus Stoffen nähen lässt, vor allem Patchwork. Sie nutze beinahe jeden Fetzen, der ihr in die Hand komme, und sei es nur, irgendwo eine Blume aufzunähen.

Sabine Liebscher ist die Frau für gestaltetes, figürliches Filzen. Darin sei sie absolute Spitze, loben ihre Mitstreiterinnen. Die filigranen Märchenbilder zum Beispiel reichten von Rumpelstilzchen über
den gestiefelten Kater bis zu den Bremer Stadtmusikanten. Einige Stücke seien auch ausgestellt, wie im Wartezimmer der Dabeler Arztpraxis.

Rita Lage befasst sich vor allem mit Papier, und das in verschiedensten Formen, ob alte Bücher, Kalender- oder Notenblätter. Letztere hat sie zu einer aufklappbaren Pyramide gefaltet oder zusammengerollt und um eine kleine Dose geklebt. Aus einem Buch hat die Borkowerin eine Birne geschnitten und aus einem Duden von 1958 ein vielblättriges Dekostück. Jede Menge Karten unterschiedlichster Art stammen ebenfalls aus ihrer Hand. Ausgediente Hundertwasserkalender wurden zu Taschen und andere Kalenderblätter, die sonst auch ins Altpapier gewandert wären, zu Schachteln. Die hat dann Rosemarie Borcherts Ehemann Wolfgang angefertigt, so dass er für Rita Lage mit fröhlichem Respekt „der Schachtelmann“ ist. Ihr Mann habe dabei „so viel Spaß gefunden“, freut sich die Dobbertinerin. Allerdings müsse bei ihm alles immer exakt abgemessen sein. Da käme eben der Elektroingenieur durch. Auch bei einem großen Untersatz für Töpfe. Dazu hat er Weinkorken in der Mitte durchgeschnitten und auf ein Brett geklebt. Das alles passe zum diesjährigen Motto der Borkower Truppe: kreative Wiederverwertung. Aus alten Sachen, gleich welchen Materials, werde mit Fantasie und Geschick etwas hergestellt – stets ein Unikat. Häkel- und Strickarbeiten von Helga Stegemann komplettieren das Angebot an den Pfingsttagen.

Gleichzeitig unterstützt die Borkower Kreativwerkstatt Frauen in Afghanistan. Diese erhalten von der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft in Freiburg Material und fertigen daraus nach alter Tradition die schönsten Stoffbilder. Deren Verkauf soll die Frauen in dem Land unabhängiger machen. „Was sie ohne Vorlage, nur aus dem Kopf heraus herstellen, ist bewundernswert“, findet Rosemarie Borchert. Einige Bilder sind eingerahmt, andere auf Kissen genäht, auf Seide aus Laos und damit „so richtig stimmig“. Vorher waren das Vorhänge, womit wir wieder beim diesjährigen Thema sind. Die Frauen der Kreativwerkstatt Borkower Bahnhof wünschen sich nur eines – dass die Räumlichkeiten, die auch zum Spielenachmittag, für Sport und vom Chor genutzt werden, ihnen noch lange Zeit zur Verfügung stehen.

„KunstOffen“ ist Sonnabend bis Montag von 10 bis 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus im ehemaligen Bahnhof, an der Bundesstraße 192 von Sternberg aus gleich rechts am Ortseingang.

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