Brüel : Und plötzlich ist das Grab weg

Die Brüelerin Brigitte Rexin vor der gut vier Jahre zu früh eingeebneten letzten Ruhestätte ihres Onkels. Fotos: Roland Güttler
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Die Brüelerin Brigitte Rexin vor der gut vier Jahre zu früh eingeebneten letzten Ruhestätte ihres Onkels. Fotos: Roland Güttler

Brüelerin Brigitte Rexin erlebte einen Albtraum: Letzte Ruhestätte ihres Onkels wurde von der Friedhofsverwaltung Jahre zu früh eingeebnet.

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18. November 2014, 08:00 Uhr

Brigitte Rexin steht auf dem neuen Brüeler Friedhof vor der Grabstelle ihres aus Warin stammenden Onkels Erich Witschonke – wirkt äußerlich gefasst. Es ist – besser war – eine Doppelwahl-Grabstelle. Vor über einem Monat, am 9. Oktober, wurde sie im Auftrag der beim Sternberger Bürgeramt ansässigen Friedhofsverwaltung eingeebnet, da die 20-jährige Nutzungsdauer für das Grab der daneben liegenden Tante abgelaufen war. Deren Mann, der 1999 – fünf Jahre später – verstarb, „gibt es nicht in unserem Rechner“, so Manuela Reimer, Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung auf SVZ-Nachfrage.

Lange hatte Brigitte Rexin mit sich gerungen, ob sie mit ihrem Albtraum an die Öffentlichkeit gehen solle, und sich am „Heißen Draht“ der SVZ gemeldet. Die Ur-Brüelerin brachte beim Vor-Ort-Termin eine Kopie der „Grab-Erwerbs-Urkunde“ zur Verlängerung des bestehenden Nutzungsrechts „für Grab 11/12, Reihe 5“ bis 28. Januar 2019 mit. Dieses Dokument fehlt freilich in der Sternberger Verwaltung. Und so wurde die Grabstelle, wie gesagt, vom Brüeler Bauhof im Auftrag am 9. Oktober glatt gemacht.

Am 5. Oktober waren Brigitte und ihr Mann Reinhard Rexin noch am Grab gewesen. Ihr Gatte entdeckte später auf einem Spaziergang das Unfassbare. „Er kam ganz aufgeregt zu mir auf Arbeit und sagte: ,Setz dich erst mal.‘ Ist was mit den Kindern, dachte ich schon. Er sagte: ,Stell dir vor, ich war am Grab, ist nichts mehr da!‘“, schildert Brigitte Rexin die Schocknachricht. Auch einen Monat später wühlt es sie auf, wenn sie darüber spricht: „Für mich ist das eine Grabschändung.“

Die Friedhofsverwaltung bot ihr im Schreiben an, dass die Kosten von 224 Euro für die Einebnung in ihrem Fall erlassen würden. Zudem bekomme sie anteilig das Grabverlängerungsgeld zurück. „Das waren um die 600 D-Mark. Und was ist mit dem Grabstein, der Grabumrandung aus schwarzem Granit? Das hat mal um die 6000 Mark gekostet“, so die Brüelerin. Doch ums Geld geht es ihr in erster Linie nicht. Die letzte Ruhestätte ihres Onkels, der im persönlichen Brief seine Alleinerbin bat, „die Grabstelle zu pflegen und immer schön sauber zu halten“, ist unwiederbringlich weg.

Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt, zugleich Chef des Amtes Sternberger Seenlandschaft, kannte den Fall bis gestern nicht: „Das Ganze bedauere ich sehr. Ich werde sofort im Hause prüfen lassen, wie damals die Übergabe erfolgt ist und wo Datenverluste aufgetreten sind.“ Fest steht, in Brüel wurde seinerzeit noch alles per Hand erfasst, eine Friedhofssoftware wie in Sternberg gab es nicht…
 

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