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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

13. Dezember 2017 | 16:10 Uhr

Sternberg : „Und ich ess die ganz allein!“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

21. Auflage des Angeltages für Menschen mit Behinderung aus der Werkstatt am Rachower Moor mit dem ASV „Sternberger See“.

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2015 | 07:12 Uhr

„Heute ist ein schöner Tag“, strahlt Maik und lässt seine Angel nicht aus den Augen. „Warum?“ „Na, warum wohl. Weil das Spaß macht und wir nicht arbeiten brauchen!“, setzt er bestimmt hinzu. Maik ist 40 Jahre alt und als Landschaftspfleger in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung am Rachower Moor in Sternberg tätig. Er gehört zu den etwa 80 Menschen mit Behinderung und ihren Betreuern, die jetzt zum 21. Mal ihren Angeltag auf dem Gelände des Angelsportvereins „Sternberger See“ verlebten.

„Das Angeln macht Spaß, Maiki?“ Der junge Mann nickt, die Angel weiter im Blick. „Und haben Sie denn schon einen Fisch gefangen?“ „Nein..“ – für einen Moment drückt sein Gesicht Traurigkeit aus. Plötzlich schreit jemand ganz aufgeregt. Ein freudiges Schreien, immer wieder. Mario, Verpackungsarbeiter in der Werkstatt, zieht einen Fisch aus dem Wasser und ist überschwänglich in seiner Freude. Mario ist Taubstumm. Aber hier, mit dem Angelglück vor seiner Nase, hat er sich klar und deutlich ausgedrückt und jeder versteht ihn. Und nicht nur das, es freuen sich auch alle mit ihm.

„Vor 21 Jahren, also 1994, haben wir zum ersten Mal die Menschen mit Behinderung aus der Sternberger Werkstatt zum Angeln eingeladen. Das erste Mal und noch weitere vier oder fünf Mal fand dieser Angeltag am Wehr der Mildenitz statt“, erinnerte sich Udo Miller, der damalige Vorsitzende des Angelvereins. „Aber dort waren die Angler sehr stark der Witterung ausgesetzt. Manchmal mussten die Teilnehmer im Wasser rumwaten. Auch die Sicherheit war nicht so gewährleistet. Auf unserem Vereinsgelände hier am Sternberger See ist nun alles besser.“ Udo Miller hat inzwischen seinen Vereinsvorsitz an Armin Butz abgegeben, ist aber weiter Mitglied im Verein und Vorsitzender des Regionalverbandes, der sich auch um die Organisation des Angeltages kümmert. Allerdings wünschte sich der Regionalverbandsvorsitzende, dass sich mehr Angelvereine der Region unterstützend an diesem Tag beteiligen.

„Nun, unser Verein stellt die Helfer, denn unsere Angelgäste dürfen nur zusammen mit einem Angelfreund angeln, der im Besitz eines Fischereischeins ist“, erklärt Armin Butz. „Deshalb stehen neben den angelnden Menschen mit Behinderung immer Mitglieder unseres Vereins, auch schon aus Sicherheitsgründen. Und daraus sind über die Jahre schon Freundschaften entstanden.“

Kerstin Schneppmüller vom Sozialen Dienst in der Sternberger Werkstatt, die zum Diakoniewerk Dobbertin gehört, ist glücklich über diese lange Tradition dieses Angeltages. „Unsere Menschen mit Behinderung freuen sich immer sehr auf diesen Ausflug“, weiß sie und ergänzt: „Wer nicht angeln will, kann auf unserer Kegelbahn, die wir jedes Jahr mitbringen, kegeln, oder er kann trockenangeln (eine Möglichkeit vom Angelverein gestellt) oder sie können gemütlich sitzen und zuschauen oder malen, Karten spielen, eben Dinge tun, die außerhalb ihrer Arbeit liegen und ihnen Spaß machen.“

Dazu kommt jedes Jahr Sternbergs Fischer Jörg Rettig und bietet kostenlose Bootsrundfahrten an, die auch gern angenommen werden. Er stellte sogar einen Ponton, damit die beiden Stege miteinander verbunden werden können, um noch Angelstehfläche zu haben. Gegen Mittag wird dann noch gemütlich gegrillt und beim Essen die Fangergebnisse ausgewertet.

Und unser Maiki, hat er denn nun auch einen Fisch geangelt? „Rotaugen“, strahlt er. „Was machen Sie damit?“ „Braten!“ Und jemand ergänzt: „Sein Opa wird ihm die Fische braten.“ „Und ich ess die ganz allein!“  



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