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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Oktober 2017 | 06:00 Uhr

Ruchow : Und das soll ein Dorfteich sein?!

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Im Ruchower Tümpel ist alles drin – außer Wasser. Der Schandfleck soll im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen für den Straßenbau verschwinden.

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Die Suche nach dem Ruchower Dorfteich, der in diesem Jahr renaturiert werden soll, erweist sich als gar nicht so einfach. Selbst Ortsansässige, die von der Maßnahme gehört haben, wussten nicht so genau, wo sich das Objekt nun befinden soll. Erst im dritten Anlauf klappte es: „Fahren Sie in Richtung der alten Windmühle und dann linker Hand liegt er. Aber ein Dorfteich ist das nicht, eher eine Kuhle, in der allerlei Unrat noch aus Ostzeiten liegt.“

Einen Teich stellt man sich in der Tat anders vor. Auseinander gebrochene windschiefe Weiden sowie Gestrüpp, wohin das Auge reicht. Dazu Gerümpel über Gerümpel – eine alte Milchkanne ist ebenso zu erblicken wie Fensterglas oder der Rest eines hölzernen Briefkastens mit der noch gut lesbaren Aufschrift „Post aus aller Welt“. Man findet hier fast alles – außer Wasser. „So ist das“, sagt Mustins Bürgermeister Berthold Löbel und muss schmunzeln. „Darum machen wir es ja. Der Tümpel soll in einen Dorfteich verwandelt werden.“

Was die „Fundstücke“ betrifft, so vermutet Löbel hier noch ganz andere verborgene „Schätze“: „Es ist durchaus denkbar, dass da auch größere Metallsachen sogar noch von den Einzelbauern zum Vorschein kommen.“ Es dürfte also spannend werden, wenn der Dorfteich-Tümpel wie geplant entschlammt und entrümpelt wird. Erst einmal sollen jedoch die zerzausten, weil ungepflegten Weiden gestutzt werden. Aus Umweltschutzgründen muss das allerdings bis zum 18. März über die Bühne gehen.

Die Verwandlung des zur Müllkippe verkommenen Ohne-Wasser-Lochs in einen Dorfteich – der dann seinen Namen auch verdient – sowie die Pflanzung von 30 Bäumen samt Anlegen von Feldhecken sind laut Simone Krey vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (Stalu) „Ausgleichsmaßnahmen für den Straßenbau“ in der Kommune. Das Ganze hat einen Umfang von 60 000 Euro.

2013 war die 1,6 Kilometer lange Straße von Ruchow nach Lenzen fertiggestellt worden (SVZ berichtete). Sie wurde verbreitert und erhielt ferner auch einen neuen Unterbau. Somit verfüge auch der letzte Ortsteil der Gemeinde über eine vernünftige Straßenanbindung, verkündete Berthold Löbel bei der offiziellen Übergabe im vergangenen Sommer. In diesem Jahr nun wird der ungefähr ein Kilometer lange bisherige Feldweg von Bolz nach Lenzen in Angriff genommen. Dieser soll eine Betonspurbahn bekommen.

Aktuell erhalten Kommunen im Rahmen der Flurneuordnung von der Europäischen Union sowie vom Land Mecklenburg-Vorpommern eine Förderung in Höhe von 65 Prozent der Kosten für den ländlichen Wegebau. Zudem gibt es noch zusätzliche finanzielle Mittel vom Land im Rahmen der so genannten Co-Finanzierung, damit finanziell klamme Kommunen solche Maßnahmen überhaupt stemmen können. Und auch Mustins Kapitaldecke ist eng.

Die Ausgleichsmaßnahmen u.a. im Ruchower Dorfteich-Fall finanziert die Gemeinde Mustin laut Bürgermeister Löbel erneut über „Mittel aus dem Flurneuordnungs-Programm plus Co-Finanzierung durchs Land“. Die Ausschreibung für die Renaturierung des Ruchower Dorfteichs laufe seit einer Woche, die Eröffnung der Angebote erfolgt am 4. März.

 

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