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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. August 2017 | 15:39 Uhr

Sternberg : Umweg zum Traumberuf Polizistin

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Kathrin Mach wurde vor knapp einem Vierteljahr stellvertretende Revierleiterin in Sternberg und hat sich hier gut eingelebt.

Ihre erste Amtshandlung in Sternberg war, den Chef zum Arzt zu schicken. Genau am 4. November vorigen Jahres trat Kathrin Mach ihren Dienst im Polizeirevier an. Dessen Leiter Wolfgang Klein hatte sich schon zwei Wochen „böse gequält“, wie er selbst sagt, „um das Revier nicht allein zu lassen“. Die neue Kollegin, als Stellvertreterin gekommen, sah ihm auf den ersten Blick an, „dass das nichts bringt“. Wie recht sie hatte! Die Krankschreibung zog sich zehn Wochen hin, für die Neue im Revier beinahe wie ein Sprung ins kalte Wasser. Denn ihr Dienstposten als Sachbearbeiterin Einsatz, so die amtliche Bezeichnung, bedeutet seit der Polizeistrukturreform 2011 gleichzeitig stellvertretende Revierleiterin.

Sie wäre eigentlich nie zur Polizei gegangen, gesteht Kathrin Mach. Nach dem Abitur machte sie ein praktisches Jahr in der Landwirtschaft – als Voraussetzung für ein Studium zur Agraringenieurin in Güstrow-Bockhorst. Dort begegnete ihr der Mann fürs Leben. So führte die Liebe die junge Frau, die aus Prenzlau stammt, das heute zum Land Brandenburg gehört, nach Plau am See, nach Zwischenstation in Waren/Müritz. An der Fachschule lagen zahlreiche Angebote für die künftigen Agraringenieure aus, vor allem von Betrieben im Westen als Bereichs- oder gar Betriebsleiter, erzählt Mach. „Das war schon verlockend.“ Ein bisschen habe sie damit geliebäugelt, nach dem Studium die Sachen zu packen. „Mit einem Kind wäre das allerdings schwierig geworden. 1992 ist unsere Tochter geboren“, so Mach. Drei Jahre später brachte sie übrigens einen Sohn zur Welt.


Es wurden Bewerber für eine Umweltpolizei gesucht


Wie eine glückliche Fügung sei zu der Zeit, kurz nach der Wende, auch für eine Umweltpolizei in Mecklenburg-Vorpommern geworben worden. Das passt mit Landwirtschaft zusammen, habe sie gedacht und sich gemeldet. Die Umweltpolizei gäbe es bis heute nicht, sagt die 44-Jährige schmunzelnd, doch sie habe auf diese Weise ihren Traumberuf gefunden, wenn auch über einen Umweg. Die Einstiegsausbildung für den mittleren Dienst ab 1992 bei der Bereitschaftspolizei in Waldeck sei seinerzeit auf anderthalb Jahre verkürzt gewesen, weil dringend Polizisten gebraucht wurden, erklärt Kathrin Mach. Später absolvierte sie ein Studium über zweieinhalb Jahre an der Fachhochschule Güstrow für den gehobenen Dienst. Ab 1994 versah die junge Frau ihren Dienst im Polizeirevier Plau am See, immer nahe am Bürger, ob als Streifenbeamtin oder dann Dienstgruppenleiterin. Schutzmann(-frau) allgemein, Ansprechpartner für die Menschen zu sein, das sei der Hauptgrund, dass die Polizeiarbeit ihr als Traumjob ans Herz gewachsen sei.

„Wir sind froh und glücklich, dass wir sie haben“, sagt Wolfgang Klein, der über Kriminalpolizei, Inspektion Ludwigslust und Einsatzleitstelle Schwerin 2008 als Dienstgruppenleiter nach Sternberg kam, nun aber bald fünf Jahre verantwortlich für das Revier ist. Die Chemie passe, die neue Kollegin erledige die Aufgaben mit dem nötigen Ernst, sei aber auch fröhlich und lache gern. Und Kathrin Mach selbst sagt, sie habe sich in dem knappen Vierteljahr gut eingewöhnt und fühle sich wohl. Wen wundert’s, sie wollte gern nach Sternberg und freut sich, dass es geklappt hat. Ihr Vorgänger Dieter Krasemann ist gewissermaßen im Tausch nach Plau am See gewechselt und damit seinem Wohnort ein ganzes Stück näher. „Ich finde, es ist optimal gelaufen. Manchmal gehört auch Glück dazu. Es lässt sich nicht immer so einrichten“, so die Polizeihauptkommissarin.

Sie wisse, dass in Sternberg, Brüel und den Dörfern ein gutes Verhältnis aufgebaut worden sei. Diese Kontakte würden mit dem neuen Amt, das aus der Fusion von Crivitz, Banzkow und Ostufer Schweriner See hervorgehen soll, weiter gepflegt. Die Zuständigkeit des Sternberger Reviers erstreckt sich bis zur Paulsdammbrücke an der „Seewarte“ vor Schwerin, an die Kreisgrenze hinter Blankenberg, bis Dinnies und kurz vor Zölkow sowie bis Goldenstädt am südlichen Rand der Lewitz. Alles in allem seien das um die 840 Quadratkilometer, auf denen etwa 39 000 Einwohner leben. Vier Dienstgruppen sind hier im Schichtsystem rund um die Uhr im Einsatz.

Kathrin Mach war klar, dass sie jetzt weniger operativ arbeiten werde und stattdessen mehr am Schreibtisch – aber nicht nur. Außerdem gehöre sie der Einsatzgruppe an. Jedes Revier stelle eine, um Hundertschaften zu bilden, die vor allem bei heiklen Großveranstaltungen zur Stelle seien und die Bereitschaftspolizei unterstützten, ob G8-Gipfel, Castor-Transport oder ein Heimspiel von Hansa Rostock mit besonderer Sicherheitsstufe. Es sei schon traurig, dass dort so viele Leute nötig seien, um wenige Chaoten von der Masse der Zuschauer, die einfach nur Fußball sehen wollen, fern zu halten bzw. Letztere zu schützen, sind sich Klein und Mach einig. „Gerade, wenn am Wochenende bei uns Mann und Maus gebraucht werden“, so der Revierleiter. Leider hätten Aggressivität sowie Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten merklich zugenommen. Was Letzteres betrifft, werde keinerlei Unterschied gemacht, ob Mann oder Frau die Uniform trägt, hat Kathrin Mach festgestellt. Da könne sich schon mal ein mulmiges Gefühl einstellen. Dennoch habe sie ihre Entscheidung, Polizistin zu werden, nie bereut.

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von
erstellt am 22.Jan.2014 | 16:58 Uhr

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