Kloster Tempzin : Umleitung für den Brüeler Bach

Schäumend passiert das Wasser das sanierungsbedürftige Wehr an der Tempziner Brücke. Ein neues Bauwerk einige Meter versetzt soll Gefälle und Fließgeschwindigkeit des Mühlenbachs an dieser Stelle verringern und somit Fischen den Aufstieg erleichtern.  Fotos: Rüdiger Rump
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Schäumend passiert das Wasser das sanierungsbedürftige Wehr an der Tempziner Brücke. Ein neues Bauwerk einige Meter versetzt soll Gefälle und Fließgeschwindigkeit des Mühlenbachs an dieser Stelle verringern und somit Fischen den Aufstieg erleichtern. Fotos: Rüdiger Rump

Das marode Wehr bei Tempzin wird einige Meter daneben von einem Durchlass mit Fischaufstieg ersetzt. Der Baubeginn hat sich wegen fehlender Teile verzögert.

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20. November 2017, 05:00 Uhr

Er fließt von See zu See, angefangen bei Neukloster bis in die Nähe Weitendorfs, wo ihn die Warnow aufnimmt; er hat auf diesem Weg mehrere Namen: Hopfen- und Teppnitzbach, Mühlengraben, Tönnies- und Mühlenbach. Wasserwirtschaftlich ist es der Brüeler Bach, sagt Andrea Oleak, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Obere Warnow mit Sitz in Warin-Waldeck. Und diese Bezeichnung steht folglich auch in den Unterlagen zu dem Bauvorhaben bei Tempzin, das nach wochenlanger Verzögerung endlich Ende dieses Monats beginnen soll.

Die Brücke samt marodem Wehr und Aalfang wird abgerissen, der Bachlauf ein kleines Stück verlegt und durch einen mehr als sechs Meter breiten Durchlass geführt. Auf diese Weise sollen das enorme Gefälle und die daraus resultierende Fließgeschwindigkeit des Wassers an dieser Stelle spürbar verringert werden, damit dann für die Fische der Aufstieg bis zum Neuklostersee zu schaffen ist. Von Aal, Aland und Äsche über Bachforelle und Bachneunauge bis zu Döbel, Schlei und Steinbeißer tummelt sich einiges in dem Gewässer, weiß Oleak von Erhebungen, die bei Warin vorgenommen wurden.

Ursprünglich sei angedacht gewesen, das Bauwerk aus den 1970er-Jahren zu sanieren. Doch laut Gutachter hätten Risse an den Flügelmauern und notwendige Arbeiten an der Sohle, um von dem starken Gefälle wegzukommen, einen immensen Aufwand bedeutet. „Die Sanierung wäre teurer geworden als der jetzt geplante Neubau. Und wir hätten weiterhin eine alte Brücke“, erklärt die Geschäftsführerin des zuständigen Verbandes. Angesichts des „sehr schlechten Untergrunds müssten massive Injektionen in die Sohle vorgenommen werden, um sie anzuheben“, so Oleak.

Die Arbeiten sollten längst im Gange sein, Bauanlaufberatung mit der Goldberger Tief- und Wasserbau GmbH, die den Auftrag erhalten hatte, war bereits in der zweiten Septemberhälfte. Die Firma musste den Start jedoch verschieben, weil der Hamco-Durchlass bislang nicht geliefert wurde.
Eine eiförmige Konstruktion, über sechs Meter breit und bis 3,65 Meter hoch, die vom Hersteller in Segmenten kommt und vor Ort in offener Bauweise in den Boden gebracht wird, wie Oleak erläutert. In der zweiten Monatshälfte sollen die nun eintreffen, nächste Bauberatung sei entsprechend Ende November. Für die Bauzeit bis Ende April müsse der Landweg zwischen Tempzin und Warin voll gesperrt werden, kündigt Oleak an.

Sie hoffe, dass der Termin trotz des Zeitverzugs noch eingehalten werde. Sicher hänge das gerade im Winter stark vom Wetter ab. Leichter Frost sei „gar nicht schlecht“, weil die Technik dadurch mehr Standsicherheit bekomme. Zu tief dürfe der Frost natürlich nicht gehen, dann könnte sich eine Unterbrechung notwendig machen.

An der kleinen Umleitung des Baches entstehe in einem Zuge eine neue, besser zugängliche Löschwasserentnahmestelle für die Feuerwehr. Es werde bis unter die Gewässersohle ein Schacht eingebaut. Von einem Korb, der verhindere, dass Sand angesaugt wird, führe eine Rohrleitung bis zum Ufer.

Die geplanten Gesamtkosten würden 605 000 Euro umfassen, die für den Bau sogar unter dem Betrag liegen, der ursprünglich berechnet worden sei. Aber noch sei nicht begonnen worden, dämpft Oleak zu große Erwartungen, im Bauverlauf könnten Überraschungen auftreten, die möglicherweise unerwarteten Aufwand bedeuteten.

Die Gesamtsumme werde mit 90 Prozent durch EU, Bund und Land über das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums (Eler II)
gefördert. Ihren Eigenanteil hat die Gemeinde Kloster Tempzin in den Haushalt eingestellt, die Finanzierung ist abgesichert, bestätigt Bürgermeister Alfred Nuklies auf SVZ-Nachfrage. „Wir haben wie bei der Erneuerung der Straße Sonderbedarfsmittel in Schwerin beantragt, die auch genehmigt wurden und den Eigenanteil noch einmal deutlich reduzieren. Dadurch kommen wir mit einem relativ blauen Auge davon, und es tut nicht ganz so weh“, ist der Bürgermeister erleichtert. Und das Vorhaben sei „für die Allgemeinheit wichtig“, wenn sich die Fischbestände positiv entwickeln. Welche Auswirkungen das neue Bauwerk darauf tatsächlich habe, müsse sich allerdings erst zeigen.

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