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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. Oktober 2017 | 13:02 Uhr

Flüchtlinge in Warin : Überrumpelt an einem Freitag

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

In Waldeck trafen statt sechs angekündigter Asylbewerber auf einmal 28 ein. Die Wariner Stadtvertretung fordert eine Neueinstellung im Amt.

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Ob es stimmt, dass in Waldeck inzwischen 200 Asylbewerber untergebracht sind, wollte ein junger Mann aus Klein Labenz in der Stadtvertretersitzung am Donnerstagabend wissen. So werde jedenfalls erzählt. Es seien nie mehr als 48 bis 50 gewesen, antwortete Bürgermeister Michael Ankermann. Auf die Person genau lasse sich das nicht sagen, da es ständig Wechsel gebe, Asylbewerber in die Heimat zurückkehren und dafür andere nach Waldeck kommen. Oder wer den Aufenthaltsstatus erhalte, müsse dort ausziehen. Dadurch verändere sich die Zahl fast täglich.

An einem Freitag wurden alle vor Ort förmlich überrumpelt, als statt sechs Asylbewerber, wie angekündigt, auf einmal 28 mit dem Bus eintrafen. Nach seiner Kenntnis hielten sich derzeit 38 Asylbewerber in Waldeck auf, so Ankermann.


Antrag zur Erfassung von Wohnungsleerstand


Der Zustrom von Flüchtlingen beschäftigte die Wariner Stadtvertreter gleich mehrmals. Die Fraktion Die Linke hatte den Antrag gestellt, die Verwaltung zu beauftragen, leer stehende Wohnungen nach Lage, Größe und Ausstattung zu erfassen mit dem Ziel, sie an Asylbewerber zu vermieten. Die am Fritz-Reuter-Platz ließen sich ohne viel Aufwand herrichten, sagte Fraktionsvorsitzender Andreas Spriewald. Das sei eine Chance, die Mieteinnahmen zu erhöhen, die Altersstruktur in der Stadt zu verbessern, bei steigender Einwohnerzahl mehr Schlüsselzuweisungen zu erhalten, gesuchte Fachkräfte zu gewinnen sowie für eine kulturelle Bereicherung, argumentierte Spriewald. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien es eine Million Flüchtlinge gewesen. „Das
waren aber Deutsche mit der gleichen Sprache und Kultur“, wurde in den Besucherreihen getuschelt.


Kürzerer Weg über die Stewo


Die Stadt verfüge nur über zwei Wohnungen, und in einer davon ist die Musikschule, hielt Hans-Peter Gossel (Für Warin) entgegen. Die am Fritz-Reuter-Platz gehörten zwei großen Wohnungsgesellschaften. An diese gingen höhere Mieteinnahmen, nicht an die Stadt. Ein sinkender Altersdurchschnitt könne sein, gute Ausbildung etwa der syrischen Flüchtlinge nach vier Jahren Krieg zweifle er dagegen an, sagte Gossel und nannte dann eine Vielzahl von Nationalitäten, Völkergruppen u. a. , deren Integration er sich äußerst schwierig vorstelle. Es stehe eher die Frage, wie der Wariner Flüchtlingshilfeverein, der ehrenamtlich eine engagierte Arbeit leiste, unterstützt werden könne. Was leer stehende Wohnungen betrifft, so Gossel weiter, sollte Spriewald bei der Stewo tätig werden. In dem Punkt stimmte Sabine Wundrak-Geritz (CDU) zu: Das sei der kürzere Weg statt über die Verwaltung. Wohnungen in der Stadt anzubieten anstelle in der ehemaligen Kaserne in Waldeck, das sei doch „ein großer Unterschied“ und eine Chance für die Flüchtlinge, sprang Björn Griese seinem Fraktionskollegen bei.

Vor der Abstimmung fand der Bürgermeister deutliche Worte, sprach von einem „Schaufensterantrag, den man nur ablehnen kann“. Die Stadt dürfe auch als Mitgesellschafter nicht in eine GmbH hinein dirigieren. Zudem sei die Stewo nicht untätig gewesen, habe bereits zweimal den Bestand erfasst und dem Landkreis gemeldet.


Bei Aufenthaltsstatus ganz andere Dinge


Die Stadt müsse sich auf ganz anderes einstellen. Wenn ein Asylbewerber den Aufenthaltsstatus habe und in Waldeck ausziehe, gebe es für ihn drei Möglichkeiten: Er schläft unter einer Brücke, kümmert sich selbst um eine Wohnung oder wendet sich an das Ordnungsamt, das dann tätig werden müsse. Geld für die Miete und um die Wohnung einzurichten, besitze er aber nicht. Auch hier stehe die Kommune in der Verantwortung. Genauso brauchten jene, die hier dauerhaft wohnen, aber aus einer ganz anderen Kultur kommen, unterschiedliche Hilfe im Alltag, teils „bei banalen Sachen wie Mülltrennung, was wir in 20 Jahren gelernt haben“, sagte Ankermann. Da gebe es viele Kleinigkeiten. Mit klarer Mehrheit wurde der Antrag der Linken abgelehnt.

Zum Abschluss wurde ein Antrag der CDU-Fraktion beraten, der nachträglich auf die Tagesordnung gekommen war, „als Eilantrag, weil noch, wenn er angenommen wird, Geld in den Amtshaushalt eingestellt werden muss“, begründete Sabine Wundrak-Geritz. Darin wird das Amt aufgefordert, befristet einen Mitarbeiter zur Koordinierung der Flüchtlingsarbeit einzustellen, um bei Zuweisungen schnell und unbürokratisch handeln zu können, „der auch mal am Sonnabend herausgeklingelt werden kann, wenn es notwendig ist“, so Wundrak-Geritz. Die Situation an dem Freitagnachmittag mit dem Eintreffen von 28 statt sechs Asylbewerbern, als in den Behörden Feierabend war, sei nur „dank großartiger Hilfe der Bewohner“ bewältigt worden. Vieles werde ehrenamtlich gemacht, doch das sei kein Zustand, diese Leute dürften nicht allein gelassen werden.

Aus der Diskussion ging hervor, dass ebenso der Landkreis Nordwestmecklenburg sein Personal für Flüchtlinge erweitern müsste. Der so geänderte Antrag fand die volle Zustimmung.

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