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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. September 2017 | 01:02 Uhr

Schloss Neuhof : Überraschungen in den Wänden

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Brief aus 19. Jahrhundert in zugemauerter Nische und Schränke hinter Tapeten. Sanierung von Schloss Neuhof von Veranstaltungen begleitet

von
erstellt am 29.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Von außen hat sich bislang kaum was verändert, im Gebäude aber schon. Von den 47 Räumen sind 14 wieder hergerichtet, zum Beispiel drei der vier im Gewölbe oder die Galerie am Haupteingang, die schon für mehrere Ausstellungen genutzt worden ist.

Familie Pils aus Oberösterreich, die das arg heruntergekommene Herrenhaus in Neuhof, Gemeinde Bibow, im Oktober 2012 gekauft hat und seit Dezember 2014 mit Tochter und Sohn darin wohnt, bleibt sich treu, saniert es schrittweise nach historischem Vorbild, ohne sich zu übernehmen, bringt aber umso mehr eigene Arbeit ein.


Auf Rotkalk Lehmfarbe mit Steinpigmenten


Fast fertig sei der 15. Raum im Osttrakt, sagt Herbert Pils. Die Wände seien wie früher mit Rotkalk verputzt. Der brauche Zeit zum Trocknen, das sei „keine schnell anziehende Masse“. Ende des Sommers sollte es soweit sein, dass der Fußboden gemacht und gemalert werden könne. Letzteres natürlich mit Lehmfarbe, die echte Steinpigmente enthalte, „wie original im Barock“, so Pils. Diese Farbe stelle die Firma Kremer im Allgäu her, Weltmarktführer im Bereich der Pigmente für Denkmalpflege, Restaurierung und anspruchsvolle Malerei.

Im Winter soll der Theatersaal mit Kleinbühne folgen und ab Sommer 2018 für Aufführungen unterschiedlichster Art bespielbar sein. Zu DDR-Zeiten Gemeinde- und Festsaal, sei viel Leben darin gewesen, hätten alteingesessene Neuhofer erzählt. In dem riesigen Raum sehe es „schlimmer aus als es ist“, sagt Herbert Pils entspannt. Drei Balken seien kaputt, müssten in der Mitte erneuert werden. „Dafür haben wir einen guten Zimmermann.“ Er baue auch auf tatkräftige Hilfe vom Verein Initiative Schloss Neuhoff. Der zähle mit der Reitsektion zur Zeit 15 Mitglieder. Tochter Nile Pils führe ein hochklassiges Training durch, das sich bei moderaten Preisen jeder leisten könne. Durch die Jugendförderung im Reiten sei der Verein auch Mitglied im Landessportbund.

Das Café soll noch in diesem Jahr öffnen, die Einrichtung eines Dorfladens in dem ehrwürdigen Gemäuer, das schon den Konsum gekannt hat, forciert werden. Von Rückschlägen, wie sie bei der Sanierung alter Bausubstanz häufig vorkommen, seien sie bisher zum Glück verschont geblieben, freuen sich die Besitzer des Hauses. Überraschungen habe es aber gegeben. In einem zugemauerten Lichtschacht, der früher für den Mittelgang gedacht war, fand sich das Fragment eines Briefes aus dem 19. Jahrhundert an einen Herrn Bülow. Mehr sei nicht zu entziffern, bedauert Susanne Pils-Bochdansky. Spezialisten müssten sich damit befassen. „Ich wüsste gern, was drin steht, die Neugier plagt richtig.“ Vielleicht ließe sich daraus schließen, wie die Leute sich damals unterhalten, wie sie gelebt, welche Probleme sie gehabt haben. Die Ausdrucksweise werde heute sicher als eigenartig empfunden, „aber es macht Spaß, das zu lesen“, wie die Liebesbriefe ihrer Großmutter, die sich nach deren Tod auf dem Dachboden angefunden hätten.

Im gleichen Raum wie der Brief kamen hinter mehreren Schichten aus Tapete Wandschränke zum Vorschein. An dem Herrenhaus müsse seit seiner ersten Erwähnung 1235 viel experimentiert worden sein. Jeder Besitzer habe offenbar das eingebaut, was ihm gefallen habe, so dass sich das Haus schwer einer Stilepoche zuordnen lasse. Es müsse wohl auch reichlich getrunken worden sein, wie die Vielzahl alter, mundgeblasener Champagnerflaschen mit dem typischen dicken Boden vermuten lasse. Leider sei nicht eine ungeöffnet gewesen.

Den Tag des offenen Denkmals im September stelle die Initiative Schloss Neuhoff unter das Motto „Macht und Pracht“. Mit Letzterer könnten sie nicht aufwarten, wohl aber die Macht des Wissens demonstrieren. Am 19. Januar 1740 habe Adolph von Bassewitz seine gesamte Bibliothek dem Land vermacht und nach Rostock bringen lassen. Um die Zeit sei noch Neuhoff geschrieben worden, erst ab 1819 nur ein „f“. Neuhof habe das Gut geheißen, der Ort Johanneslust, so Pils-Bochdansky. Ob das von Rittmeister Barthold Johann von Bassewitz herrühre, sei Spekulation.


Zum Welt-Nashorn-Tag im Schweriner Zoo


Am 22. September präsentiere sich der Verein aus Neuhof zum Welt-Nashorn-Tag im Schweriner Zoo. Damit werde der eingeschlagene Weg fortgesetzt, dass bereits während der Sanierung Veranstaltungen stattfinden. Die Initiative Schloss Neuhoff steige gern mit Rat und Tat in kulturelle Netzwerke ein. Denn die funktionierten nur „im Miteinander ohne Neid und Konkurrenzdenken, sonst fristet jedes Projekt ein Schattendasein“, sagt Herbert Pils. So kam der Kunst- und Kulturrat Nordwestmecklenburg nach Neuhof. Sie bewundere den Enthusiasmus, sagt Sprecherin Miro Zahra von Schloss Plüschow. Dort sei es genauso gewesen, „wir haben saniert und gleichzeitig Veranstaltungen durchgeführt“. Für beides wünsche sie in Neuhof noch viele Ideen und Erfolg.

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