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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 04:12 Uhr

Brüel : Überall nur Gift-Champignons

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Am Fundort in Brüel standen Pilze gesellig in Gruppen, aneinandergereiht, auch büschelig wachsend oder im Halbkreis

von
erstellt am 23.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Sobald sich ein Pilz durch Bildung eines Myzels, also einer Pilzwurzel, angesiedelt hat, braucht er Nährstoffe zum Leben und Wachsen. Und er braucht Feuchtigkeit und Wärme, damit die Fruchtkörper sprießen. Eine Champignonart fand den Regen in den letzten Tagen und die angenehme Wärme besonders gut. Der Karbol-Champignon, auch Gift-Egerling (Agaricus xanthoderma) genannt, schießt gegenwärtig kräftig aus dem Boden.

Der Pilz besitzt einen kalkweißen bis cremeweißen Hut, auch mit schmutzig erdgrauer Tönung. Er ist jung halbkugelig und oft abgeflacht, so dass er im Querschnitt fast trapezförmig erscheint. Sein Durchmesser beträgt in der Regel vier bis zwölf Zentimeter, teilweise auch bis 15 Zentimeter. Die Lamellen unter dem Hut sind schnell rosa „aufblühend“, schließlich braun dann beinahe schwarz. Der Stiel ist weiß und schlank, besitzt eine verdickte Basis. Reibt man an dieser oder schneidet diese an verfärbt sich das Fleisch dort chrom-gelb. Hält man die Nase an die geriebene Stelle kann der Geruch nach Karbol (Desinfektionsmittel) oder Tinte wahrgenommen werden. Der Karbolgeruch kann aber auch schwach ausgeprägt sein. Der Giftpilz ruft zwei bis vier Stunden nach Verzehr Übelkeit, Erbrechen und heftige Magen-Darm-Beschwerden hervor. Letzte Möglichkeit zur Vermeidung einer Vergiftung ist der lästige phenolartige Geruch aus dem Kochtopf, einfach widerlich!

Der Karbol-Champignon kommt in Nordamerika, Europa, Nordafrika, Asien und Australien vor. Der Pilz hat sich in den vergangenen zehn Jahren, zumindest in Nord-deutschland, sehr ausgebreitet.

Der Karbol-Egerling kann vor allem mit dem essbaren Schaf-Champignon (Agaricus arvensis), auch als Anis-Champignon bezeichnet, verwechselt werden. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist zunächst der Geruch. Der Schaf-Champignon riecht angenehm nach Mandel oder Anis, kann aber unterschiedlich ausgeprägt sein bzw. wird auch vom Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Das zweite wesentliche Merkmal: Die Stielbasis verfärbt sich nach dem Ankratzen nicht chromgelb.

Pilzfreunde aus Weitendorf, Brüel und Warin wurden aufmerksam auf das verstärkte Wachstum des oben genannten Pilzes und legten dem Wariner Pilzberater Werner Voß gefundene Exemplare zur Bestimmung vor. Die Enttäuschung war bei allen Ratsuchenden groß bei der Vielzahl gewachsener Pilze.

Den Brüeler Fundort hatte er sich etwas näher angeschaut, da die Sammlerin von vielen Pilzen an mehreren Stellen auf einem Grundstück sprach. Was Werner Voß dann Am Mühlenberg sehen konnte, verschlug ihm einfach die Sprache. Unter Ahorn und Fichte wuchsen auf nacktem Erdboden oder im Gras massenhaft Karbol-Egerlinge. Einhundert, zweihundert oder mehr? Sie wurden gezählt. Eine Unmenge. An mehreren Stellen gab es nur ein weißes/grauweißes Meer von Gift-Champignons. Pilze in jeder Entwicklungsstufe: gerade aus dem Erdboden geschoben, junge Pilze noch geschlossen, Exemplare mit schön rosa leuchtenden, mit braunen bis schokoladenbraunen sowie fast schwarzen Lamellen. Die Pilze standen gesellig in Gruppen, aneinandergereiht, auch büschelig wachsend oder im Halbkreis, an einen Hexenring erinnernd. Nur ganz wenige standen einzeln. In seiner 36-jährigen Pilzberatertätigkeit hat der Wariner solch eine Menge an Pilzen einer Art an einem Standort noch nicht gesehen. Natürlich wurden Standortfotos gefertigt.


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