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Sternberg : Über rechtsradikale Musikszene mit Filmemacher diskutiert

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Jugendliche und Erwachsene sahen „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“.

Die rechtsextreme Partymeile ist ein Schocker. Diese Erfahrung haben zumindest viele Jugendliche aus Sternberg, Brüel, Goldberg und Crivitz jetzt gemacht. Fast 400 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 11 sahen in der Vorwoche – wie tags zuvor schon knapp 100 Erwachsene – den Film „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ des Journalisten Thomas Kuban. Er hat mit versteckter Kamera die Rechtsrock-Szene ins Visier genommen, daraus mit Regisseur Peter Ohlendorf einen Film gemacht und bei der 62. Berlinale 2012 den zweiten Platz beim Alternativen Medienpreis gewonnen. Gutes Kino also?

„Es ist ein irre beeindruckendes Engagement, in diese Szene zu gehen. So etwas sollte man öfter sehen können, weil Einblicke ins Innere rechtsradikaler Gruppierungen anders gar nicht möglich sind“, sagte Johanna nach der Aufführung. Schulfreundin Sophie lobte das Angebot der Schule, diesen Film sehen zu können. „Jetzt muss sich jeder selbst ein Bild machen und angesprochen fühlen“, sagt sie. „Ich finde, der Film ist eine gute Initiative, Jugendliche zu erreichen. Warum? Weil stupide Vorträge nichts bringen. Echte Einblicke, auch mit dramatischen Bildern, machen einem bewusst, was da ab geht. Und wieso Nazis das machen“, äußert Elora nach der Vorstellung.

Organisiert wurde die Veranstaltung von den Stadtvertretern Kathrin Haese, Pascal Winkler, Dirk-Egbert Unger und Torsten Lange sowie dem Landtagsabgeordneten Thomas Schwarz. Fast ein Jahr Vorbereitungszeit wurde investiert, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Und das hat sich gelohnt, schätzt Thomas Schwarz ein. „Wer die NPD im Landtag erlebt, möchte jeden Tag aufs neue Zeichen setzen. Mit diesem Film über die rechtsradikale Musikszene sprechen wir junge Menschen genau da an, wo die Nazis versuchen sie zu erreichen. Nämlich mit ihrer Musik, mit CDs, die sogar auf Schulhöfen die Runde machen. Aus meiner Sicht ist das ein richtiger Weg, sich als junger Mensch mit dem Thema Rechtsextremismus auseinanderzusetzen“, so der Sozialdemokrat.

In der anschließenden Diskussion mit Regisseur Peter Ohlendorf und Kulturminister Mathias Brodkorb, der Termine verschoben hatte, um in Sternberg dabei zu sein, zeigte sich, wie aufmerksam die Jugendlichen zugeschaut hatten. „Es wurden sehr kluge Fragen gestellt, Widersprüche herausgearbeitet und immer wieder Respekt gezollt für den Mut, sich in die Szene zu trauen, um sie anderen zu zeigen“, meint Stadtvertreter und Kreistagsmitglied Pascal Winkler.

„Für unsere Achtklässler war das schon sehr anspruchsvoll. Wir werden die Thematik im Sachkundeunterricht auf jeden Fall nacharbeiten. Vielleicht lässt es sich ja ermöglichen, den Film mittels DVD an viele Schule zu bringen“, regte Gisela Hög, Leiterin der Regionalen Schule Walter Husemann“ aus Goldberg, an.

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