Steinmetz in Sternberg : Über den Tod sprechen wenige

An Grabsteinen gehen wir im Alltag doch lieber vorbei.  Fotos: Viviane Offenwanger
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An Grabsteinen gehen wir im Alltag doch lieber vorbei. Fotos: Viviane Offenwanger

Dieter Bohnhoff, Steinmetz in dritter Generation, über sein Handwerk und die Bestattungskultur in Deutschland.

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12. November 2014, 20:28 Uhr

Dem Tod gehen wir Zeit unseres Lebens lieber aus dem Weg. Aus dem Sterben ein Tabuthema zu machen, ist aber nicht richtig, findet Dieter Bohnhoff aus Sternberg. Der 60-Jährige ist Grabsteinmetz und hat seit seiner Jugend damit zu tun.

Das Geschäft in Sternberg hatte 1919 sein Großvater erworben. Dieter Bohnhoff übernahm es vor 24 Jahren von seinem Vater. Auch die vierte Generation der Steinmetze steht schon bereit, denn sein Sohn wird das Geschäft bald weiterführen.

Berührungsängste mit dem Tod hat Dieter Bohnhoff nicht. „Ich bin damit groß geworden“, sagt er. Die Trauernden lassen ihn meist an ihrer Geschichte teilhaben. „Man darf nicht alles an sich rankommen lassen“, erklärt der Steinmetz. „Das ist wie bei einem Rettungssanitäter, man braucht eine gewisse berufliche Distanz, sonst hält man das nicht durch.“


Begräbnis ist nicht gleich Begräbnis


In der jahrtausendealten Bestattungskultur vollzieht sich bis heute ein großer Wandel, wie der Grabsteinmetz weiß. Längst gibt es vielfältigere Möglichkeiten als eine Erdbestattung auf dem Friedhof: spezielle Gräberfelder, Friedwälder, Seebestattungen oder das Verstreuen der Asche. Hinterbliebene entscheiden sich dafür nicht nur, weil die Grabpflege möglicherweise zur Last werden könnte. „Einer Vielzahl von Angehörigen tut der Schritt zur anonymen Beisetzung im Nachhinein jedoch Leid“, erklärt Dieter Bohnhoff. Ohne Grabstein fehle der Platz zum Trauern. Sie stünden dann vor einer großen Wiese oder mitten in einem Friedwald und wüssten nicht, wohin mit ihrer Trauer. „Der klassische Friedhof ist der einzige Ort, wo es einem keiner übel nimmt, wenn man weint und wo man nicht gestört wird.“ Er sei ein Ort fürs Begräbnis und zugleich Begegnungsstätte, erklärt der 60-Jährige, denn dort treffen Menschen mit gleichen Erfahrungen auf einander, kommen ins Gespräch und können ihr Schicksal zusammen vielleicht leichter ertragen.

Ein weiterer Wandel liegt in den Grabsteinen an sich. „Früher war die Größe des Steins entscheidend“, erinnert er sich. „Damals gab es nicht so große Auswahl an Designs, dafür musste der eigene Stein oftmals größer sein als der des Nachbarn.“ Heute lege man eher Wert auf hochwertige Materialien und leuchtende Farben. Die findet der Steinmetz in Steinen aus der ganzen Welt. Sein Material lässt er über deutsche Händler importieren, beispielsweise aus Australien, Brasilien und Asien.

Jedem ans Herz legen möchte er, sich schon zu Lebzeiten mit dem Tod zu beschäftigen. Sonst müssten die Angehörigen im Falle eines plötzlichen Todes viele Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit fällen und würden dadurch womöglich überfordert. Und wüssten dann vielleicht nicht, was sich der Verstorbene gewünscht hätte. Dabei sollte doch eben dieser bei einer Bestattung im Vordergrund stehen. „Dem Verstorbenen sollte Rechnung getragen werden. Man sollte ihn würdigen“, betont Bohnhoff. Ein Gespräch in angemessener Runde macht solch eine Angelegenheit deutlich einfacher.


Friedhöfe wird es immer geben


„Ein Schock ist es sowieso, wenn jemand stirbt, auch wenn man darauf vorbereitet ist“, gibt der Steinmetz aus eigener Erfahrung zu. Auch er hat seine Eltern zu Grabe tragen müssen. Mit seinem Vater konnte Dieter Bohnhoff allerdings im Vorfeld sprechen. So konnten seine letzten Wünsche erfüllt werden. Der Tod ist bei Bohnhoffs kein Tabuthema. So hat auch der Steinmetz schon genaue Vorstellungen, wie er beerdigt werden will. „Auf jeden Fall eine Erdbestattung in Sternberg, denn hier liegen auch meine Eltern, Großeltern und Tanten.“

Er ist sich sicher, dass es den Friedhof immer geben wird, aber wahrscheinlich nicht in seiner jetzigen Form. Noch wachsen hier Laubbäume. „Sie symbolisieren das Leben und Sterben. Im Herbst sterben die Blätter ab und fallen zu Boden, im Frühjahr wachsen neue nach. Das komme dem wahren Leben einfach näher als die immergrünen Nadelbäume, die schon auf vielen Friedhöfen gepflanzt werden.“
 

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