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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

12. Dezember 2017 | 09:35 Uhr

Warin : Über 200 Bedürftige pro Woche

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Tafel-Vorsitzende: „Für Warin und Umgebung ist das eine ganze Menge“. 27 Prozent Kinder sowie viele Ältere, deren Rente nicht ausreicht.

von
erstellt am 23.Jan.2017 | 12:14 Uhr

215 Personen, davon 58 Kinder (27 Prozent), versorgt die Wariner Tafel aktuell mit Wurst, Brot, Gemüse, Milchprodukten und anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Pro Woche; 52-mal im Jahr…

Im Frühjahr 2015 waren es noch 360 Leute – davon 100 Kinder – gewesen (SVZ berichtete). Doch auch die über 200 Bedürftigen sind laut der ehrenamtlichen Vorsitzenden Silke Pohl „für Warin und Umgebung eine ganze Menge. Es sind viele ältere Menschen, die mit der Rente nicht hinkommen.“ Zum Vergleich: Zur Eröffnung im Oktober 2009 waren es 60, die vorbeikamen.

Die Waren holen die Tafel-Fahrer Maik Haymann und Wilfried Kiaulin von Vollsortiment-Lebensmittelmärkten, Discountern und einem Großmarkt aus Warin, Wismar Neukloster, Kritzow und Grevesmühlen täglich ab. Die Tiefkühlkost kommt aus Neubrandenburg von der Tafel-Landeszentrale. „Fleisch haben wir eher selten im Angebot“, so Pohl, die den Vorsitz im Vorjahr von Martina Brandenburg übernahm, die gleich nebenan ein Café betreibt, sich aber weiterhin engagiert.

Die Wariner Tafel ist die einzige im Amt Neukloster-Warin. „Neben Warin und Umgebung haben wir hier Leute aus Neukloster, Reinstorf, Zurow und Fahren“, sagt die Schatzmeisterin des gemeinnützigen Vereins, Astrid Krohn.

Seit 7 Uhr hatten am vergangenen Freitag acht Frauen und Männer „Tafel-Dienst“, um alles vorzubereiten. Neben Pohl und Krohn waren es Anne Ebert aus Weiße Krug, der Neuklosteraner René von der Heyden sowie Britt Schröder, Margot Schwarz und die Ein-Euro-Jobber Maik Haymann sowie Mandy Pech aus Warin. Wilfried Kiaulin aus Warin und die Pennewitterin Ute Müller leisten hier bis 30. März ihren Bundesfreiwilligendienst.

Während der Öffnungszeit von 13.30 bis 14.30 Uhr – immer dienstags und freitags – soll und muss es zügig gehen. Immer drei Personen, wegen des besseren Überblicks, werden reingelassen. Die ersten standen bereits gute zwei Stunden vorher an. „Ich weiß nicht warum. Jeder bekommt seine Waren“, so Silke Pohl. Am Freitag waren z.B. im Korb für eine Person 27 Positionen drin – von mehreren Joghurt-Bechern bis hin zu Kloßmehl Thüringer Art.

Geschichte sind die Ärgernisse mit sich vordrängelnden Asylbewerbern vom Sommer 2016. Der Am Markt 17 ansässige Tafel-Verein reagierte prompt, öffnete mittwochs zusätzlich bis Herbst für die Flüchtlinge. Pohl: „Aktuell haben wir nur noch eine Flüchtlingsfamilie.“

Es ist 13.25 Uhr. Vor der Tür warteten bereits 20 Leute, dass es los ging… 

Kommentar: Armutszeugnis

Oktober 2009 begann die Wariner Tafel, versorgte 60 Leute mit Lebensmitteln, aktuell ist es fast das Vierfache. Hut ab vorm sozialen Engagement der Tafel-Bewegung, die es in Deutschland seit 1993 gibt. 2017 kratzen die Tafeln bundesweit an der 1000er-Marke mit 1,5 Millionen Bedürftigen. Eine unverfälschte Statistik – ein Armutszeugnis für unser so reiches Land wie nie! 
 

Hansezeit – durch Armenspeisung ins Himmelreich

Armut im antiken Rom hatte etwas total Negatives. Denn wer arm war, musste arbeiten und Arbeit war bei der Obrigkeit geradezu verpönt. Mit Aufkommen des Christentums wurde es seit dem frühen Mittelalter dann üblich, dass der Königshof die Reste eines Festmahls den Bettlern zukommen ließ. Ab ca. 11. Jahrhundert trat die Kirche bei der Armenpflege und -speisung immer mehr direkt in Erscheinung. Es folgte die städtische Obrigkeit. Man wollte so seine Sünden abgelten und sein Seelenheil im Himmel sichern. Siehe Markus-Evangelium: „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

So gründeten die durch den Hering immens reich gewordenen Lübecker Hanse-Kaufleute 1286 das Heilig-Geist-Hospital. Arme wurden hier behandelt und es gab auch eine Armenspeisung. Heute ist die Einrichtung eine der ältesten Sozialeinrichtungen hier zu Lande.

Barmherzigkeit spielt auch bei der Tafel-Bewegung eine Rolle. Die erste deutsche Tafel entstand 1993 in Berlin. 2017 gibt es inzwischen weit über 900 Tafeln für Bedürftige.

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