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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 22:51 Uhr

Warin : Trockenblick auf die Fischtreppe

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Wariner Millionenprojekt geht in die Endphase / Als nächstes muss in den kommenden Wochen noch das neue Wehr eingebaut werden.

von
erstellt am 14.Aug.2014 | 16:40 Uhr

Immer wieder schauen Wariner vorbei, was denn der Baufortschritt beim Fischtreppe-Millionenprojekt an der alten Wassermühle macht. Inzwischen können  nicht nur die Kiebitze einen Trockenblick von  der Fischtreppe machen  mit den Findlingen als Begrenzung der einzelnen Becken. Bevor durch den Stahlspundbohlen-„Bandwurm“ von 129,5 Metern Länge allerdings Wasser fließen wird und damit die Fische vom Glammsee in den Großen Wariner See  aufsteigen können, vergehen noch einige Wochen.

Findlinge stammen aus dem Kieswerk Krassow
Der Abschnitt in Höhe der  B 192 ist fertig. Die kommenden Tage wird der  drei Meter breite Fischaufstieg  komplett sein mit – vom Aufbau her – einer Kiesschicht ganz unten und darüber einem Kieselgemisch samt eingearbeiteten Wasserbausteinen. Und  oben drauf liegen besagte Findlinge, die sich die Ueckermünder Spezial-Wasserbau-Firma „Colcrete - von Essen“   laut  Polier Jens Bergmann „im Kieswerk Krassow selbst ausgesucht hat“.  

Während André  Voigt und Tim Gaedecke  die Wasserbausteine einarbeiteten, trugen andere Arbeiter einen Mundschutz. Sie grundierten und strichen  an den Innenseiten  der Fischtreppe die Nähte der miteinander verschweißten Stahlspundbohlen.

Die Findlinge bilden – ähnlich wie in einem Gebirgsbach – die natürlichen „Stufen“. Die Wariner Fischtreppe  besteht insgesamt aus 38 Riegeln und 37 Becken von mindestens 45 cm Tiefe. Der Höhenunterschied pro Riegel darf maximal  acht Zentimeter betragen, ansonsten wäre die Fließgeschwindigkeit für die Fische zu hoch. Beim Projekt in der Zwei-Seen-Stadt muss ein Höhenunterschied von 3,20 Metern ausgeglichen werden. 

Bei Baustart Mitte Februar  hatte Andrea Döring,  Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Obere Warnow, dem Auftraggeber für das Bauwerk  samt Wehr zum Preis  von insgesamt 1,35 Millionen Euro, von  einem „wagen Fertigstellungstermin Ende September oder Oktober“ gesprochen. Diese Zeitspanne  dürfte nach Lage der Dinge eingehalten werden. Dabei fand die Baufirma zwischenzeitlich im Erdreich mehr Steine vor, als ihr lieb sein konnte. Bevor die Stahlspundwände zwischen sieben und drei Meter mittels Spezial- Riesenkran tief in den Boden  gedrückt wurden,  mussten darum  mancherorts die Steineansammlung, aber auch gefundene Holzpfähle  erst einmal  ausgebuddelt werden.

Behinderungen  auf der B 192  angekündigt
Nach der  Fischtreppe, die  für ein so genanntes mittleres Winterhochwasser ausgelegt ist, konzentrieren sich die Arbeiten künftig wieder direkt an der B 192-Brücke. Anstelle des alten, im Zuge der Baumaßnahme längst abgerissenen  Wehrs wird längsseitig zur Wassermühle  neben der Fischtreppe ein neues errichtet. Derzeit finden dafür Bewehrungsarbeiten statt. Laut Bauleiter Ulrich Lange soll das neue Wehr, welches bei Hochwasser  als zusätzlicher Abfluss   im Mühlenbach  dient, „in der 38. Kalenderwoche, sprich Mitte September“ eingebaut werden.  Kraftfahrer auf der Bundesstraße  192 müssten sich darum, so Polier Bergmann, demnächst an der Baustelle auf Behinderungen (Ampelschaltung) einstellen.  Diese hielten sich, anders als zum Start Mitte Februar befürchtet,  in den bisherigen fast 26 Wochen Bauzeit zur Freude der Kraftfahrer arg in Grenzen.

Nach der Einweihung der grün-schwarz gestrichenen Fischtreppe soll dessen Außenseite mit Blick auf die Mühle  später noch mit sechs Bäumen sowie diversen Sträuchern verdeckt werden.  Das Wariner Fischtreppenprojekt mit seinen insgesamt 1,35 Millionen Euro wird  zu 90 Prozent aus Mitteln der EU und vom Land MV finanziert.  Laut  EU-Wasserrahmenrichtlinie müssen bis spätestens 2027 alle „relevanten Gewässer“ ab 10 km2 Einzugsgebiet durchlässig für Fische und allerhand Kleingetier sein. Hätte man lediglich das alte Wariner Wehr, das seit 1996 bereits den Stempel „Gefahr in Verzug“ trug,  durch ein neues ersetzt, wären die Kosten zwar nur ein Drittel so hoch gewesen. Doch diese hätte die Stadt ganz allein tragen müssen. Roland Güttler

 

 

 

 

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