Tag der offenen Töpferei in Ventschow : Töpferin lässt leise Musik erklingen

Tag der offenen Töpferei in der „Tonperle“ Ventschow: Keramikerin Karoline Höppner (l.) führt Ute Raboné und Tochter Anne (10) aus Wismar Craquelé vor, eine Spezialtechnik, bei der ein Netz von Rissen in der Glasur erzeugt wird.  Fotos: Rüdiger Rump
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Tag der offenen Töpferei in der „Tonperle“ Ventschow: Keramikerin Karoline Höppner (l.) führt Ute Raboné und Tochter Anne (10) aus Wismar Craquelé vor, eine Spezialtechnik, bei der ein Netz von Rissen in der Glasur erzeugt wird. Fotos: Rüdiger Rump

Karoline Höppner aus der Ventschower Keramikwerkstatt „Tonperle“ führte am Tag der offenen Töpferei die Spezialtechnik Craquelé vor.

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14. März 2016, 10:00 Uhr

Die Besucher schauen fasziniert zu: Karoline Höppner nimmt aus dem mittlerweile abgekühlten Brennofen eine Tasse, mit leuchtenden Farben bemalt und in dem Glanz, wie jeder Keramik kennt. Doch nicht erkennbar zieht sich ein Netz aus feinen Rissen und Sprüngen über die Oberfläche. Als Höppner die Tasse in schwarze Glasur getaucht hat, kommen die auf einmal zum Vorschein. Craquelé, eine Spezialtechnik bei der Keramikherstellung, lässt sich mit Rissbildung übersetzen und ist das Markenzeichen der „Tonperle“ in Ventschow.

Höppner hat die Keramikwerkstatt am 1. November 2014 eröffnet und sich am vergangenen Wochenende das zweite Mal am Tag der offenen Töpferei beteiligt. Vorher lernte und arbeitete sie 17 Jahre bei Christiane Gregorowius in Dambeck, einem kleinen Dorf etwa auf halber Strecke zwischen Schwerin und Wismar. Von dort brachte Höppner auch Craquelé mit.


Temperatur beim zweiten Brand bleibt Geheimnis


Die noch tonfarbenen Rohgefäße werden das erste Mal bei 930 Grad gebrannt, in der Fachsprache Schrühbrand genannt, danach bemalt und glasiert, bevor sie erneut in den Elekroofen kommen, jetzt bei niedrigerer Temperatur, so dass die Glasur nicht vollständig ausschmilzt. Die Spannung, die dabei entsteht, verursacht die Risse. Mit jeder Glasur sei das allerdings nicht hinzubekommen, fügt Höppner an. Ihre ehemalige Chefin, die den Tag der offenen Töpferei in MV initiierte und mit der sie weiter eng zusammenarbeitet, habe „viel experimentiert, bis es klappte“. Die Temperatur des zweiten Brandes bleibe beider Geheimnis. Ein Koch gebe auch nicht seine besten Rezepte preis.

Brand und Abkühlen des Brennofens dauern zusammen mindestens 24 Stunden. Den Deckel dürfe sie frühestens bei 250 Grad aufmachen, erklärt die gelernte Scheibentöpferin. Wie dann die Risse in der Glasur entstehen, ist überhaupt nicht zu sehen, wohl aber zu hören, ein zartes Klingeln, als würde im Hintergrund leise Musik erklingen. Und erst die schwarze Glasur macht die Risse sichtbar. „Das ist jedes Mal spannend. „Ich weiß vorher nicht, welche Risse entstehen. Manchmal sind sie sogar kreisförmig. Darauf habe ich wenig Einfluss“, sagt die 35-Jährige.

Nun ist Vorsicht geboten. Bei Berührung würde die dünne Glasur verlaufen, sie ließe sich auch abwischen, dann wären die Risse wieder kaum erkennbar. Erst ein dritter Brand bei 1145 Grad macht die Keramik gebrauchsfertig.

Ute und Thomas Raboné aus Wismar, deren Tochter Anne (10) zuvor eine Tasse bemalt hat, die sie im Verlauf der Woche nach dem Brand abholen können, sind begeistert. „Klasse“ und „schön“ finden sie die Craquelé-Arbeiten. „Ich habe gar nicht gewusst, dass das so schön klingt“, sagt Friedrich-Karl Bahls aus Neukloster. Er und Ehefrau Christiane sind zielgerichtet nach Ventschow gekommen – weil Höppner den Brennofen öffnete. Sie hätten voneinander gewusst, denn deren Lebensgefährte Frank Wolter sei wie sie Mitglied im Schützenverein Neukloster, doch persönlich würden sie sich nun zum ersten Mal begegnen. Christiane Bahls „kam, sah und siegte“ bei einer weißen Vase. In die habe sie sich sofort verguckt, trotz Schönheitsfehler. „Die stören mich nicht. Es ist Handarbeit und die Vase dadurch gleich zweifach ein Unikat.“

Craquelé werde wegen der Risse manchmal mit Raku verwechselt, sagt Karoline Höppner. Doch das sei ein völlig anderes Verfahren. Vereinfacht gesagt, werden dabei die rotglühenden Gefäße in einem Behälter mit organischem Brennstoff luftdicht eingebettet. Rauch, Sauerstoffentzug und im Laub enthaltene Mineralien wirken auf die Oberfläche ein, der Kohlenstoff durch Haarrisse.

Höppner bietet ihre Keramik nicht nur in der „Tonperle“ an, auch auf Märkten, wie Ostern in Plüschow oder von Juni bis September donnerstags alle zwei Wochen auf dem Kunsthandwerkermarkt am Warnemünder Teepott. Dort sei es besonders schön, wenn die großen Schiffe einlaufen.

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