Neue Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Sternberg : Therapie bei familiärer Bindung

Ergotherapeutin Nicole Krohn führt  Gedächtnistraining mit einem Test der Merkfähigkeit durch. Die Warinerin hat bereits in der KMG-Klinik Güstrow sowie in Wismar Erfahrungen auf ihrem Fachgebiet gesammelt.  Rüdiger Rump
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Ergotherapeutin Nicole Krohn führt Gedächtnistraining mit einem Test der Merkfähigkeit durch. Die Warinerin hat bereits in der KMG-Klinik Güstrow sowie in Wismar Erfahrungen auf ihrem Fachgebiet gesammelt. Rüdiger Rump

In Räumen vor dem Pastiner Tor, die Arbeitsagentur und Jobcenter freigezogen haben, befindet sich seit Mitte Mai eine Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie verkürzt die Fahrtzeiten für Patienten.

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05. Juni 2012, 09:22 Uhr

Sternberg | In Räumen vor dem Pastiner Tor, die Arbeitsagentur und Jobcenter vor mehr als einem Jahr freigezogen haben, befindet sich seit Mitte Mai eine Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Es handelt sich um eine Außenstelle der zu den Helios-Kliniken Schwerin gehörenden Carl-Friedrich-Flemming-Klinik. Auf deren Gelände war vor zehn Jahren die erste Tagesklinik für psychisch Erkrankte mit 24 Plätzen entstanden, 2005 eine Außenstelle in Ludwigslust mit 16 Plätzen für das südliche Westmecklenburg bis nach Brandenburg hinein. Sternberg ist die zweite externe Einrichtung dieser Art, die Helios Schwerin betreibt und eine teilstationäre Behandlung ermöglicht. Das bedeutet, dass die Patienten montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr an einen vielschichtigen Therapieprogramm teilnehmen, die verbleibende Zeit des Tages und die Wochen enden jedoch in ihrem häuslichen Umfeld verbringen. Dieses Angebot eignet sich vor allem dann, wenn eine ambu lante Behandlung nicht mehr ausreicht und intensiviert werden muss oder nach einer vollstationären psychiatrischen Therapie zur weiteren Stabilisierung.

Inzwischen sind in Sternberg alle zwölf Plätze belegt, und weitere Patienten warten auf eine Behandlung, stellte Dr. Jörg Flachsmeyer, Leitender Arzt der Tageskliniken, gestern fest, genau drei Wochen nach der Eröffnung. "Das zeigt, dass es Bedarf gibt. Die Tagesklinik hat den Vorteil, dass bei der intensiven psychiatrischen Behandlung die sozialen und familiären Bindungen erhalten bleiben", so Flachsmeyer.

Damit werde die Behandlung in die Region gebracht. Die tägliche Fahrtzeit der Patienten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Auto, Fahrrad oder in Ausnahmefällen mit Einwilligung der jeweiligen Krankenkasse mit dem Taxi soll eine halbe Stunde möglichst nicht überschreiten. Bislang mussten psychisch Erkrankte aus dem Sternberger Seenland nach Schwerin bzw. Güstrow fahren oder gar stationär aufgenommen werden. Die

neue Tagesklinik biete den gleichen fachlichen Standard, personell und in der Ausstattung, wie das Schweriner Mutterhaus, betont Flachsmeyer. Zur Einrichtung gehören jeweils eine Fachärztin, Psychologin, Ergotherapeutin und Sozialpädagogin sowie zwei Pflegekräfte. Sie sind aus der Landeshauptstadt hierher gewechselt oder wurden neu eingestellt. Behandelt werden Menschen ab 18 Jahren mit Psychosen wie Schizophrenien, affektiven Störungen wie Depressionen sowie mit Angsterkrankungen und Formen von Persönlichkeitsstörungen. Die Behandlung erfolgt überwiegend als Gruppentherapie. Dabei werden, erklärt Flachsmeyer, psychotherapeutische, pharmakologische und soziotherapeutische Elemente angewendet.

"Es gibt Behandlungsmöglichkeiten für das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen, von der Kriseninterven tion bei ganz akuten Belastungen bis hin zu hirnorganisch bedingten Erkrankungen im höheren Lebensalter", fasst Prof. Dr. Andreas Broocks zusammen, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik. Bei unklarer Symptomatik, die über die normalen ambulanten Möglichkeiten nicht zu klären sei, könne auch eine diagnostische Einordnung erfolgen. Ganz wichtig, so Broocks, sei "eine enge Zusammen arbeit mit den niedergelassenen Kollegen in der Region".

Die Behandlungsdauer beträgt im Durchschnitt sechs bis acht Wochen. Die Aufnahme erfolgt auf Verordnung durch einen niedergelassenen Nerven- oder Hausarzt oder durch Übernahme aus einer psychiatrischen Klinik. Vor der Aufnahme wird mit jedem Patienten ein ambulantes Vorgespräch geführt.

"Wir sind in dem Gebäude Mieter", sagt der Leitende Arzt. Die Räume seien zuvor für die jetzige Nutzung umgebaut worden. "Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten hat uns die Stadt gut unterstützt. Das ist nicht überall so", fügt Flachsmeyer an. Sternberg war nach dem Landeskrankenhausplan 2012 als Standort vorgegeben.

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