Mutige Schauspieler : Theater an der Blindenschule

Die stolzen Darsteller nach der Vorstellung.  Fotos: Kerstin Erz
1 von 3
Die stolzen Darsteller nach der Vorstellung. Fotos: Kerstin Erz

Schüler und Lehrer des „Überregionalen Förderzentrums Sehen“ in Neukloster führten „Schneeweißchen und Rosenrot“ auf

von
20. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Schneeweißchen und Rosenrot waren zwei Schwestern“, sang die 12-jährige Charlene Hasenbank und führte damit in das diesjährige Märchen des „Überregionalen Förderzentrums Sehen“ in Neukloster ein, die auch als Blindenschule bekannt ist. Vor der Bühne saßen die Kinder des Kindergartens „Am Sonnenkamp“ zusammen mit ihren Erziehern und verfolgten voller Spannung das Märchenspiel.

Erzieherin Sylvia Höfs hatte wie jedes Jahr ein gutes Händchen bei der Erarbeitung des Drehbuchs und der Liedtexte bewiesen. Sie selbst spielte die Mutter der beiden Mädchen, während Schneeweißchen in dieser Aufführung von Chantal Naumann (12) und Rosenrot von Johanna Danielle Podszus (10) dargestellt wurden.

In dieser Version verliebt sich Schneeweißchen in den Prinzen Jakob, gespielt von Ferdinand Drescher (14). Der sucht im Wald den bösen Zwerg, weil er seinem Vater, dem König - Eric Vogelsang (19) - den Kronschatz mit der List, er wolle ihn an der Neuklosteraner Börse vermehren, abgegaunert hatte. Dabei hatte Jakob gerade seinen Vater, den König überredet, den Schatz in Getreide für sein hungerndes Volk zu investieren. Jeder kennt das Märchen. Der Prinz wird vom Zwerg in einen Bären verwandelt, der im pelzigen Kostüm von Jan-Eric Wohlgemuth (14) gespielt wurde. Sein Bärengebrüll vom Band jagte den kleinen Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken.

Hauptdarsteller mit dem meisten Text war natürlich der Zwerg, gespielt von Erzieher Lutz Hein. Wieder mal eine Paraderolle, die ihm auf den Leib geschnitten war. Stück für Stück, wie von den Gebrüdern Grimm erdacht, schneiden die beiden Mädchen dem Zwerg den ständig eingeklemmten Bart ab, bis er so kurz ist, dass er seine Zauberkraft verliert. Die Sache mit dem Bart des Neuklosteraner Zwergen wurde dabei super gelöst und zwar von Ehefrau Silke Hein. Sie teilte den Bart einfach mittels Klettverschluss in die entsprechenden Stücke, die dann abgeschnitten wurden.

Wie gewohnt bei den Theaterstücken im Förderzentrum wurde auch dieses Märchen mit viel Musik und Gesang begleitet. Charlene Hasenbank entpuppte sich dabei als Sängerin mit einer tollen Stimme, ebenso Chantal Naumann. Sie sang dem Bären ein Schlafliedchen. „Ich wär so gerne Millionär“ von den Prinzen sang König Eric Vogelsang. Und das Zwergenlied „Oben auf dem Berg“, eigentlich ein Volkslied, wurde vom Zwergenkönig Maximilian Arnhold (20) gesungen.

Eric Vogelsang und Maximilian Arnhold waren in den vielen vorangegangenen Märchen die tragenden Säulen der Aufführung, spielerisch und gesanglich.

Beide haben jedoch nun das Alter erreicht, die Schule zu verlassen und in eine der Behindertenwerkstätten des Landes zu gehen. Das wird leider nicht in Neukloster sein. Eric geht in seine Heimat nach Pasewalk und Maximilian nach Rampe. Für die Beiden müssen nun Nachfolger als Schauspieler gesucht werden. Der Prinz dieses Märchens, Ferdinand Drescher, freut sich schon, dass er nun zum König aufsteigen darf ...

Da sich nun der böse Zwerg zum Schluss des Märchens in Luft auflöste, blieben von der Zwergengruppe nur noch sieben Zwerge übrig. Die führte der Zwergenkönig jetzt einfach in einen anderen Wald, um dort auf Schneewittchen aufzupassen. Und damit war es gesagt: Das nächste Weihnachtsmärchen des „Überregionalen Förderzentrums Sehen“ wird „Schneewittchen“ sein. Zuvor jedoch gibt es das traditionelle Sommermusical: diesmal „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preussler. Man darf gespannt sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen