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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

16. Dezember 2017 | 14:03 Uhr

Groß Raden : Test bestanden: Perun schwimmt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das zur Buga gebaute Slawenboot, das von Grund auf restauriert und in Groß Raden endbehandelt wurde, kann auf große Fahrt gehen.

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die Spannung steigt und steigt. Endlich der große Moment: Das Slawenboot „Perun“ wird am Archäologischen Freilichtmuseum in Groß Raden zu Wasser gelassen. Und es besteht den Test, schaukelt leicht in den Wellen und schwimmt. Die große Mühe, das während der Bundesgartenschau (Buga) 2009 in Schwerin gebaute, in den Jahren danach aber unbrauchbar gewordene Boot, wieder herzurichten, hat sich gelohnt. Rund 1000 Freizeitstunden stecken darin, sagt Eigner und Kapitän Daniel Wirges aus Bendorf bei Koblenz (wir berichteten). „Aus Freude haben wir gleich eine Runde auf dem See gedreht.“ Sechs Plätze sind es auf den drei Ruderbänken, einer am Steuer.

In Koblenz, der Stadt am Deutschen Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt, fand zwei Jahre nach Schwerin die Bundesgartenschau statt. Das war aber nicht der Grund, weshalb das nach historischem Vorbild gefertigte Slawenboot nach Rheinland-Pfalz wechselte. Vielmehr erfuhr Wirges davon bei einem Wikingerlager in Groß Raden und fand in Museumsleiterin Heike Pilz eine begeisterte wie rührige Verbündete für die Idee, eine historische Fahrt von Andernach über Rhein und Nordsee nach Ribe in Dänemark nachzustellen. Dort gibt es das Freilichtmuseum Ribe VikingeCenter sowie eine Kirche, die 900 Jahre alt wird. Steine dafür seien seinerzeit auf dem Wasserweg von Andernach dorthin transportiert worden, erzählt Wirges. Zu dem Jubiläum wollen die Bendorfer wie einst Steine in die gut 8000 Einwohner zählende Stadt im Südwesten Jütlands bringen. Natürlich nicht in einem beliebigen Gefährt, sondern in einem, das in die damalige Zeit passt. Das sei „eine gewagte Herausforderung“, räumt Wirges’ Mitstreiter Georg Sauerborn ein. Aber die Strecke müssten nicht alle in einem Ritt bewältigen, sondern eher sich abwechselnd in Etappen und somit „sozialverträglich“, denn schließlich gebe es auch Familie und Beruf, fügt Sauerborn an.

Ein Neubau wäre noch viel aufwändiger geworden. Das Slawenboot bestehe komplett aus Eichenholz, „drei Stämme haben daran glauben müssen“, weiß Daniel Wirges. Die Bootsplanken würden nicht daraus gesägt, sondern nach der Faser gehauen, erklärt er. Die Bolzen bestünden aus Weidenholz, das weicher und elastischer sei. Damit würde alles verkeilt. „Wie simpel und doch ausgefeilt. Die handwerklichen Fertigkeiten waren unglaublich“, sagt Wirges bewundernd. Metall sei sehr teuer gewesen und daher sparsam verwendet worden.

„Wir sind dabei gewachsen, haben viel experimentiert“, so der Bendorfer Freizeitwikinger. Sicher hätten auch die Erfahrungen vom vorherigen Bau eines Einbaums aus einem Stamm geholfen. Er mache dem Marineclub in Schwerin, der das Slawenboot nach der Buga bekommen, aber nicht richtig damit umzugehen gewusst habe, keinen Vorwurf. „Es lag trocken unter einem Baum, die Leute konnten nichts dafür, dass es undicht wurde“, meint Wirges. Gerade ein Boot dieser Art verlange Fachkenntnis. „Als es uns übergeben wurde, haben wir versprochen, es wieder zum Schwimmen zu bringen.“ Material zu beschaffen, sei für ihn als gelernten Forstwirt und jetzigen Inhaber einer Baumpflegefirma kein Problem gewesen. Die Hauptarbeit sei in Bendorf erfolgt, die Endbehandlung jetzt während des Wikingerlagers in Groß Raden. Zwischen den Planken musste Wolle nachgestopft werden, den Abschluss bildete der Anstrich aus einer Mischung aus Buchenholzteer und Leinöl. Deren markanter Geruch steigt bis auf den Steg in die Nase.

Für die Wikingerfreunde, die glücklich darüber sind, dass das Slawenboot wieder schwimmt und sie damit auf große Fahrt gehen können, ist die Art, in Groß Raden zu verweilen, „Digitaldiät“, wie es Daniel Wirges ausdrückt. „Kein Radio, Fernseher, Handy oder was noch damit zusammenhängt“. Und sie schätzen „den tollen Umgang miteinander“. Nachwuchs wächst auch damit auf. Ilka, zehneinhalb Monate alt, die Tochter von Stephan und Katharina aus der Nähe von Olpe, ist die Jüngste in der Runde.

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