Brüel : Taubenzüchter wollen Perfektion

Fachgespräch auf der ersten Zuchttier-Börse des Giant Homer-Clubs Deutschland in diesem Jahr in Brüel zwischen Norbert Jahn (l.) aus Jatznick bei Pasewalk und dem stellvertretenden Vorsitzenden Torsten Nitsche aus Diekhof bei Güstrow.  Fotos: Rüdiger Rump
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Fachgespräch auf der ersten Zuchttier-Börse des Giant Homer-Clubs Deutschland in diesem Jahr in Brüel zwischen Norbert Jahn (l.) aus Jatznick bei Pasewalk und dem stellvertretenden Vorsitzenden Torsten Nitsche aus Diekhof bei Güstrow. Fotos: Rüdiger Rump

Die Mitglieder des Giant Homer-Club Deutschland in Brüel wollen Schönheitsmerkmale der Tiere buchstäblich herausgekitzeln. Internationale Kontakte bringen die Züchtung voran.

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04. März 2016, 21:00 Uhr

An den Bewertungskriterien lässt sich nicht rütteln: Die Fiederung soll absolut glatt sein, der Kopf eine Bogenlinie darstellen, nicht zu hoch oder zu flach, der Körper eine sehr breite Brustrundung haben und auf eine Feder auslaufen. Und zehn Schwungfedern müssen es sein, keine mehr oder weniger. In Frankreich sei er mal bei der Bewertung „mächtig auf die Nase gefallen“, weil seine Taube elf Schwungfedern hatte, erinnert sich der Brüeler Gerhard Orlowske. „Damit ist sie nichts wert.“ Er ist Vorsitzender des Giant Homer-Clubs Deutschland, dessen Mitglieder sich der Züchtung dieser aus Amerika stammenden Riesenbrieftaube verschrieben haben.

Eine Reihe feiner Nuancen, „die ein Tier besonders schön machen oder hässlich aussehen lassen“, kommen noch hinzu, sagt Torsten Nitsche aus Diekhof bei Güstrow, Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender. Es gehe stets um Perfektion. Manches finde man erst über Jahre heraus, vor allem bei den Farbschlägen. Nitsche verstehe es, „genetisch alles herauszukitzeln“, sagt Orlowske anerkennend, die Tauben so zu paaren, dass sie der Perfektion immer näher kommen. „Er ist der Genetiker im Club.“


Besuch in Ungarn und erste Zuchttier-Börse


American Giant Homer, vor rund 100 Jahren aus Brief- und Nutztaube gekreuzt und dann veredelt, sei die eigentliche Bezeichnung, die hier verkürzt wurde. In Europa gelten die Ungarn als führend. Sitz der vor einigen Jahren gegründeten deutschen Spezialzuchtgemeinschaft wurde Brüel, weil der Vorsitzende hier zu Hause ist. Die mecklenburgische Kleinstadt als Zentrum, das höre kein Sachse oder Bayer gern, sagt Orlowske schmunzelnd, „aber wir haben beste internationale Kontakte, vor allem nach Ungarn, und kommen über Jahre an Spitzentauben heran, die die Züchtung voranbringen“. Dieses Jahr seien Mitglieder erneut dort gewesen. „Und je besser sie uns in Ungarn kennen“, sagt Nitsche, „umso preiswerter wird das für uns.“ In Ausstellungen gut bewertete Giant Homer kosteten dort zwischen 60 und 100 Euro. In Deutschland habe er schon von 350 Euro für ein Einzeltier gehört. Damit sei für ihn die Schmerzgrenze jedoch weit überschritten. Wobei die Preise derzeit fielen.

Der Giant Homer-Club zählt aktuell 21 Mitglieder. Bei ihrer ersten Zuchttier-Börse des Jahres in Brüel präsentierten sie „zu 98 Prozent Ungarntiere in relativ hoher Qualität“, so Orlowske. Norbert Jahn kam aus Jatznick bei Pasewalk und brachte fünf Tauben zum Verkauf mit, vier in Blau mit schwarzer Binde und einen Schimmel; eine schwarze Täubin hatte er erworben. „Das ist das Schöne, jeder gibt seine
Erfahrungen weiter, und wir können kaufen, verkaufen oder tauschen.“ Die Züchter würden mitbringen, was sie zu viel haben, und Ausschau halten, was sie brauchen. Alle hätten die gleichen Interessen, doch die Geschmäcker seien nun mal unterschiedlich. Er habe 30 Paare für die Zucht und sei in ganz Deutschland unterwegs.

Giant Homer gehören zu den „am stärksten vertretenen Rassen“, sagt Nitsche. Ihre Zucht sei jedoch auch deshalb schwierig, weil sie groß seien und Platz brauchten, aber genauso Bewegung, um Muskelmasse aufzubauen statt nur Fett anzusetzen. Geschlachtet bringen sie ca. 600 Gramm auf den Tisch, andere Brieftauben etwa 400 Gramm. Mit den Flugkünsten sei es angesichts des Gewichts nicht zum besten bestellt. Sie würden kaum auf das Dach fliegen, sondern eher über den Hof laufen. Es sei aber eine „sehr ruhige Rasse“ und daher so beliebt. Und mit einem kleinen Trick – die Füße nach hinten drücken – würden sie sogar handzahm, verrät Nitsche. Für ihn zähle indes, dass eine Taube „nicht wie ein Fettkloß“ im Käfig hockt, sondern sich zeigt und ihre ganze Schönheit ausstrahlt.

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