Mankmoos : Tanja braucht einen Treppenlift

Für diese sechs Stufen der Außentreppe wird ein Treppenlift benötigt. Katja Techentin schafft es nicht mehr, die inzwischen 22-jährige Tochter Tanja in dem maßgefertigten Wagen ins Freie zu tragen. Im Haus packt Ehemann Roman an, doch tagsüber ist er zur Arbeit.
Für diese sechs Stufen der Außentreppe wird ein Treppenlift benötigt. Katja Techentin schafft es nicht mehr, die inzwischen 22-jährige Tochter Tanja in dem maßgefertigten Wagen ins Freie zu tragen. Im Haus packt Ehemann Roman an, doch tagsüber ist er zur Arbeit.

Eine 22-Jährige aus Mankmoos kann wegen hochgradigen Muskelschwunds nur liegen. Nach einer virtuellen Ausbildung zur Bürokauffrau ist sie auf Arbeitssuche.

svz.de von
11. Juli 2014, 16:30 Uhr

Den Anstoß, sich über die SVZ an die Öffentlichkeit zu wenden, gab Hans-Jürgen Zutz, neugewählter Wariner Stadtvertreter. Der 53-Jährige aus dem Ortsteil Klein Labenz gehört dem Verein Motorrad e.V. in Göllin an, zwischen Neukloster und Bützow gelegen. „Wir sammeln regelmäßig Spenden, um soziale Projekte und Einrichtungen zu unterstützen, zuletzt ein Kinderheim. Die lagen allerdings jedes Mal ziemlich weit weg“, räumt Zutz ein. Nun habe seine Frau gesagt, „ihr fahrt in die weite Welt, und hier im Nachbardorf braucht jemand dringend Hilfe“. Tanja Techentin, 22 Jahre, leidet an spinaler Muskelatrophie. Als Ursache für den hochgradigen Muskelschwund gilt ein genetischer Defekt, von dem ihre sechsjährige Schwester Lucy zum Glück verschont blieb. Seit dem ersten Lebensjahr nimmt die schwere Erkrankung ihren Lauf und hat zu schwerster Körperbehinderung geführt.


Der Vater ist tagsüber zur Arbeit


„Tanja ist geistig voll da und intelligent, sie bildet sich weiter“, wie Mutter Katja Techentin betont. Doch die Muskeln bilden sich zurück, die junge Frau kann nicht einmal sitzen, sondern liegt in einem maßgefertigten Wagen. Im Haus trägt Vater Roman Techentin die Tochter, doch tagsüber ist er zur Arbeit. Wenn seine Frau mit Tanja nach draußen will, ist sie auf Hilfe angewiesen. „Zuerst ging das noch irgendwie, doch ich habe mir dabei den Rücken kaputt gemacht“, erzählt Katja Techentin. Ihre Eltern wohnen nebenan, „werden aber auch nicht jünger und können nicht ständig zu Hause sein“. In dem Fall hat sie sich selbst auf der Straße nach einem Bekannten umgesehen, der an dem Wagen mit anfasst. Doch Mankmoos wirkt wie in andere kleine Dörfer zu manchen Zeiten menschenleer.

Der Antrag auf einen Treppenlift wurde abgelehnt. Tanjas Vater arbeitet in einem Forstbetrieb und bezieht ein ausreichendes Einkommen, wird begründet. „Doch bei einem Verdiener ist so viel Geld einfach nicht übrig. Wir haben auch noch das Haus abzubezahlen“, sagt Katja
Techentin. Sie habe mehrere Kostenvoranschläge eingeholt. Die würden zwischen 9000 und 16 000 Euro liegen. „Ab 1,30 Meter Höhe wird es teuer, und wir liegen knapp darüber“, so Techentin. „Ein zinsloses Darlehen wurde uns angeboten. Aber das muss auch zurückgezahlt werden. Es geht nicht, dass wir uns mit einem zweiten Kredit belasten. Gern würden wir auch einen gebrauchten Treppenlift nehmen. Niemand weiß allerdings, woher wir einen bekommen.“ Sie finde es „sehr traurig, dass in unserer Gesellschaft schwer kranke Menschen, die schon wenig vom Leben haben, sich nicht einmal selbst versorgen können, auf Spenden angewiesen sind“, sagt die Frau aus Mankmoos.


Vor fünf Jahren wurde schon einmal geholfen


Die Gölliner Biker würden möglicherweise gemeinsam mit anderen wieder eine ordentliche Summe zusammenbekommen, meint Hans-Jürgen Zutz. Doch dann sei da ein anderes Problem, mit dem er nicht klar komme. „Wir sind zwar ein eingetragener, aber kein gemeinnütziger Verein.“ Das bedeute, dass das Finanzamt die Hand aufhalte. Es sei schwer genug, Geld in diesem Umfang, wie es hier
gebraucht werde, zu sammeln, aber davon dann noch welches an das Finanzamt abzudrücken, gehe über sein Verständnis. Zutz sucht deshalb Rat, wie dem auf legale Weise begegnet werden kann, oder aber einen Sponsor.

Schon einmal wurde Tanja mit einer Veröffentlichung in der SVZ geholfen. Vor genau fünf Jahren drohte ihre virtuelle Berufsausbildung bei den Diakonischen Diensten „Annastift“ in Hannover zur Bürokauffrau zu platzen. Die Zusage für ein Praktikum nach dem Abschluss der zehnten Klasse, der bei Einzelunterricht zu Hause zustande kam und gut bis sehr gut ausfiel, in Englisch zum Beispiel mit einer Eins, lag vor, die Chance auf eine Ausbildung war groß. Die Internetkapazität in Mankmoos reichte jedoch vorn und hinten nicht. Nachdem der Artikel die Runde gemacht hatte, stellte skyDSL über Satellit schnelles Internet bereit.

In der Ausbildungszeit absolvierte Tanja von zu Hause auch ein dreimonatiges Praktikum bei Siemens. „Das ging super. Sie wäre auch übernommen worden, doch für den Arbeitsplatz war ein Studium zum Betriebswirt die Voraussetzung“, erzählt die Mutter. Nach dem „sehr guten Abschluss“ als Bürokauffrau hatte Tanja befristete Arbeitsverträge für drei bzw. sechs Monate in Grafik & Design und Marketing. Jetzt sei sie wieder auf Jobsuche und vor allem wegen der überwiegenden Standardabsagen deprimiert.


Gern in gelernten Beruf als Bürokauffrau


„Ich habe den Eindruck, die meisten lesen die Bewerbung gar nicht“, so die Mutter. Anderen sei es vielleicht zu umständlich, die Programme zu Hause zu installieren. Doch wenn das einmal geschehen sei, lasse sich bestens kommunizieren. Die Bürokauffrau bekäme die Arbeit nach Hause gesendet und würde sie erledigt zurückschicken. Tanja möchte in ihren gelernten Beruf. „Rechnungsprüfung wäre genau das Richtige“, sagt sie. Mit Zahlen habe sie schon immer gut umgehen können.

Vielleicht erfüllt sich nicht nur der Wunsch nach einem Treppenlift, sondern auch der nach einem Arbeitsplatz, hoffen Tanja und ihre Eltern weiter.

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