Witzin : Super Vorstellung – Ergebnis offen

Nachdenklich erklärt Bruno Urbschat (2.v.l.) das Kriegerdenkmal für die gefallenen Soldaten und Flüchtlingsopfer aus den beiden Weltkriegen und zieht Parallelen in die heutige Zeit. Kriegsflüchtlingen müsse menschlich und unkompliziert geholfen werden, so Urbschat.
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Nachdenklich erklärt Bruno Urbschat (2.v.l.) das Kriegerdenkmal für die gefallenen Soldaten und Flüchtlingsopfer aus den beiden Weltkriegen und zieht Parallelen in die heutige Zeit. Kriegsflüchtlingen müsse menschlich und unkompliziert geholfen werden, so Urbschat.

Witzin beeindruckt die Wettbewerbskommission des Landes mit einer „sehr aktiven Dorfgemeinschaft“. Die Sieger werden am Montag bekannt gegeben.

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16. September 2015, 20:38 Uhr

Wera Festner von den Landfrauen in MV ist ganz in ihrem Element. Der von Antje Pöhls aus Witzin geleitete Seniorenchor, der am Dienstag den Schlusspunkt setzt, tritt in Trachten auf. Das hatte die bekennende Landfrau vorher nicht gewusst, aber vorsorglich das mitgebracht, was sie sonst nach altem Brauch bei Veranstaltungen trägt. So ist die Freude beiderseits groß.

Festner gehört zu den elf Mitgliedern der Landesjury, die im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ vorgestern Witzin besucht. Die Gemeinde gehört mit Pinnow und Balow zu den drei Siegern im Landkreis Ludwigslust-Parchim, die sich unter 43 Teilnehmern durchgesetzt und damit die Finalrunde im Land erreicht haben (SVZ berichtete). Hier sind es neun Teilnehmer. Was sie präsentieren,
bewerten jeweils zwei Jurymitglieder in fünf Bereichen, erklärt Ulrike Defahl aus dem Landwirtschaftsministerium, Vorsitzende der Wettbewerbskommission. Wegen Chancengleichheit bleibt allen die gleiche Zeit von zweieinhalb Stunden.


In freie Häuser ziehen Familien mit Kindern


Witzin nutzt die bestens organisiert und liefert eine super Vorstellung ab. Hoch hinaus geht es zu Beginn, zumindest, wer will. Die freiwillige Feuerwehr um Edwin Schmied hat aus Sternberg Unterstützung mit der Drehleiter bekommen. Von oben bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf das, was die Jury dann aus der Nähe in Augenschein nehmen wird. Diejenigen, die sich trauen, sind begeistert. Wegen des kräftigen Windes wird die Leiter nur bis 25 Meter ausgefahren, sieben mehr wären möglich gewesen.

Die Kita „Weltentdecker“, vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Kreisverband Schwerin-Parchim, im Dezember 2012 mit einem Kind und zwei Erzieherinnen wiedereröffnet, nachdem die Volkssolidarität Güstrow als vorheriger Träger die Einrichtung wegen Unwirtschaftlichkeit aufgegeben hatte, hat sich mit großer Unterstützung der Gemeinde fast unglaublich entwickelt. Jetzt sind es rund 25 Mädchen und Jungen, Tendenz weiter steigend. Dreimal wurde
bereits erweitert, der nächste Anbau, ein Wintergarten, ist in der Planung. Bürgermeister Hans Hüller nennt eine einfache Erklärung: Wenn Häuser oder Wohnungen frei werden, ziehen dort meist junge Familien mit Kindern ein.

Neben dem Spielplatz mitten im Dorf grasen auf einer umfriedeten Koppel zwei Kühe. Für eine übergibt Julia Rehm, Leiterin der Witziner Milchviehanlage, einen Patenschaftsvertrag mit der Kita. Diese erhält den Erlös aus der Milch dieser Kuh, die inzwischen „Samari“ heißt und alsbald kalbt. Der Name sei gemeinsam mit den Kindern ausgewählt worden, sagt Kita-Leiterin Jana Ruder. Er passe gut zur Einrichtung mit dem ASB als Träger und dem Agrarbetrieb, der sich auch ein
wenig als Samariter verstehe, meint Julia Rehm. Gerit Jannes Brink, Betriebsleiter in der Landwirtschaftsgesellschaft Pastin, der die Milchviehanlage später kurz vorstellt und betont, dass Besucher jederzeit willkommen seien, lächelt dazu freundlich.

Ernster wird es am Kriegerdenkmal für die Opfer aus beiden Weltkriegen. Dies sei ein Ort der Ruhe, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinde, sagt Bruno Urbschat, viele Jahre Bürgermeister und jetzt Gemeindevertreter. Jeder verweile hier auf seine Art. Er sehe, so Urbschat, einen engen Bezug zur aktuellen Situation. Wie einst brauchten Kriegsflüchtlinge menschliche Aufnahme. Ein Thema, das auch Uwe Seppmann im Ortsteil Loiz bewegt. Er betreibt dort seit 20 Jahren mit seiner Familie das christliche Gästehaus „Beth-Emmaus“. Wenn jede Gemeinde eine Familie aufnehme, wäre das Flüchtlingsproblem gelöst. Er stelle eine Ferienwohnung dafür zur Verfügung.

Die Zeit ist geschwind um. Der Seniorenchor singt „Wer hat an der Uhr gedreht“. Das Stichwort für Ulrike Defahl: „Das war ein straffes Programm, das eine sehr aktive Dorfgemeinschaft gezeigt hat.“ Sie sei mehr als beeindruckt, so Defahl. Wie die Jury die einzelnen Fachbereiche bewerte, wisse sie allerdings nicht. Die Landessieger werden am Montag bekannt gegeben. Die beiden Erstplatzierten vertreten MV im Bundeswettbewerb.

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